Samstag, 31. März 2018

Live-Review: [Bolt] zusammen mit N und The Clouds Will Clear im Klapperfeld Frankfurt


Ich mag ja diese alten verranzten Gebäude, die von Alternativen und Punks in Event-Locations und Jugendzentren umgewandelt werden. Allerdings haben diese Locations vielfach eine miserable Öffentlichkeitsarbeit und so gehen viele interessante Termine komplett an mir vorbei. So erfuhr ich auch erst am Veranstaltungstag selbst durch DEADWOOD-Gitarrist Flo davon, dass sich im alten Frankfurter Gefängnis Klapperfeld mit [BOLT], N und THE CLOUDS WILL CLEAR gleich drei Vertreter der ambienten Instrumentalmusik die Ehre geben.  Entgehen lassen haben wir uns diese Gelegenheit auf  stimmungsvolle Live-Musik natürlich nicht.
Kurz nach acht Uhr schlagen wir im Ex-Knast in der Klapperfeldstraße auf und
The Clouds Will Clear (Foto: Adrian)
fühlen uns erst einmal recht einsam im Kellergewölbe. Bisher sind nicht viele Besucher da und sehr langsam trudeln weitere Besucher ein. Beginn des Konzerts ist eigentlich Viertel vor neun, aber de facto geht es erst um zehn nach neun los, als man ein halbwegs ordentliches Publikum zusammen hat. Mehr als 30 bis 40 Besucher werden es zwar heute generell nicht, aber für ein kaum beworbenes Postrock und Drone Konzert geht die Größe der Zuschauerschaft in Ordnung. Den Anfang machen dann schließlich die Lokalmatadore von THE CLOUDS WILL CLEAR. Das sind vier Musiker, von denen Klampfer Tobi eine Doppelrolle einnimmt, indem er neben dem Sechssaiter auch den Synthesizer bedienen muss. Während das Quartett seinen sehr atmosphärischen Postrock zockt, laufen über einen Beamer verzerrte Natur- und Alltagsszenen ab (vielleicht handelt es sich aber auch nur um einen ganz normalen Imagefilm der Lufthansa, worauf zumindest die ständigen Flugzeugaufnahmen hindeuten). Das ist wirklich kein schlechtes Konzept und wird auch vom gemischten Publikum (neben ein paar Metallern, sind vor allem Ringelshirtträger, Studenten und Normalos am Start) gut aufgenommen. Die Welt aus den Angeln hebt der Mix zwar nicht, aber im direkten Vergleich passiert hier sowohl visuell als auch akustisch noch am meisten, womit dieser Auftritt am massentauglichsten ist.
Denn im Anschluss wird bei [BOLT] vor allem innere Einkehr und
[Bolt] (Foto; Adrian)
Entschleunigung groß geschrieben. Es dauert gefühlt zehn Minuten bis das minimalistische Intro des Konzerts vorüber ist und die ersten harten Riffs rausgehauen werden, die lediglich von zwei Bassern produziert werden. Eine Gitarre wird man hier vergebens suchen. Auch die Drums haben über weite Strecken des Gigs nichts zu tun und vor allem die Arbeit an den Effektpedalen erhält ausreichend Raum um sich zu entfalten. Wie es sich für eine Drone-Doom-Band gehört, stapeln sich die verschlungenen Klangkollagen zu einem düsteren Ungetüm, das man am Besten mediativ und andächtig in sich aufnimmt. Wenn man nichts mit diesem Konzept anfangen kann, empfindet man einen solchen Auftritt natürlich als unheimlich langweilig und ereignisarm - umgekehrt ist diese Darbietung für andere der Gipfel atmosphärischer Klangkunst. Menschen sind halt verschieden. Trotz aller Geschmacksfragen, darf man aber tatsächlich darüber streiten, ob es nötig ist, die ultra-schweren Passagen so exzessiv auszureizen, während die metallischen Ausbrüche leider nur kurzzeitige Gewitter darstellen. Ich hätte persönlich nichts gegen ein wenig mehr Urgewalt gehabt. Die anwesenden Besucher lauschen aber insgesamt sehr gebannt den drei Musikern, die fast in völlige Dunkelheit getaucht sind (lediglich ein paar kleinere Lampen beleuchten die Pedalanlagen). Da es keine Ansagen gibt, endet der Gig relativ plötzlich und erst das verschwindende Publikum reißt mich aus der Trance heraus. Alles in allem eine gute Vorstellung, für die man allerdings in der Stimmung sein muss.
N (Foto: Adrian)
Wenn man nach einer Steigerung sucht, dann ist man beim finalen Gig genau richtig, hier sitzt einfach nur noch eine Person mit einem Sechssaiter und seinen Pedalen auf der Bühne und verliert sich in einem Ozean aus Rückkopplungen. Wie bei allen Bands zuvor gibt es auch bei N keinen Gesang, keine Ansagen und keine spürbaren Brüchen zwischen den Songs. Alles ist im Fluss und jede Note walzt sich wabernd aus den Boxen. Es ist beeindruckend, was eine Person hier aus seinem Instrument rausholt. Es entsteht sogar eine regelrechte Lagerfeuerstimmung, denn die verbliebenen Besucher setzen sich wie in einem Sommerlager um den Musikanten herum auf den  Boden. Mehr Intimität auf einem Konzert geht nicht!
Ähnlich wie auch schon bei [BOLT] endet der Abend abrupt und man wird erst durch das Einschalten der Raumbeleuchtung daran erinnert, dass man sich auf den Heimweg machen kann und die Traumreise vorbei ist. 
Wer abseits von Metal und Hardrock nach exotischeren Konzerterfahrungen sucht, dem sei ein Postrock- und/oder Drone-Konzert ans Herz gelegt, obwohl ich eindringlich empfehle zuvor in die Musik reinzuhören. Diese Genre gefallen nicht jedem - aber das ist eben auch ein Teil des Reizes, der von dieser Musik ausgeht. Solche Klänge findet man nur im tiefsten Untergrund.

[Adrian] 

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