Sonntag, 16. Dezember 2018

CD-Review: Fallen Tyrant "Children Of A Nuclear Dawn"

Im zehnten Jahr des Bestehens schicken sich die Darmstädter Schwarzheimer von FALLEN TYRANT an endlich einen Nachfolger zu ihrem 2013er Debüt "No World To Win, A Life To Lose" zu veröffentlichen. "Children Of A Nuclear Dawn" gibt es seit letztem Monat bei Bleeding Heart Nihilist Productions im Angebot und ich habe mir das schicke Digipak einmal genauer angeschaut.
Nach einem Spoken-Word-Intro, das direkt in den ersten Track 'Dominator Overlord' überleitet, geht es ohne weitere Umschweife  zur Sache. Scharfe Gitarre, organisches Drumming und wütende Screams von Sänger Mithras bilden die Hauptzutaten dieser Melange. Spätestens ab dem zweiten Titel 'Shifting Tides Along The Rhine' merkt man, dass dieser Dreher kein typischer Black-Metal-Release ist. Die Grundierung und das stilistische Fundament sind
zwar noch tiefschwarz, aber der gezielte Einsatz von Harmonien und Melodien zeigt, dass man ganz bewusst versucht etwas anders zu machen als so viele andere Extremisten Bands. Ähnlich wie zum Beispiel NACHTMYSTIUM sich vor einigen Jahren von einer allzu orthodoxen Auslegung des Genrebegriffs verabschiedet haben, ist die Varianz bei den Songs des vorliegenden Albums ebenfalls sehr hoch. So kommt es beispielsweise bei 'Bullshit Bombardment' zu einem erfrischend rockigen Ausbruch, während man mit der lyrischen Kampfansage "This is South Hessian Black Metal. Fuck Everyone!" wiederum die Alte Schule des 90s Black Metal beschwört. Überhaupt ist diese Verbindung aus Experimentierfreudigkeit und Tradition ein sehr cooler Ansatz, der überraschend gut funktioniert. Also warum nicht zum Beispiel ein 80s Hardrock-Gitarren-Solo und ein wenig Lemmy-Gedächtnisgesang bei 'Death Code: World Manifest' einfließen lassen? Das klappt nämlich wunderbar. Wem das alles auf Dauer zu bunt wird, wird sich über den Titeltrack freuen. Denn der ist wiederum ein ausladender, dickwandiger Black-Metal-Bombenteppich mit viel langen wabernden Parts. Das ist allerdings nur eine kurze Verschnaufpause, denn 'A Whisper From The Concrete Below' ist wieder etwas experimentierfreudiger. Stellenweise sehr punkig pogt sich dieser Titel als Hommage an TAAKE und CARPATHIAN FOREST durch seine knapp 341 Sekunden Spielzeit. Im Ernst, besonders dieses Stück hat das Potenzial eine echte Live-Granate zu werden - man kaum stillhalten, wenn man die Stakkato-Beats hört. Das Finale bildet schlussendlich 'Astronomy', das Fans bereits durch den 2016er Geisterasche-Sampler "Zusammenkunft" kennen können und das dementsprechend den Charakter eines Bonustracks hat.
Insgesamt macht "Children Of A Nuclear Dawn" verdammt viel Spaß, gerade weil man ein paar Minuten benötigt um sich den Stil der Scheibe einzuhören. Dann offenbart sich allerdings ein breites Sammelsurium an verschiedenen Details, die einfach keine Langeweile auflassen kommen. FALLEN TYRANT scheut sich nicht von klassischem Heavy Metal über Thrash und Punk bis zu Psychedelia alles, was seine Mitglieder persönlich mögen, in seinen Black Metal einfließen zu lassen. Diese Emanzipation macht die drei Darmstädter zu einem der spannendsten Schwarzmetall-Acts, die wir momentan in Deutschland haben. Jedem Hörer wird dieser offene Umgang mit Stilmitteln natürlich nicht passen, aber wer mit den bereits erwähnten Einflüssen gut klar kommt (vor allem mit Blake Judds Kapelle Anno 2008), wird mit diesem Dreher viele glückliche Stunden verbringen. Da diese Beschreibung sehr gut auf mich selbst zutrifft, vergebe ich auch äußerst gerne eine Wertung, die an der Höchstnote kratzt, aber halte mich noch zurück eben diese zu ziehen, da ich mir sicher bin, dass es den Südhessen gelingen wird mit dem nächsten Dreher noch eine Schippe drauf zu legen.
Seit dem 19.11.2018 gibt es diese CD bei BHN Productions, während die Tape Version bei Narbentage Produktionen erhältlich ist.

9,5 von 10 Punkten

[Adrian]

Keine Kommentare:

Kommentar posten