Samstag, 25. November 2017

CD-Review: Orae "Disbirth"

ALCHEMYST war in den Jahren des Death-Metal-Revivals eine sehr gefragte Band und hat sich zum Bedauern vieler Fans bereits nach der ersten Full-Length wieder aufgelöst. Nun gibt es aber einen Lichtblick, denn mit ORAE haben sich einige Musiker des genannten Vorgängers zurückgemeldet und ein Album namens "Disbirth" zusammengeschustert, das man nach einer MC-Veröffentlichung im letzten Jahr nun auch als CD erwerben kann.
Mir persönlich lag nie viel am okkulten Theater von ALCHEMYST. Hinter der mystifizierten Fassade war für mich persönlich nur wenig Substanz erkennbar und wenn ich ehrlich bin ist das bei ORAE kaum anders. Man hat den Stil zwar ein wenig justiert und zockt inzwischen eine Mischung aus progressivem Post Metal und angeschwärtzem Death Doom Metal, in der Summe aber versucht das thüringische Quartett immer noch den schweren, düsteren Klang durch eine
übersteigerte Heimlichtuerei aufzuwerten. Die Musiker der Band werden nämlich mit O, R, A und E abgekürzt, auf dem rot-schwarzen "Artwork" steht weder Bandname noch Albumtitel und im Digipak stehen auch nicht mehr als die Lyrics. Dadurch wirkt alles sehr obskur und macht aus "der Gruppe von nebenan" einen geheimen Kult, dessen Musik scheinbar aus den Nebeln des Anti-Kosmos geboren wurde. Das kann man machen und wenn die erzeugte Kunst dem aufbauten Image ebenbürtig ist, dann ist es auch völlig in Ordnung sich so zu präsentieren. Im Falle von ORAE jedoch bleibt abseits von einigen guten Ansätzen auch eine Menge langweiliges Gedudel zurück - das nur zum Selbstzweck langsam und repetitiv ist, anstatt dies mit einer dramaturgischen Intention zu tun. Nennt mich ruhig einen Banausen, aber nach der drölfunddreißigsten Durchschnittsband, die dieses Konzept verfolgt, habe ich diese Art von Mystifizierung langsam satt.

ORAE hat wie bereits erwähnt einige gute Ideen, aber die meisten davon findet man im finalen 'She Lurks', während besonders die ersten Tracks wirklich schräg, austauschbar beziehungsweise langatmig klingen - auch wenn 'Defection' einen wirklich starken Auftakt hinlegt, nur um dann in der Folge zu erschlaffen. Trotz allem wird "Disbirth" in der okkult-schwarzen Szene viele Freunde finden und ordentlich abgefeiert werden. Warum schreibe ich also überhaupt  noch weiter? Kurzum, wenn ihr ALCHEMYST mochtet und Fans der deutlich stärkeren VENENUM seid, dann hört auch mal hier rein. Ich persönlich lege den Dreher nach dieser Rezension gerne wieder bei Seite, um mich bodenständigeren Acts zu widmen.
Seit 1. November 2017 liegt dieser Monolith bei Into Endless Chaos Records für euch bereit.

6 von 10 Punkten

[Adrian]

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