Dienstag, 12. März 2019

CD-Review: Ondfødt "Dödsrikets Kallelse"

Ja, so gefällt mir das! Black Metal ohne Schnörkel, schön im Geiste der frühen 1990er, in norwegischer Sprache und mit viel Rotz und Satan. Ironischerweise sind die Musiker von ONDFØDT aber weder Teil des ursprünglichen Inner Circle von MAYHEM noch Norweger nach Geburt. Die beiden Finnen Owe und Juuso prügeln sich mit wechselnden Mitstreitern seit sechs Jahren durch die Szene und haben mit "Dödsrikets Kallelse" (zu Deutsch "Die Verkündung des Todes") gerade ihr zweites Album auf den Markt gebracht.

Ganz ehrlich? Ich würde mir wünschen, dass es ähnlich wie im Death Metal auch
im Black Metal ein Old-School-Revival geben würde. Dieser eiskalte Sound, der in den frühen 90er durch Skandinavien gefegt ist, war einfach großartig und ist im Kern alles, was Schwarzmetall zum existieren braucht. Old-School Black Metal (oder kurz OSBM) muss dröhnen und wabern. Die Riffs müssen verwaschen klingen. Und die ausgekotzten Vocals müssen von einer plakativen Hybris angetrieben werden, die man in jedem Augenblick heraushört. ONDFØDT transportiert diese Attitüde ausgezeichnet und schreibt dabei noch hervorragende Ohrwürmer wie 'Den Sanna' oder das erhabene 'Midnatt'. Besonders die thrashige Note bereichert das Gesamtkonzept so ungemein, dass es mich wundert, dass nicht mehr Kapellen diese Ingredienz nutzen (also ohnehin schon). Im Ernst, viele ansich gute Alben wirken beliebig weil ihnen der Arschtritt fehlt, aber bereits dezente Thrash-Motive können den Unterschied machen.  
Auf "Dödsrikets Kallelse" wird gezeigt wie man die verschiedenen Stellschrauben richtig einsetzt. Es gibt Epik, wo Epik gebraucht wird. Es gibt Schwärze, wo Schwärze gebraucht wird. Und es gibt Thrash, wo Thrash gebraucht wird. Ohne etwas entscheidend neu zu machen, macht ONDFØDT eigentlich alles richtig und sorgt hoffentlich dafür, dass der OSBM auf lange Sicht wieder erstarkt. Der einzige Song in finnisch ist übrigens der letzte Titel 'Kun Minä Kuolen' - ein Cover von HÄMYS (eine mir unbekannte Truppe, aber der Song kann was). Ähnlich wie das gesamte Album, kann ich euch auch den Rauswerfer nur wärmstens empfehlen. Solange ihr mit dem Motto "Tradition statt Innovation" keine Probleme habt, wird euch dieser Dreher viele Stunden Spaß bereiten. 
Erschienen ist der Zweitling bereits am 25.01.2019 via Immortal Frost Productions.

9 von 10 Punkten

[Adrian]

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