Mittwoch, 10. August 2016

Reingehört: Peter Grusel und die Unheimlichen "s/t"

Wenn ihr an dieser Stelle einen Verriss erwartet, dann muss ich euch leider enttäuschen. Denn auch wenn der Bandname (nennen wir es) ziemlich seltsam klingt, ist das Braunschweiger Kollektiv PETER GRUSEL UND DIE UNHEIMLICHEN keine Spasstruppe im Sinne der GRAILSKNIGHTS oder FEUERSCHWANZ. Nein, die fünf Niedersachsen sind gestandene Metaller mit einem Hang zu Extreme Metal und Hardcore. Ende September erscheint ihr selbst-titeltes Debüt und wir können schon jetzt einen ersten Blick darauf werfen.
Das ganze Konzept wirkt wie eine Anti-These zum klassischen Death Metal.
Abseits vom skurrilen Namen, ist auch das Logo und das Artwork irgendwie schräg. Hellblaue und sogar rosa Farbtöne schleichen sich in eine leicht bizarre Comic-Optik ein. Etwas weniger komisch sind die zwölf Song-Titel: 'Piss Christ', 'Crawling The Shitpipe' oder auch 'Waste Of Skin' wirken wie aus einem Deathgrind-Album entnommen. Musikalisch hingegen hat man nur peripher etwas mit Deathgrind zu tun. Viel deutlicher schlägt sich hier der Einfluss der 2000er Groove-Death-Metal-Bewegung nieder. Das heißt konkret, dass der Bass mächtig fett daherkommt. Das Riffing wildert unverblümt im Melo-Death (wie bei 'The Vulture'), aber dies mit viel Wums und gelegentlichen Black-Metal-Ausritten (wie bei 'Jeffrey') zu verschleiern weiß. Die Vocals sind gepresste Growls an der Grenze zum Shouting, worin sich besonders der Bezug zum Hardcore ausdrückt. Um auch dem Name-Dropping noch ein wenig gerecht zu werden, kann man noch LAMB OF GOD oder DEVILDRIVER als Pate für einige Song-Strukturen (wie 'Scumfuck') in den Ring werfen.    

Insgesamt lässt sich festhalten, dass wenn man alle härteren Musikrichtungen der jüngeren Geschichte, die sich nicht allzu sehr um die alte Schule schären, in einen Mixer stecken würde, man so etwas wie  PETER GRUSEL UND DIE UNHEIMLICHEN herausbekommen würde. Hier gibt es Death, Melodie, Groove, Rhythmus und viel ungezwungene Arrangements, die keinem Szene-Kodex folgen. Wer sich in den genannten Referenzen und Stilen wiederfindet, sollte unbedingt  reinhören. Die Old-School-Jünger werden hingegen weniger Spaß mit diesem Debüt haben - zu modern sind die Braunschweiger dafür. In jedem Fall sollte man diese Truppe trotz aller witzigen Aspekte, die gerade Bandname und Artwork bieten, Ernst nehmen. Denn wenn Todesblei 2016 etwas gut gebrauchen kann, dann ist es ein wenig frischer Wind. 
Ab 30. September gibt es diesen Wellenbrecher bei Kernkraftritter Records.

[Adrian]

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