Freitag, 4. August 2017

Angehört: Nucleus und Macabra "Fragmented Self"

Nach längerer Zeit liegt bei uns mal wieder eine interessante Death-Metal-Split im Posteingang. NUCLEUS und MACABRA sind beides Neugründungen der aktuellen Dekade (auch wenn die Musiker zum Teil deutlich erfahrener sind) und haben bereits jeweils einige EPs, Demos und ein bis zwei Alben auf den Markt geworfen. Mit "Fragmented Self" (jeweils drei Songs jeder Kapelle sind enthalten) ist bereits im Mai eine erste gemeinsame Split erschienen, die Old-School-Puristen aufhorchen lassen sollte.
Die Amis von NUCLEUS sind eine ulta-düstere und schwer-wummernde Kapelle aus Chicago, die von den Sci-Fi-Lyrics und dem Logo her an die klassischen Space-Deather von NOCTURNUS erinnern, allerdings im Vergleich zum 80s-Act auf Keyboards und progressive Ausflüge (fast gänzlich) verzichten - wenn man vom deutlich verspielteren 'Beacon' absieht. Die Vorbilder des Vierers scheinen verstärkt aus Finnland zu kommen, was Anhänger von zum Beispiel DEMILICH oder DEMIGOD besonders freuen dürfte.  
Insgesamt ist die erste Hälfte eine runde Sache mit morbider Atmosphäre und dunkler Schwere, die erfrischender daherkommt als ein erneuter Florida- oder Schwedentod-Aufguss, den man an jeder Ecke bekommt. 
MACABRA wiederum ist ein interkontinentales Gemeinschaftsprojekt vom Franzosen Lord Genocide, der hier die grollenden bis keifenden Vocals beisteuert, und dem Multi-Instrumentalisten Mark Riddik, den ihr auch durch andere Projekte wie FETID ZOMBIE, GRAVE WAX oder UNBURIED her kennen könntet. Die drei Songs der beiden Brieffreunde sind etwas unkonventioneller im direkten Vergleich. Was bei NUCLEUS in dezenten Dosen stattfindet, wird hier durchweg zelebriert. Von Technical über Melodic bis hin zu drückendem Old-School Death wird hier gefühlt alles durch den Fleischwolf gedreht, was in den letzten 30 Jahren innerhalb der Extreme-Metal-Szene passiert ist. Das kann wahlweise wunderbar funktionieren oder eben komplett in die Hose gehen. In der Mehrzahl der Fälle funktioniert der Cocktail allerdings - lediglich bei 'Breath Thief' geht es mir stellenweise dann doch etwas zu chaotisch zu. Wenn man jedoch die Mitneunziger  Scheiben von DEATH mochte und den Gesang ein paar Stufen aggressiver braucht, ist man hier genau richtig. Abschließend würde ich nur gern bemängeln, dass der Mix zwischen Gesang und Instrumental-Anteilen gelegentlich etwas unausgewogen wirkt - gerade bei lauteren Schreien kommt  mir die Stimme klanglich leicht übersteuert vor. Auch das Ende der Platte kommt etwas zu überraschend und abrupt, was dem Gesamt-Flow schadet. Ansonsten finde ich den Ansatz von MACABRA ebenfalls höchst spannend, da etwas frischer Wind der Underground Szene wirklich gut tut.
"Fragmented Self" geht in der Summe ordentlich ab - hat zwar auch ein paar Kinderkrankheiten, aber versucht definitiv viele Dinge im klassischen Death Metal etwas anderes anzugehen, wofür man sowohl MACABRA als auch NUCLEUS ein dickes Lob aussprechen kann. 
Seit 26. Mai 2017 gibt es diesen Dreher bei Morbid Visions Music. Das Artwork wurde übrigens von Dan Seagrave gestaltet, was den Releases allein deswegen kultverdächtig macht.

[Adrian]

Keine Kommentare:

Kommentar posten