Mittwoch, 6. März 2019

CD-Review: Relinquished "Addictivities (Pt. 1)"


Schande auf mein Haupt, die Österreicher von RELINQUISHED kannte ich trotz zweier Alben und einer EP, die man seit 2004 veröffentlicht hat, überhaupt noch nicht. Erst das Pressekit zur dritten und aktuellsten Platte "Addictivities (Pt. 1)", das von dem zuständigen Label NRT Records wieder einmal sehr opulent aufgemacht wurde, hat meine Aufmerksamkeit erregt. Lohnt sich das Durchhören und verschwenden wir nur unsere Zeit mit dieser Platte? Let's find out!
Acht Tracks und ein instrumentales Interlude, die es zusammen auf knapp 49 Minuten bringen, bilden das formale Gerüst dieses Prequels zum Debütalbum "Susanna Lies In Ashes", das gleichzeitig eine Trilogie einleiten soll (wie es im Waschzettel beschrieben wird). Inhaltlich geht es um einen Drogensüchtigen namens Daniel, dessen Geschichte in wenig heiteren Tracks wie 'Damaged For Good' oder 'Into The Black' erzählt wird. Allerdings kommen diese Titel erst im späteren Verlauf zum Tragen. Vorher läutet man das Album mit den beiden längsten Songs 'Expectations' und 'Avalanche Of Impressons' ein (etwa acht
beziehungsweise sieben Minuten lang), die wiederum das verhältnismäßig kompakte 'Bundle Of Nerves' in die Zange nehmen. Dieser erste Akt, zeichnet sich vor allem durch jede Menge Atmosphäre und schaurige Effekte aus, die auf einem äußerst progressiven Melodic-Black-Death-Metal-Brett dargereicht werden. Stellt euch einfach einen Mixer vor, der CYNIC, NAILED TO OBSCURITY, CARACH ANGREN und ZONARIA zu einer homogenen Masse vermengt, bei der die Schlagzeugspuren jeweils vorab mit einem Trigger-Rührstab bearbeitet wurden, dann habt ihr den Auftakt dieser Scheibe. Das trifft nicht durchweg meine Vorlieben. Im weiteren Verlauf allerdings steigert sich der Dreher und sowohl mit spannenden Gitarrenkniffen als auch mit geradliniger Härte gelingt es der Tiroler Kapelle zu überzeugen  (siehe dem brachialem 'Syringe' und dem angeschwärzten 'Zero'). Das Schlagzeug wirkt zwar auch weiterhin etwas zu klinisch, aber das kann man noch als "Geschmackssache" entschuldigen. Das finale 'Void Of My Ashen Soul' ist dafür ein ordentlicher Doom Rausschmeißer, der als finaler Titel gut gewählt scheint und der erzählten Geschichte ein besonders düsteres Ende verleiht.

Insgesamt ist es gar nicht mal so einfach ein übergeordnetes Fazit zu ziehen. Während nämlich die erste Hälfte von "Addictivities (Pt. 1)" etwas zu verspielt wirkt und nicht jede kompositorische Entscheidung aufgeht (mag auch an der Länge der Songs liegen), nimmt RELINQUISHED in der zweiten Hälfte richtig fahrt auf und gefällt mir gerade in den harten, stringenten Abschnitten richtig gut. Wäre der Sound etwas dreckiger und weniger poliert, würde ich meine Begeisterung noch weniger in Zaum halten können. Fans der genannten Referenzen und Freunde des extremen Progs wird der Dreher allerdings auch so eine Menge Freude bereiten, während Old-School-Deather und Schwarzheimer bei dieser CD maximal ihre Nasen rümpfen werden. Ein solcher Mix neigt eben dazu zu polarisieren.
Ab 22.03.2019 gibt es die CD bei NRT Records, bis dahin kann man sich das Album auch schon Digital reinziehen.

7,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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