Donnerstag, 17. Mai 2018

Reingehört: Moloch "The Other Side"

Durch einen guten Freund bin ich zuletzt ein wenig in die Synthwave-Szene eingeführt worden. Dabei handelt es sich um eine moderne Interpretation der elektronischen Synthesizer-Musik der 80er Jahre. Wer in besagter Dekade aufgewachsen ist oder nachträglich von ihr sozialisiert wurde, wird bei diesem Genre ein feuchtes Höschen bekommen. Passend zu meinem aktuellen Interesse ist mir kürzlich die neuste EP vom polnischen Künstler Fabian Filiks zugeschickt worden, der unter dem Banner MOLOCH seit 2006 Synth- und Darkwave-Alben veröffentlicht. "The Other Side" heißt dieser neuste Output, den wir an dieser Stelle gern unter die Lupe nehmen wollen.

Knapp 24 Minuten feinste Retro-Disco bekommt man hier auf sechs Titel verteilt geboten.
Allerdings steckt hier auch laut Aussage des Promozettels nicht nur Elektronik drinnen, auch black-metallische Einflüsse sollen zu spüren sein. Na gut, Wenn der Künstler das meint, will ich nicht darüber streiten - 'F.E.A.R.' lässt mit dezenten Verzerrungen diese Verwandschaft zumindest erahnen. Hauptsächlich gibt es aber eine ordentliche Kante Old-School-Wave auf die Ohren, die man mit viel Dark Ambient und John Carpenter Inspiration angereichert hat (ein Einfluss, den man wiederum deutlich klarer heraushören kann). Sei es, wie es sei: der genannte Song kann so oder so was! Das etwas plakativ benannte 'I Am Moloch' greift in der Folge die aufgebaute Energie gut auf und entwickelt die treibenden Beats sinnvoll weiter, auch wenn der Track gegen Ende etwas an Fahrt verliert. Zum Glück wird es in 'A Dream Of Death' wieder spannender und die Stilmittel abwechslungsreicher. Der ziemlich einfallslos getaufte Rauswerfer 'The End' ist mir als Abschluss dieser EP dann schon fast zu theatralisch beziehungsweise gotisch, ab als kürzester Titel der Scheibe, ist er auch mehr ein verzichtbares Outro, das keinem weh tut, als ein schmerzhafter Totalausfall.

Insgesamt gefällt mir 'The Other Side' sehr gut, auch wenn es seine Kinderkrankheiten hat. MOLOCH ist in den Synthwave-lastigen Momenten (wie dem Titeltrack) richtig stark und macht unheimlich viel Spaß, aber lässt stellenweise etwas zu viel Längen in den Stücken zu. Kann man darüber hinweg schauen? Ich sage ja. Dreiviertel der Spielzeit sind bombastisch geworden und ein Viertel etwas zäh, was man aber noch verkraften kann. Wenn ihr Lust auf ein wenig düstere Nostalgie habt, dann hört in die EP rein - nicht nur alte Wave-Gothics mit Nightrider-Fetisch werden hier ihren Spaß haben.
Seit 30.04.2018 gibt es das Mini-Album bei Via Nocturna im Angebot.

[Adrian]

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