Mittwoch, 22. Februar 2017

Reingehört: Madenfraß "Demon EP"

Well played, ich hätte auf den ersten Blick nicht gedacht, dass es sich bei MADENFRASS aus Sangerhausen um eine Death-Metal-Band handelt. Bei ihrer "Demon EP" deutet optisch alles auf Black Metal hin: ein Cover mit harten Schwarz-Weiss-Kontrasten und ein klangvoller Namen in dünn-verschnörkelter Schrift - eigentlich ein eindeutiger Fall - aber dann schaffen es die Sachsen-Anhalter den Hörer doch noch zu überraschen. 
Denn es handelt sich bei diesem akustischen Schlachtfest um lupenreinen Death 
Metal traditioneller Verarbeitung. Die Growls sind tief und die Kompositionen einfach aber eingängig. Musikalisch ist MADENFRASS beim besten Wille kein OBSCURA oder NECROPHAGIST - aber dass was sie machen, machen sie ordentlich. Vergleichen kann man sie dabei mit CASKET aus Schwaben oder HEXENHAMMER aus Ostwestfalen - ferner kann man stellenweise auch Vergleiche zu SIX FEET UNDER ziehen. Die Vocals sind meist (Achtung, Überraschung!) unverständlich. Es sei denn man singt auf Deutsch, dann lassen sich die Worte auf einmal besser verstehen. Allerdings ist Extreme Metal, gerade Todesstahl, auf Deutsch eine Geschmacksfrage und je nach Begabung des Texters ist es manchmal dann auch besser wenn man akustisch beziehungsweise inhaltlich nichts versteht. Man findet die Lyrics der Demo übrigens auch nicht im Booklet. Schade! Dabei hätte ich zum Beispiel gern die Texte zu 'Sadistic Freaks' gelesen. Soweit ich es nämlich folgen kann, geht es hier um Kinderschänder und dass die Band findet (Achtung, noch eine Überraschung!), dass sie nicht hart genug bestraft werden. 

Wie dem auch sei, die "Demon EP" ist ein gutes, wenn auch nicht weltbewegendes Debüt des ostdeutschen Trios. Man weiß, was man kann und präsentiert die Stärken besonders prominent. Allerdings bleibt MADENFRASS insgesamt noch zu sehr an der Oberfläche und gräbt nicht tief genug, um sich von einer gesättigten Szene abzuheben. Mit stampfendem Todesblei und einigen rockigen Riffs allein wird es schwer sich gegen die starke Konkurrenz im deutschen Untergrund durchzusetzen. 
Seit 30.12.2016 gibt es diese Debütscheibe als Eigenproduktion bei der Kapelle selbst zu erstehen.

[Adrian]

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