Mittwoch, 11. April 2018

CD-Review: Ewig.Endlich "Auf Grund"

Angeschwärzten Postcore könnte man als Musik der Stunde bezeichnen, wenn er nicht bereits seit einigen Jahren existent wäre und er endlich den Sprung aus dem Untergrund schaffen würde. Echte Kenner wissen allerdings Bands wie KING APATHY oder ANCST angemessen zu schätzen und bekommen mit EWIG.ENDLICH. einen weiteren Grenzgänger vorgesetzt, der extremen Metal mit Post Rock und Hardcore zu mixen weiß. Ihr erstes Album "Auf Grund" erscheint diesen Freitag und dürfte für viele unterschiedliche Lager interessant sein.
Die 55 Minuten Spielzeit bieten nämlich eine Menge Raum für allerhand Ausflüge in die unterschiedlichsten Regionen der zeitgenössischen Gitarrenmusik. Während besonders die ersten Songs vor Postrock nur so strotzen, geht es nach einem Übergang aus Sludge mit einer ordentlichen Kante Black Metal weiter, die vor allem in 'Bekenntnis' ordentlich sägen darf. Gerade zum Ende hin kollabiert dieser Song in wundervollen Kaskaden in ein abruptes Finale hinein. 

Danach wird ein schwerer Doom-Hammer geschwungen! 'Schwarz und Stern' drückt ordentlich aber bleibt Dank den post'igen Einschüben immer auch locker und dynamisch. Apropos dynamisch, 'Neon und Asphalt' ist in diesem Bereich
das Vorzeigestück des Albums, denn neben space'igen Sounds und sphärischen Klangteppichen wird auch immer wieder das Gaspedal ordentlich durchdrückt. Abermals ändert sich im nächsten Song wieder fast alles und die Handbremse dazu fest angezogen.  Für Freunde von dunklen Sludge-Kapellen wie OMEGA MASSIF oder PHANTOM WINTER könnte 'Abend' ganz spannend sein, das die bisherige Astralreise für einen Abstecher ins Death Valley unterbricht. Im finalen 'Dir' wird es wiederum flotter und leichter - hier darf gerne an ALCEST und LANTLÔS gedacht werden. 
Insgesamt klingt die Beschreibung von "Auf Grund" sehr diffus und heterogen, dabei ist EWIG.ENDLICH. lediglich sehr facettenreich und schafft es trotz unterschiedlichster Einflüsse ein Album zu erschaffen, dass in sich sehr stimmig klingt. Nicht zuletzt auch weil die rauen Shouts von Fronter Simon alles fest zusammenhalten - auch wenn seine NARZISS-Vocals nicht jedem Gefallen werden. Persönlich kann ich der dichten Atmosphäre und emotionalen Dramatik eine Menge abgewinnen und mich weitestgehend im Album verlieren, auch wenn ich ein wenig mehr Eigenständigkeit begrüßt hätte. Wenn man in Zukunft jedoch noch stärker den eigenen Charakter herausarbeitet und ein echtes Alleinstellungsmerkmal findet, dass die Dortmunder von anderen Cascadian Black Metal und Postcore Bands absetzt, dann geht hier noch eine ganze Menge. Meinen Sengen bekommt dieses Quintett uneingeschränkt.
Ab Freitag dem 13. April 2018 kann man bei Dedication Records und WOOAAARGH das Debüt als Doppel-LP oder CD erwerben.

8 von 10 Punkten

[Adrian]

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