Sonntag, 15. April 2018

CD-Review: Ancst "Ghosts Of The Timeless Void"

Endlich ist es da! Gestatten: "Ghosts Of The Timeless Void" - Das Zweitwerk der Berliner Schwarzkrusten von ANCST hat das Licht der Welt erblickt und diesmal hat man sich mit dem sächsischen Qualitätslabel Lifeforce zusammengetan, das man die meisten bereits für seine Grenzgänger-Releases zwischen Metal und Hardcore kennen dürfte. 
Inzwischen befinden sich die Hauptstädtler im achten Jahr seit ihrer Gründung
und verzichten auch weiterhin darauf sich festzulegen. Extreme Metal, Crust, Hardcore und ambiente Doom-Elemente sind nur vier der Zutaten, die zum festen Repertoire der Band gehören. Allerdings ist die Präsentation auf dem aktuellen Dreher druckvoller und runder als jemals zuvor, wodurch die Band für ein breiteres Publikum zugänglicher geworden sein dürfte. Mit Titeln wie 'Concrete Veins' oder 'Of Gallows And Pyres' wird man bei der Kurz-Hosen-Fraktion und den Tunnelträgern auf eine Menge Gegenliebe treffen. Mir wiederum gefallen Songs wie 'Revelation Of Deformity' besser, die die schwarzmetallische Grundierung der Kapelle stärker durchscheinen lassen. Besonders für diese Fusion aus verwaschenen Riff-Kaskaden und dynamischen Crust-Beats liebe ich diesen Fünfer. Die Shouts von Fronter Tom sind mal wieder ein aggressives Gebell, das mich mehr und mehr an MAROON erinnert und sich teilweise inhaltlich sehr kritisch mit unserer Gesellschaft auseinandersetzt. So ist zum Beispiel 'Republic Of Hatred' eine Kampfansage an alle rechten Populisten und hetzerischen Rattenfänger, während sich 'Quicksand' mit dem Hamsterrad des Kapitalismus auseinandersetzt. Daneben gibt es auch Songs wie 'Dysthymia', die ruhige, melodische Töne anschlagen (man könnte schon fast von einer Ballade sprechen) oder das kreissägenartige Finale 'Self-Potrait', das sich mit Social-Media-Sucht und Internet-Selbstdarstellung beschäftigt.
Alles in allem kann man "Ghosts Of The Timeless Void" als Türöffner betrachten, mit dem ANCST sich einer erweiterten Hörerschaft zuwendet, die bisher vielleicht nicht so viel mit Blackened Crust und düsterem Hardcore anfangen konnte. Die wabernden Gitarren und die blastenden Beats sind zwar noch vorhanden, aber gerade in der ersten Hälfte der Scheibe gibt es einige Anleihen, die Fans anderer Lifeforce-Acts ansprechen dürfte. Mir gefällt zwar die ungeschliffene, experimentelle Seite von ANCST besser, aber das ist Geschmackssache. Etwas saurer stößt mir allerdings der dünne Drum-Sound im ersten Drittel der Scheibe auf. Gerade bei 'Concrete Veins' klingen die Anschläge der Schießbude leider etwas stumpf. Das ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt an einem ansonsten sehr guten Album, das ich Freunden von angeschwärzten Core-Bands, in jedem Fall empfehlen kann. 
Seit 2. März 2018 kann das Album bei Lifeforce Records als Download, CD oder Vinyl (in bunt oder schwarz) käuflich erworben werden.

8 von 10 Punkten

[Adrian]

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