Donnerstag, 23. November 2017

Editorial: Ist Alice Cooper immer noch sehenswert?

Alice Cooper wird nächsten Februar 70 Jahre alt und ist bereits fast ein halbes Jahrhundert als Schockrocker unterwegs. Da könnte man eigentlich meinen, dass die Luft so langsam raus ist - aber weit gefehlt! Der gebürtige Detroiter befindet sich derzeit auf Tour und spielt mit seinen aufwendigen Shows viele aktuelle Acts locker an die Wand. Wie viel Power in dieser lebenden Legende noch steckt, konnte man unter anderem am vergangenen Dienstag in der Frankfurter Jahrhunderthalle bestaunen.
Mitmusiker von Cooper (Foto: Adrian)
Tatort: Fankfurt-Höchst. Die Jahrhunderthalle, die für die längsten Einlass-Schlagen der Stadt bekannt ist, öffnet gegen 19 Uhr ihre Pforten und bittet zur Horrorshow. Alice Cooper, der Altmeister des schaurigen Hardrocks, ist in der Stadt und ich frage mich vorab, was mich heute erwarten wird. Live habe ich die Ikone des Horrors bisher nicht gesehen, aber kenne natürlich die ganzen Trademarks seiner Shows. Enthauptung, Zwangsjacke und Monster - wird das alles auch heute zu sehen sein? Bevor wir diese Frage aufklären können, gibt es zuerst ein kleines Vorprogramm mit THUNDER. Es ist eine klassische 80s-Hardrock-Band, die stilistisch zwischen SCORPIONS und NAZARETH zu Hause ist. Das tut nicht weh, viele Riffs gehen auch gut ins Ohr, aber alles in allem nicht mehr als ein kleiner Aperitif vor dem Hauptgang, der mit etwas mehr als 30 Minuten Umbaupause relativ zackig serviert wird.
Los geht es mit 'Brutal Planet' (nicht gerade der erste Titel, der mir bei ALICE COOPER in den Sinn kommt) aber bereits an zweiter Stelle kommt 'No More Mr. Nice Guy', womit man den ersten Grund zum Feiern hat. Cooper selbst ist gut bei Stimme, der Klang ist ordentlich und seine Mitmusiker sind stets engagiert den Kontakt mit den Zuschauern zu suchen. Im weiteren Verlauf werden immer mehr Klassiker hervorgeholt. 
So darf man sich unter anderem über 'Billion Dollar Babies' und 'Poison' freuen, das bereits in der ersten Hälfte des Gigs gespielt wird. Natürlich werden die Songs teilweise durch zusätzliche Gitarren- oder Drum-Soli in die Länge gezogen, aber einerseits macht das bei den vielen Kostümwechseln von Herrn Cooper auch Sinn und zum anderen macht er auch nicht mehr Pausen als andere Sänger, die wiederum noch ein bis zwei Jahrzehnte Jünger sind als er selbst. Die Eingangs erwähnten Show-Elemente sind übrigens alle enthalten. Bei 'Feed My Frankenstein' wandelt ein riesiges Monster über die Bühne, bei
'Feed My Frankenstein' feat.
Frankenstein's Monster (Foto: Adrian)
'Cold Ethyl' schmust er mit einer lebensgroßen Gothic-Puppe und bei 'Killer' trennen ihm zwei Henker und eine Krankenschwester im Harley-Quinn-Stil den Schädel vom Rumpf.  Was will man mehr? Wie wäre mit 'I'm Eighteen' (was schon lange auf so ziemlich niemanden im Publikum oder auf der Bühne mehr zutreffen dürfte) und 'School's Out', in das man Teile von PINK FLOYDs 'Another Brink In The Wall' integriert hat. Dazu stürzen am Ende des Konzerts mit Konfetti gefüllte Ballons von der Decke und Luftschlangen werden abgeschossen. Kurzum, die Jahrhunderthalle wird zum Jahrmarkt inklusive Geisterbahn und ich feier diese Vorstellung hart. Ich hoffe, dass ich in 40 Jahren auch noch so fit bin, wie ALICE COOPER, der immer noch eine amtliche Perfromance hinlegt und kein bisschen altersschwach wirkt. Auch wenn es nicht den Anschein macht, dass der Schockrocker in absehbarer Zeit aufhören wird, solltet ihr euch ein Konzert von ihm auf jeden Fall mal angeschaut haben. Das ist ein Erlebnis, dass man nicht so schnell vergisst und das man mindestens einmal im Leben gesehen haben sollte.

[Adrian]

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