Sonntag, 5. Juni 2016

Live-Review: Obituary im Zoom Club Frankfurt


OBITUARY kommt nach Frankfurt und spielt auch noch an einem Samstag im Zoom Club, der zentral in der Innenstadt an der Zeil zwischen Hauptwache und Konstablerwache gelegen ist - erwartungsgemäß ist die Bude unter diesen Voraussetzungen ziemlich voll. Es ist zwar nicht ausverkauft, aber man ist nahe dran. Teilweise ist es schwierig sich in dem leicht verwinkelten Gewölbe zu bewegen, das bis vor einigen Jahren noch der legendäre Sinkkasten gewesen ist. Heute sind die Räumlichkeiten eher für Hip Hop und Electro-Parties reserviert, aber ein bis zwei Mal im Jahr verirrt sich auch eine Metal-Band in diese ehemals heiligen Hallen.
Den Auftakt sollen laut Aussage des Veranstalters im Facebook-Event die Osnabrücker Sludge-Doomer von IRON WALRUS übernehmen. Beginnen sollen sie eigentlich um 20 Uhr. Aber als ich um etwa 19:40 im Club ankomme höre ich bereits das Club-Personal darüber reden, dass es wohl erst um halb neun losgehen wird. Verspätungen sind nichts ungewöhnliches bei Konzerten und so hat man auch gleich noch ein wenig mehr Zeit sich ein paar kühle Getränke zu genehmigen und sich auf dem Balkon des Venues herum zu treiben, während man sich mit den lokalen Szenegängern unterhält. Dann dauert es aber noch einmal ein wenig länger und es geht erst etwa um Viertel vor neun so richtig los. Von der Bühne tönt der 'Redneck Stomp' - zuerst könnte man denken, dass die Vorband mit einem Cover den Main-Acts Aufmerksamkeit erwecken will, aber bei einem Blick auf die Bühne fällt auf, dass die Herren aus Florida bereits den Spielbetrieb aufgenommen haben.
John Tardy steht zwar noch im Publikum (etwa drei Meter hinter mir), aber
nachdem der instrumentale Vorspann erledigt ist, stürzt sich der Endvierziger auf die Bühne und kotzt seine gutturalen Vocals ins Mikro, während der Rest der Band einen Monster-Beat aufbaut und mit einem Höllen-Groove vorneweg prescht. Die Stimmung ist entsprechend großartig und gerade im Innenraum direkt vor der Bühne (bis etwa zur Soundtechnik) feiert man die Death-Metal-Legende durchgehend ab. Es gibt immer wieder Moshpits und die Fäuste werden dauerhaft in die Höhe gerissen. Sobald es zwischen den Songs etwas leiser wird, wird entweder nach mehr verlangt oder der Kapelle gnadenlos mit Sprechchören gehuldigt. Mit Klassikern wie 'Dying' oder 'Find The Arise' von der schwer-kultigen "Cause Of Death" bedankt die Death-Metal-Ikone sich vor allem bei vielen langjährigen Fans, die heute den Weg vor die Bühne gefunden haben. Man merkt zwischendurch aber vor allem Frontmann Tardy an, dass er heute nicht zu 100% fit ist. Denn auch wenn man seine Grunts nicht kritisieren kann, muss er ab und zu von der Bühne runter und sich kürzere Auszeiten gönnen. 
'Don't Care' (der erste Song von "World Demise") beendet dann den offiziellen Teil des Abends. Kurz verschwinden die Amis von der Stage, nur um zwei Minuten später unter massivem Jubel mit 'Chopped in Half' und 'Turned Inside Out' essentielle Titel ihr Diskographie zum Besten zu geben. Als im Anschluss dann noch 'Slowly We Rot' erklingt, müsste jedem Fan klar sein, dass das jetzt das Finale für heute sein muss. Dennoch erwarten viele Zuschauer noch mindestens eine weitere Zugabe. Aber diese Hoffnung wird enttäuscht. Auch wenn OBITUARY es heute gerade einmal auf eine Spielzeit von 70 Minuten gebracht haben und es keine Vorband gibt, ist bereits einige Minuten vor 22 Uhr Schluss mit Metal im Zoom Club. Netterweise nehmen sich die Amerikaner aber noch Zeit um Merch zu signieren und Fotos mit den Besuchern zu machen - ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem. 

Das allgemeine Fazit des Abends, was man in vielen Gesprächen in und vor dem Venue hört, lautet "geil, aber kurz" und das trifft es ziemlich genau. Denn auch wenn die Band (und vor allem ihr Sänger) gesundheitlich angeschlagen sind und man eigentlich dankbar sein muss, dass sie überhaupt gespielt gespielt haben anstatt den Gig (wie es gerüchteweise geheißen hat) zu canceln, kann man für einen stolzen Ticketpreis von etwa 24 Euro erwarten, mehr als eine knappe Stunde Live-Musik geboten zu bekommen. Zwei Vorbands wären da ein guter Weg gegeben, den Ausflug in die Innenstadt Mainhattens noch lohnenswerter zu machen. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass man dann wahrscheinlich mit der Veranstaltung nach dem Konzert kollidiert wäre. Denn ab 23 Uhr findet jeden Samstag im Zoom "Hit Happens" statt - wo man zu Electro, Rap, Pop und Rock tanzen kann (wenn man denn auf sowas steht). Das ist eben der Nachteil daran, wenn man solche Bands nicht in richtigen Metal-Clubs auftreten lässt, sondern Mainstream-Diskotheken wählt - da muss mann leider einige Kröten schlucken. Der Abend hat sich (um es noch einmal zu sagen) dennoch gelohnt. OBITUARY hat ein intensive Show abgeliefert und die Frankfurter haben vor allem die alten Gassenhauer dankend aufgenommen. 
Ich freue mich schon die Urgesteine des Totenstahls auf dem Party.San Open Air wiederzusehen. Auch nach fast 30 Jahren, hat die Band kaum etwas von ihrer Power eingebüßt. 

[Adrian]

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