Donnerstag, 12. Juli 2018

CD-Review: Hanzel und Gretyl "Satanik Germanik"

Was ist eine "Guilty Pleasure"? Laut dem Urban Dictonary ist das etwas, dass man eigentlich nicht mögen sollte, es aber trotzdem tut. Musikalisch  gesehen ist HANZEL UND GRETYL so ein Fall. Das amerikanische Duo macht Industrial Metal mit einem furchtbar kauzigem Deutschland-Gimmick. Vor knapp zehn Jahren hab ich die Truppe eine zeitlang recht intensiv verfolgt und auch schon live erleben dürfen. Knapp eine Dekade später flattert mir ihr neues Album "Satanik Germanik" in die Mailbox und eines ist sofort klar, das germanophile Image haben sie beibehalten.

Ansonsten hat sich musikalisch doch etwas geändert. Inzwischen sind sie sogar bei Metal Archives zu finden! Zuvor als zu gotisch-elektronisch verstoßen, brachte ihnen das letzte Album "Black Forest Metal" die nötige Akzeptanz unter den Mattenträgern. Tatsächlich gibt es Anno 2018 deutlich stärkere Metal-Anleihen im Sound der New Yorker als noch um die Jahrtausendwende. Die Riffs
sind dunkler, drücken mehr und klingen kälter. Die Strukturen sind wiederum durch ihren repetitiven Charakter und Stakkato-Sounds noch industriell genug um alte Fans bei der Stange zu halten. Auch der typische Humor der Band ist noch auf der Platte zu finden (wie man an 'Trinken mit der Kaizer' sehen kann) - auch wenn man insgesamt die Over-Top-Jokes (zum Glück) etwas reduziert hat. Dafür gibt es nun ein ganzes Bataillon an Mid-Tempo-Stampfern, die sich schwer und brachial durch die Landschaft walzen. Treibende Gewitterstürme findet man nur vereinzelt, aber wenn sie auftauchen, dann treffen sie ins Schwarze. 'Unter Alles' erinnert zum Beispiel phasenweise an die elektronischen Werke von SAMAEL. Die deutschen Texte wiederum bleiben grammatikalisch und inhaltlich auf einem niedrigen Niveau, was jedoch seit je her ein Trademark der Band ist. 
Alles in allem ist "Satanik Germanik" ein interessantes Album geworden (sofern man noch die stark elektronischen Tracks von HANZEL UND GRETYL gewöhnt ist). Die Hinwendung zu mehr Metal wirkt nicht aufgesetzt und passt gut zum militärischen Schockrock-Image. 

Lediglich etwas mehr Gaspedal hätte es sein dürfen, zu viele Songs verbleiben auf einem zu entspannten Level und würden dabei noch besser funktionieren, wenn man ihnen etwas mehr Raserei gegönnt hätte. Dennoch hat man auch einiges auf der Haben-Seite. Die Stimme von Sängerin Vas Kallas ist immer noch ein ordentliches Reibeisen und der monolithische Groove dröhnt satt produziert im Gehörgang. Kurzum, Fans von MINISTRY oder GWAR können hier durchaus zugreifen - alle anderen Musiksammler werden vielleicht mehr als einen Durchlauf brauchen, um das achte Album der Amis als ihre persönliche "Guilty Pleasure" anzunehmen.
Seit 06.07.2018 liegt "Satanik Germanik" zur Abholung bei Metropolis Records bereit.

7 von 10 Punkten

[Adrian]

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