Montag, 3. April 2017

Live-Review: Wucan mit Oribter und Fewsel im Jazzkeller Hofheim

Langsam aber sicher entwickelt sich der der Hofheimer Jazzkeller zu meiner Lieblingsanlaufstelle für Konzerte im Rhein-Main-Gebiet. Nachdem wir zuletzt vor allem wegen Black Metal in den Club am Taunus gepilgert sind, haben vergangenen Samstag gleich drei klassisch rockende Bands eine starke Show hingelegt, die von den Dresdnern von WUCAN angeführt wurde.

Aber beginnen wir vorne: es ist der erste richtig warme Tag des Frühlings 2017, die Sonne scheint ungestört und auch gegen acht Uhr abends ist es noch
Orbiter (Foto: Adrian)
angenehm lau, so dass das Warten auf den Einlass recht angenehm ausfällt. Zum geplanten Start um 20:30 bildet sich sogar eine erst kleine Schlange vor dem Eingang - bereits der Opener scheint heute viele Besucher zu interessieren und so ist es auch gut gefüllt als ORBITER gegen Viertel vor neun den Reigen beginnt. Die Herborner sind der perfekte Einstieg in einen Abend voller Classic Rock. Der singende Bassist Robert erinnert mit seinem Jeans- und Schlaghosen-Look authentisch an Musiker der 70er Jahre und hat auch ein starkes Organ, das sowohl zu den doomigen als auch den rhythmischen Nummern der Truppe passt. Die heute als Trio agierenden Hessen (der zweite Gitarrist ist laut dem Fronter leider verhindert) lassen Erinnerungen an HAWKIND, BLACK SABBATH und RAINBOW wach werden. Insgesamt eine kurzweilige und sympathische Show. ORBITER ist ein Name, den man sich merken sollte.
FEWSEL, die zweite Vorband des Abends, hingegen kann mich persönlich nicht
Fewsel (Foto: Adrian)
vollends überzeugen. Die Wiesbadener beginnen verspätet, da ihr Bassist vor dem Gig noch im Theater war (zumindest gibt dies der Frontmann zu Protokoll). Nachdem alle vier Mitglieder die Bühne geentert haben, kann es endlich losgehen und schnell merkt man, dass der Vierer nicht nur optisch aus dem Rahmen fällt (im Gegensatz zu den anderen Bands setzen diese Herren auf einen hippen Look, der eher an eine Schrankband von Circus Halligalli erinnert als traditionsbewusste Rocker).  Ihr Sound ist eine wilde Mischung aus Post Rock, Alternative, Prog und Shoegaze. Einzelne Songs gehen wirklich gut ins Ohr und sorgen mit treibenden Soundwänden für ein gewisses Maß an Stimmung - während andere vertrackte Kompositionen mich kurzzeitig vor die Tür der Location treiben. Alles in allem finden sich aber genug Zuschauer ein, die speziell auf diesen Auftritt gewartet zu haben scheinen (auch wenn es sich dabei nicht um den metallischen Teil des Publikums handelt). Geschmäcker sind wohl einfach verschieden.
Einig ist sich das Publikum wiederum beim sächsischen Quartett WUCAN, das diesen Abend krönt. Selbst bezeichnet man den eigenen Stil als "Kräuterrock" und positioniert sich damit zurecht in der Schublade, die von Bands wie BIRTH
Wucan: Francis an der Gitarre (Foto: Adrian)
CONTROL und AMON DÜÜL geprägt wurde. Zentrum der Kapelle ist Fronterin Franics- die hat nicht nur eine gute Stimme, sondern spielt auch Querflöte, Gitarre und Theremin - nebenbei hat sie WUCAN auch gegründet und gehört zu den witzigsten Frontfrauen, die ich jemals gesehen habe. Allerdings schafft sie es dabei stets charmant und souverän zu agieren ohne albern zu wirken. Die Kommunikation mit den Zuschauern ist ausgezeichnet und der sehr gut gefüllte Jazzkeller feiert die vier Musiker/Innen nach jedem Song begeistert ab (im Ernst, sowas habe ich lange nicht mehr erlebt). Songs wie 'Father Storm' oder 'Owl Eyes' sind einfach mitreißend und animieren dazu sich zu bewegen. Als mit 'Wandersmann' der letzte Titel angekündigt wird, halten es viele noch für einen Aprilscherz (denn so spät ist es noch gar nicht), allerdings ist dieser deutschsprachige Titel mit mehr als 15
Wucan die Zweite: Francis an der Flöte
(Foto: Adrian)
Minuten Spielzeit auch ein wahres Monstrum und so lang wie etwa drei andere Songs der Band. Für eine längere Spoken-Word-Passage im Song muss Francis sogar das Buch, aus dem ein im Lied verwendetes Zitat stammt, zur Hand nehmen und rezitiert fast eine Minute lang stoisch - was im Jubel der Zuschauer allerdings fast untergeht. Diese beginnen nämlich schon nach mehr zu verlangen (als die Band die Stage noch gar nicht richtig verlassen hat) und auch wenn sich die Gruppe etwas bitten lässt, kommen sie doch auf die Bühne zurück (beginnend mit einem Drum-Solo zu dem der Rest der Truppe nacheinander jammend einsteigt), um dann mit zwei Coverversionen das große Finale des Abends einzuleiten. Auf besonders fruchtbaren Boden fällt dabei das 'Am I Evil'-Cover (im Original von DIAMOND HEAD), das zu einer Welle der Begeisterung unter den anwesenden Metalheads führt.

Was bleibt also noch zu sagen? WUCAN hat Hofheim im Sturm eingenommen und gehört in meinen Augen zu den besten Bands, die die Retro-Welle in den letzten Jahren hervorgebracht hat, solltet ihr die Möglichkeit haben die drei Sachsen und ihre Frontfrau mal live zu erleben, nehmt die Chance wahr und lasst euch von ihrem psychedelischen Sound gefangen nehmen. Kurzum, wie immer ein großartiger Abend im Jazzkeller in Hofheim am Taunus - Wiederholung dringend erwünscht!

[Adrian] 

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