Dienstag, 22. August 2017

Off-Topic: Game Of Thrones "Beyond The Wall"

Wir haben es fast geschafft für dieses Jahr und erreichen wir mit "Beyond The Wall" die vorletzte Folge der siebten Staffel von GAME OF THRONES. Es passiert dieses Mal eine ganze Menge, dennoch wollen wir in diesem Beitrag vor allem darüber diskutieren, wie sehr sich die TV-Adaption von "A Song Of Ice and Fire" seit den ersten Staffeln verändert hat. Deswegen stellen wir die Frage: Läuft die Serie Gefahr ihren Zenit zu überschreiten?

Eines vorneweg: die aktuelle Folge "Beyond The Wall" hat mich die gesamte Zeit über mitgerissen und mein  Herzschlag wurde immer wieder nach oben getrieben. Bevor wir aber in medias res gehen, hier eine kleine Zusammenfassung: Jon und seine bunte Truppe wollen hinter der Mauer einen Untoten fangen, ihn nach King's Landing schaffen und Königin Cersei davon überzeugen, dass der wahre Feind nicht andere Häuser und Armeen sind, sondern die White Walker und ihre Legionen von Zombies, die in Richtung Westeros laufen. Der Plan scheint auch erst zu klappen, aber als man einen Wiedergänger gefangen nimmt, ruft dieser Verstärkung und der Night King umzingelt die Helden auf einem kleinen Felsvorsprung in Mitten eines gefrorenen wenn auch brüchigen Sees. Gendry wird kurz vorher noch losgeschickt um Hilfe zu holen und erreicht völlig erschöpft Eastwatch. Von dort schickt man einen Raben nach Dragonstone, wo sich wiederum Daenerys direkt nach Erhalt auf Drogon schwingt und zusammen mit Viserion Jon und den anderen zur Hilfe eilt. Dann kommt es zum Klimax. Die Drachen verbrennen viele Untote, aber der Night King schmeißt unbeeindruckt einen Speer nach Viserion und verletzt diesen damit tödlich, die anderen entkommen allerdings auf Drogon (auch das ist ungewöhnlich für die Serie- denn außer Thoros stirbt kein wichtiger Charakter am Schaupaltz)  - bis auf Jon, der im Eiswasser fast ertrinkt. Aus Gründen der Dramaturgie überlebt er jedoch, klettert aus dem Loch und wird dann wiederum von einem plötzlich auftauchenden Benjen Stark gerettet. Jon schafft es dann nachträglich auch nach Eastwatch, wo er auf ein Targaryen Schiff verfrachtet wird und unter Aufsicht von Daenerys genesen kann. Dann kommt es zur einen schönen, romantischen Szene zwischen beiden Monarchen (dazu aber nachher mehr). Die Folge schließt mit der untoten Armee, die Viserion aus dem Wasser ziehen und ihn als Zombie zurück ins Leben holen. Zwischendurch geht es auch immer wieder nach Winterfell, wo die Spannungen zwischen Arya und Sansa weiter steigen und kurz davor sind in einen offenen Konflikt umzuschlagen.

Bereits die kurze Zusammenfassung sollte die erste massive Veränderung offenbaren, die wir gerade in GAME OF THRONES erleben. Denn die Geschwindigkeit steigt von Folge zu Folge unaufhörlich an. Keine Season zuvor, hat so viel Handlung in so wenige Episoden gepresst wie die aktuelle Spielzeit. Natürlich nähren wir uns dem Ende und natürlich müssen die losen Enden verbunden werden, aber inzwischen ist die vergangene Zeit innerhalb der
Hier die Strecke von Eastwatch bis Dragonstone
in Relation zu unserer Welt 
Serienwelt absurd hoch. So läuft Gendry innerhalb weniger Stunden (scheinbar ohne Pause) durch eine polarähnliche Winterlandschaft und erreicht in Rekordzeit die Mauer - wir wissen zwar nicht wie lange der Trupp zuvor für diese Strecke gebraucht hat, aber es schien mehr zu sein als ein kurzer Spaziergang gewesen zu sein. Wenn man das noch akzeptieren möchte, dann gerät man erneut in Erklärungsnot wenn der Rabe nach Dragonstone geschickt wird. Von Eastwatch bis nach Dragonstone sind es etwa 3.000 Kilometer (wenn man einschlägigen Quellen glauben kann) - angenommen er kann etwa 100 Kilometer in der Stunde schaffen (wie eine Taube),  dann ist er immer noch 30 Stunden (non-stop, wohlgemerkt!) unterwegs. Selbst wenn sich die Khaleesi direkt auf den Weg macht und mit 200 Kilometern in der Stunde fliegt (keine Ahnung, ob man sich da noch auf Drogon festhalten könnte), bräuchte sie auch noch 16 Stunden bis zur Mauer. Das macht weit mehr als zwei Tage, während es sich in der Serie wie eine Nacht anfühlt, die die Umzingelten ausharren müssen. Das ist allerdings nur eines der Handlungslöcher, die es so zuvor nicht gegeben hätte. Auch muss man sich fragen, warum zum Beispiel die White Walker riesige Ketten dabei haben, um den Drachen aus dem Wasser zu ziehen oder wieso Arya scheinbar mühelos von Littlefinger gegen Sansa und umgekehrt aufgestachelt wird  - müsste Sansa solche Spiele nicht durchschauen können nach ihrer Zeit in King's Landing und müsste eine gesichtslose Assassine wie Arya ebenfalls nicht die Intention von Baelish erahnen können? Und warum greift bei den ganzen Problemen eigentlich Bran nicht ein? Wenn kein großer Twist in diesem Handlungsstrang folgt, ist das sehr enttäuschend, denn dann wären sechs Staffeln Charakterentwicklung bei den Stark Kindern für die Füße gewesen. So etwas kann man sich bei GAME OF THRONES aber nur schwer vorstellen.

Die Interaktionen zwischen Dany und Jon (ich nutze hier bewusst den Kosenamen der Drachenmutter, weil ihn Jon überraschenderweise fallen lässt) wirkt trotz des Build-Up in dieser Staffel immer noch ein wenig übereilt. Allerdings verkaufen beide Schauspieler diese Szene so wunderbar, dass man beiden diese Gefühle auch abnimmt. 
Insgesamt hat sich GAME OF THRONES stark verändert. Aus dem mittelalterlichen "House Of Cards" ist eine handfeste Skyrim-Verfilmung geworden, die alles aus dem Fenster wirft, was zuvor Markenzeichen der Buchadaption gewesen ist - was in Anbetracht der inzwischen fehlenden Literaturvorlage kaum verwundert. Allerdings bekommen wir dafür jede Menge Fan-Service geboten. Drachenkämpfe, untote Massenschlachten und emotionale Momente zwischen Hauptcharakteren lassen mich über alle Löcher und Geschwindigkeitsprobelme in der Handlung hinwegsehen. Vielleicht werden wir in ein paar Jahren anders auf diese Staffel und besonders diese Folge zurückblicken und kritischer sein. Aber die monumentalen Bilder und die exzellente Action lösen momentan das ein, was uns seit Jahren versprochen wurde: einen Krieg zwischen Licht und Dunkelheit beziehungsweise zwischen Eis und Feuer!

[Adrian]

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