Samstag, 16. März 2019

CD-Review: Streambleed "Enslave The World Forever"

Kürzlich am Schlachthof Wiesbaden… Eigentlich war ich für ein Konzert von AMORPHIS, SOILWORK, JINJER und NAILED TO OBSCURITY vor Ort, da wurde ich durch eine unkonventionelle Marketingidee auf eine österreichische Band STREAMBLEED aufmerksam, um deren, mir in diesem Rahmen vorgestellten, Silberling es hier nun in Folge gehen soll, vorzustellen. Zur Erklärung: Mir wurde zunächst angeboten, einige kurze Hörsamples eben jener Band, per IPhone  und In-Ear-Knöpfe, zuzulassen. Ich kam der Bitte nach, denn was sollte schon passieren? Außer dass man im schlechtesten Fall, um der Ehrlichkeit Genüge leisten zu müssen, hinterher vielleicht sagt, dass es einem nicht so richtig gefallen habe. Ganz klar: Hier kam es komplett anders! Nachdem ich dem "Promoter" spontan mein Gefallen kundgetan hatte, wurde mir ein Exemplar des Corpus Delicti (alias "Enslave The World Forever") in Form eines schicken Digipacks zur intensiveren Augenscheinnahme und vor allem der akustischen Wahrnehmung überlassen. Meinerseits natürlich mit dem Versprechen erwidert,  euch dieses im Rahmen eines Reviews kurz vorzustellen. Und das tue ich hier mit Freuden!

STREAMBLEED existiert seit 2015 und präsentiert hier ihr erstaunlich reifes Erstlingswerk "Enslave The World Forever". Lässt der Name noch eine Old-
School-Thrash-Kapelle vermuten, werden dem Hörer jedoch Parallelen zu MACHINE HEAD oder alten PANTERA unweigerlich ins Gedächtnis gerufen. Kein Wunder, sortieren sich die Jungs doch selbst in die Groove-Metal Schiene ein. Völlig zurecht übrigens! Was hier aus den Boxen schallt, groovt so dermaßen ordentlich, dass es einfach Laune macht. Nicht zuletzt auch wegen der wirklich hervorragenden Produktion, die sich hinter denen namhafter Größen absolut nicht verstecken muss. Die Bässe pumpen, die Riffs sägen, und die Soli und Licks schneiden sich nachhaltig in die Ohrmuschel. Aber auch der Liebhaber des Thrash Metals modernen Anstrichs kommt hier sicher garantiert mehr als auf seine Kosten. Garniert wird diese abwechslungsreich gelungene Melange aus Midtempo-Riffing und filigranen Akzenten, von Stefan Weilnböcks einprägsamen und kraftvollen Vocals, immer wieder überraschen gekonnt inszenierte, melodiöse Arrangements, wie zum Beispiel der zweite Albumtitel 'Hated and Destroyed'. Nachdem der Opener 'Damnation' auch den letzten lethargischen Metaller zuverlässig und schlagartig aus dem Halbschlaf in die Realität zurück katapultiert hat, kann man sich dessen ungeteilter Aufmerksamkeit sicher sein. Folgerichtig entfaltet die Band in den folgenden Songs die komplette Bandbreite ihres Könnens, Schwächen werden allenfalls erkennbar, wenn Stefan in den Melodie-Gesang wechselt, wo er aus meiner Sicht nicht in 100%iger Weise überzeugt, aber locker 90% würde ich ihm dennoch unterschreiben (zum Beispiel für Track 4 'Supersystem'). Daher möchte ich auch nicht wirklich von Schwäche sprechen, sondern bestenfalls von Potential. Und davon hat diese Band im positiven Sinne sicher auch noch sehr reichlich. Mit dem balladesken 'Black Rain' findet sich dann nahezu in Mitte des Albums ein Track, der zum einen teilweise an METALLICA zu besten Zeiten erinnert, und außerdem noch dem Hörer eine kurze Verschnaufpause gönnt. Mit 'Voice Of The Stream' geht es dann allerdings schon wieder in die Vollen. Sollte ich nun einen Favoriten unter den Tracks benennen müssen, oder weitere Anspieltipps unterbreiten, empfehle ich jedem: zieht euch den kompletten Stream rein, und entscheidet bitte selbst, denn alles Andere wäre frevelhaft.
Wie bereits erwähnt, hinterlässt das komplette Album insgesamt einen sehr durchdachten und in sich geschlossenen Eindruck aus flüssigen, dennoch facettenreichen Kompositionen, die durch ihre Eigenständigkeit überzeugen. Einzig Track 11 'Let It Out Loud', welcher das Album abschließt, kann hier nicht ganz mithalten, daher gehe ich davon aus, dass es sich hier um einen älteren Titel handelt und quasi als "Bonus Track" den Weg auf das Album fand. Ein mehr als gelungenes Debüt, welches der Band hoffentlich einige Türen und Herzen öffnen wird. Sollten die Jungs also im nächstgelegenen Club bei Euch Live auftauchen, solltet ihr dringend in ein Ticket investieren und die Oberösterreicher unbedingt anchecken! Das wird der ultimative Test eurer Nackenmuskulatur, versprochen!
Seit ziemlich genau einem Jahr (16.03.2018) erschien das Debüt von STREAMBLEED "Enslave The World Forever" als Eigenproduktion.

8 von 10 Punkten

[Rico]

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