Mittwoch, 2. Januar 2019

Reingehört: Melancholic Seasons "Martyrium"

Die Rodgauer Melo-Deather von MELANCHOLIC SEASONS haben bereits im vergangenen August ihr viertes Studioalbum "Martyrium" veröffentlicht, allerdings ist mir das Album erst vor kurzem in die Hände gefallen. Auch wenn es schon ein paar Monate auf dem Buckel hat, wollen wir dem Release die Ehre zukommen lassen, die erste Scheibe zu sein, die wir in diesem Kalenderjahr antesten.
Die Südhessen von MELANCHOLIC SEASONS sind bereits 23 Jahre in der Szene unterwegs und haben in dieser Zeit einige Platten in Eigenregie auf den Markt geworfen. Dieses Album ist allerdings etwas besonderes, denn es ist die erste Scheibe seit dem Tod des langjährigen Sängers Björn "Krach" Hoppe, der 2017 freiwillig aus dem Leben schied. Eigentlich war auch diese Veröffentlichung etwas anders geplant, denn so ist bereits der Titeltrack im Grunde nur eine Auskopplung aus dem Vorgängeralbum "Melancholia" und laut Band wollte man lediglich auch nur sieben Titel auf den Dreher packen (die drei Bonustracks am Ende kamen erst später dazu). Im Grunde wollte man also eigentlich eine etwas exzessivere Maxi produzieren - bis es dann eben doch anders kam.

Aber kommen wir zur Musik. In der Hauptsache bietet "Martyrium" melodischen Death Metal der Marke NIGHT IN GALES und BURDEN OF GRIEF mit fast ausschließlich deutschen Texten sowie zum Beispiel bei AKREA. Das ist ja eigentlich gar nicht so sehr mein Fall und auch hier zündet bei mir nicht jede Zeile und jeder Chorus. Stimmlich erinnern die Shouts an eine männliche Variante von HOLY MOSES (gefällt mir prinzipiell - mag aber längst nicht jeder) und müssten ein klein wenig besser arrangiert werden, um im Gesamtkonstrukt organischer zur Geltung zu kommen - überhaupt würde eine bessere Produktion die Stärken der Platte prägnanter nach Außen kehren. Denn in dieser Form erahnt man nur, wie gut die beiden Gitarristen sind, gerade wenn es darum geht interessante Riffs zu schreiben.
Alles in allem macht "Martyrium" ein guten Eindruck. Allerdings fehlt es MELANCHOLIC SEASONS hier vor allem an einem druckvollen Mix, einem echten Drummer und auch an Bass. Dennoch ist es in Hinblick auf die traurige Geschichte, die hinter der Entstehung steckt, dennoch ein schönes Zeitdokument, dass ihrem verstorbenen Frontmann ein würdiges Denkmal setzt und offenbart, dass hier einige tolle Gitarrenideen schlummern. Ich hoffe, dass es die Jungs fix schaffen die Lücken in der Besetzung baldigst zu schließen, um wieder richtig durchstarten zu können. Mit der richtigen Instrumentalisierung und dem passenden Sound, können auch Anglophile wie ich über die lebensnahen, deutschen Texte hinwegsehen - Zwinker, Zwinker. 
Seit 18.08.2018 gibt es die aktuelle Scheibe der Rodgauer bei der Band selbst zu erwerben.

[Adrian]

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