Mittwoch, 13. Juli 2016

Unerhört: Anal Fister "123 FistFuck"

Metal Archives kann ein toller Fundus sein, um obskure Metalbands aus zu graben. Allein wenn man die Liste mit den Neuzugängen aufruft, stößt bereits nach wenigen Sekunden auf die ersten verkannten Meilensteine der Musikgeschichte. So verdienen unter anderem auch ANAL FISTER definitiv mehr Beachtung. Diese Landsmänner von Mozart und Falco haben mit "123 FistFuck" wohl das meist ignorierte Death-Grind-Album des Jahres 2012 geschaffen und sollen an dieser Stelle noch einmal ausgiebig gewürdigt werden.
Es waren einmal vier Männer aus Bad Goisern in Oberösterreich, die der Meinung waren, dass es deutlich zu wenig Death Metal mit Porngrind-Einschlag gibt. Also beschloss man die Welt mit einer Demo zu beglücken, die diese Lücke schließen sollte. Zuerst benötigte man aber einen Namen und warf dazu kleine Zettel, auf die man aller Hand Obszönitäten gekritzelt hatte, in einen Hut und zog einen davon wieder heraus, um den Titel der Band zu bestimmen, heraus kam dabei "Fister" (Das Präfix "Anal" stand aufgrund von Vorschriften der Szenepolizei bereits zuvor als Namensbestandteil fest). Damit war ANAL FISTER aus der Taufe gehoben - nun brauchte man aber noch tolle Synonyme für die einzelnen Musikanten. Aufgrund akuter Ratlosigkeit wurden diese Bezeichnungen ebenfalls per Losverfahren entschieden und so kam es dann, dass man den Basser Rektal Gnom, den Schlagwerker Mefisto, den Gitarrist Fäkal Prinz und den anderen Klampfer mit Mikro Mr.Fister nennen durfte.
Natürlich wird sich die Entstehung des Quartetts nicht so abgespielt haben - aber es steht fest, dass die Alpenländer nicht mit dem höchsten künstlerischen Anspruch an die Arbeit gegangen sind. Um ehrlich zu sein, ist das ganze Album ein einziger Witz und nicht mal ein Guter. Allein das Intro sorgt für Sorgenfalten und ist viel zu lang geraten: dreieinhalb Minuten lang nervt ein lahmer Beat und dazu wird irgendein dröger Monolog in einem lokalen Dialekt vorgetragen. Soweit so lahm. Im weiteren Verlauf wird es zumindest ein wenig besser - immerhin versucht man Death Metal zu machen. Nichtsdestotrotz sind die Lieder stinklangweilige Standard-Riffs, die man mit Grunts versieht, die in etwa so aufregend sind wie das Dröhnen eines Staubsaugers. Um dem Einheitsbrei dann doch noch ein wenig Spannung abzuringen, versucht man es mit Witzen aus der fünften Klasse. Was damit gemeint ist merkt ihr spätestens beim Pseudo-Kinderlied 'Ene Mene Miste! Ich Finger Nicht Ich Fiste!', aber aufgepasst, es geht sogar noch stumpfer! 'Scheiß Situation' beinhaltet ein Verständnis von Humor, bei dem sich sogar Zweijährige fremdschämen würden (O-Ton: "Du haste Kacke im Gesicht"). Als wäre aber das alles schon nicht genug - vergreifen sich die Österreicher noch kack-dreist an einer unserer deutschen Ikonen. Das Cover von 'Immer wenn ich traurig bin,...' ist zum einen nicht besonders einfallsreich ausgewählt und zum anderen wenig klever umgesetzt worden. Der arme Heinz Erhardt würde in seinem Grabe rotieren, wenn er davon wüsste. 

Zum Schluss sei noch der Bonus-Track 'De Goiserer Vom Bohofsklo' erwähnt, der durchs Mundart und Volksweisen vielleicht den regionalen Fans ein leichtes Schmunzeln entlocken kann - ich jedenfalls beende an dieser Stelle meine Begegnung mit ANAL FISTER. Die zehn Tracks sind entweder völlig farblos und nichtssagend oder versuchen Grindcore-Charme zu versprühen, der ihnen nicht innewohnt. Wer es braucht, kann sich "123 FistFuck" bei Bandcamp ab null Euro herunterladen - ich persönlich würde auch keinen Cent mehr dafür ausgeben. 
Am 21. Juli 2012 erschien dieser Stinker und zum Glück haben es die Fister seitdem auch bei dieser einen Veröffentlichung belassen. Eine Änderung dieses Zustandes ist nicht gewünscht.

[Adrian]

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