Sonntag, 20. August 2017

Live-Review: Party.San Open Air 2017 - Die Zeltbühne

Von Jahr zu Jahr nimmt die im Partyzelt aufgebaute Zweitbühne einen immer größeren Stellenwert auf dem Party.San Open Air ein. Deswegen widmen wir dieses Jahr diesem Teil des Festivals einen gesonderten Beitrag, in dem wir euch wir die Highlights präsentieren, die wir dort entdecken konnten.

Am Donnerstag startet der Reigen im Zelt mit den angeschwärzten Old-School-Deathern von LUCIFERICON. Die Niederländer sind düster und besitzen einen
Lucifericon (Foto: Adrian)
ultra-schweren Sound. Bereits 2016 hatte ich die Jungs in Dublin auf dem Unconquered Darkness Fest live gesehen - habe aber das Gefühl, dass sie in Schlotheim mehr abgefeiert werden als auf der grünen Insel. Mit Nebelwerfern auf der Bühne und einer engagiert-spielfreudigen Performance bedanken sich die vier Herren für das große Interesse an ihrer düsteren Vorstellung, die das Programm auf dieser Stage gebührend einläutet. Als nächstes steigen die Berliner von PIGHEAD in den Ring und ehrlich gesagt ist ihr Brutal Death Metal so gar nicht mein Fall, weswegen ich diesem Auftritt vergleichweise wenig beachte. Besser gefallen mir da schon THE LURKING FEAR, die ausssehen und klingen wie AT THE GATES. Wartet Mal! Das sind doch AT THE GATES. Mit Tomas Lindberg und Adrian Erlandsson bestehen zumindest 40% des Line-Ups aus AT-THE-GATES-Mitgliedern. Warum man diese Band nicht auf die Main Stage gesetzt hat, ist mir ein Rätsel. Ebenfalls ein gewisses Maß an Szenebekanntheit besitzen die

Rotlicht-Inferno bei Ultha (Foto: Adrian)
Schwarzheimer von ULTHA. Die Kölner tauchen die Bühne in ein rotes Inferno und erscheinen als schwarze Silhouetten auf der Bühne. Die optische Präsentation passt perfekt zum dichten und mächtigen Sound, der hier aus den Boxen drängt. Kurzum:  Eine Höhepunkt für alle anwesenden Black Metaller! Die ehrenvolle Aufgabe den ersten Tag zu krönen obliegt den Niedersachsen von DAWN OF DISEASE. Ihr Death Metal kann sowohl Traditionalisten als auch New-School-Brutalos begeistern. Heute kommt allerdings auch  helfend das Wetter dazu und treibt mit Dauerregen die Massen ins trockene Zelt. Allerdings kriegen sie hier nicht nur Regenschutz, sondern auch eine tolle Performance und starke Songs geboten. So endet der erste Tag im Zelt verheißungsvoll und macht Lust auf mehr.

Der Freitag macht wetter-technisch dort weiter wo der Donnerstag aufgehört hat und beschert den Besuchern in Schlotheim erneut Bewölkung, Regen und Kälte. Das kommt den Bands im Zelt entgegen. Deswegen können auch die Black-Metaller von VERHEERER als Opener auf ein bereits ordentliches Publikum bauen, das sich am rockigen bis hymnischen Schwarzmetall der Flensburger erfreuen kann, auch wenn einige Knackser in der Technik etwas störend ins Gewicht fallen. Dennoch überzeugt mich der Gig der Nordlichter und macht Lust auf mehr Schwarzmetall. KOSMOKRATOR wiederum lasse ich liegen, da ich bereits im Review zu ihrer letzten Platte dargelegt habe, was mich an ihrem Konzept nervt. Von Leuten, die diesen Gig gesehen haben, erhalte ich allerdings
Nailed To Obscurity (Foto:Adrian)
eine recht positive Resonanz zu den Belgiern. Geschmäcker sind halt verschieden. Aus Gründen der Nahrungsaufnahme gehen mir dann die Schwarzheimer von KRINGA durch, die ich nur aus der Ferne höre. Schade, denn ihr dreckiger Schwarzmetall klingt wirklich ansprechend und erinnert teilweise an eine Mischung aus TRIBULATION und NACHTMYSTIUM. Bei der nächsten Möglichkeit werde ich sie mir auf jeden Fall anschauen. Danach wiederum bin ich im Zelt in der ersten Reihe am Start, denn NAILED TO OBSCURITY will ich auf keinen Fall verpassen. Der sympathische Fünfer legt einen besonderen Fokus auf das aktuelle Album "King Delusion" wodurch die Tracks des Vorgänger "Opaque" (einem meiner Alltime-Favorites) leider etwas zu kurz kommen. Nichtsdestotrotz reißen mich auch Songs wie 'Desolate Ruin' oder 'Protean' mit und wenn ich mich im Publikum umschaue, bin ich sicherlich nicht der einzige. Allerdings habe ich auch das Gefühl dass man einige Freunde aus der eigenen Heimat Ostfriesland mitgebracht hat, als nämlich die Technik kurz streikt, überbrücken die vorderen Reihen die Zwangspause mit "Ost, Ost, Ostfriesland"-Rufen, worauf Sänger Raimund augenzwinkernd Vergleiche

Dew-Scented (Foto: Adrian)
zwischen Ostdeutschland und Ostfriesland ins Felde führt. Hier gibt es für mich nichts zu meckern - die Herren sind mein Highlight auf der Zelt-Stage an diesem Wochenende!  Offizieller Headliner ist heute auf der kleinen Bühne jedoch DEW-SCENTED, die nicht nur im Trocknen spielen dürfen, sondern auch zeitlich ein besseren Slot erwischen als einige größere Bands, die nachmittags auf der Main Stage buchstäblich absaufen. Das Zelt ist voll, die Stimmung kann sich sehen lassen und der Death-Thrash der Braunschweiger geht heute besonders gut runter. Die Niedersachsen beeilen sich um in ihrem 35-Minuten-Slot möglichst viele Hits wie 'Scars Of Creation' oder 'Thrown To The Lions' unterzubringen, aber vergessen dabei auch nicht allen Crew- und Orga-Mitgliedern für dieses Festival zu danken! Eine Schöne Geste, mit der dann auch der Freitag im Zelt zu Ende geht.

Samstags geht es traditionell früh los und so machen die SIDEBURNS und INDIAN NIGHTMARE bereits ab 10 Uhr mächtig Krach. Ich brauche jedoch noch
Blood Of Seklusion (Foto: Adrian)
ein paar Minuten um Einsatz bereit zu sein und bin erst als BLOOD OF SEKLUSION kurz nach 17 Uhr die Bühne entern im Zelt am Start. Die Italiener feiern auf dem Festival den Release ihres neuen Albums bei FDA Records und stellen eine Menge Songs davon live vor. Ihr Death Metal ist ziemlich Old-School und vor allem ein Fest für Freunde der Stockholm-Schule. Mit diesem Konzept rennt man beim Party.San-Publikum offene Türen ein und erhält eine Menge Zuspruch. Danach machen sich VIGILANCE für ihren Auftritt fertig und liefern eine interessante Mischung aus Black und Speed (Heavy) Metal ab. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen, da ich den Auftritt nur im vorbeigehen höre. Den nächsten Gig nehme ich ebenfalls nicht direkt vor der Bühne war, sondern höre nur von außen wie die Jungs von ATOMWINTER das Zelt zum Beben bringen. Wenn es um zerstörerischen Old-School Death Metal aus deutschen Landen geht, dann kommt man an ATOMWINTER nicht vorbei. Wenn ihr es noch nicht getan habt, holt euch unbedingt die letzte Scheibe "Iron Flesh" - das Album
Humiliation (Foto: Adrian)
können wir euch definitiv ans Herz legen. Danach wird es mit KRATER wieder ein wenig schwärzer und das deutsche Kollektiv sorgt mit ihren orthodoxen Riffkaskaden und Blast Beats für freie Ohren. Sollten dennoch irgendwelche Gehörgänge verstopft sein, sorgt der heutige Headliner im Zelt für die finale Abhilfe. HUMILIATION kommen aus Malaysia, aber klingen wie BOLT THROWER in ihren besten Zeiten. Kein Wunder, dass das Zelt hier aus allen Nähten platzt und einige Birnen geschüttelt werden. Die Herren bewegen sich sehr agil auf der Bühne und treiben die Zuschauer noch ein letztes Mal an, bevor der Vorhang auf der Zweitbühne final fällt.
Wie in den vergangenen Jahren ist die Qualität auf der Zeltbühne auch dieses Mal wieder enorm hoch gewesen und bot einige Leckerbissen des Undergrounds, von denen man in den nächsten Jahren noch eine Menge hören wird. An Zuspruch hat es bei keiner Band so richtig gemangelt und das nicht nur, weil das Partyzelt einen guten Regenschutz dargestellt hat. Das Party.San schafft es einfach immer wieder die perfekten Acts für seine Zweitbühne zu rekrutieren und trifft den Nerv der Besucher auch dieses Jahr. Da kann man nur sagen: weiter so!

Die Berichte zur Main Stage folgen in den nächsten Wochen!

[Adrian]

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