Sonntag, 28. Februar 2016

Live-Review: Alpha Tiger, Blizzen und Lunar Shadow in Frankfurt

Nachdem das letzte Frankfurt-Konzert im Oktober 2015 ausfallen musste, holten die Freiberger von ALPHA TIGER ihren Auftritt mit neuem Frontmann und viel guter Laune vergangenen Donnerstag im Nachtleben nach. Unterstützt wurden die Schwermetaller dabei von BLIZZEN und LUNAR SHADOW
Das Quintett dessen Herkunft unbekannt ist (zumindest findet man dazu online nichts - und ich bin viel zu faul um länger als zwei Minuten danach zu recherchieren) kommt als erstes auf die Bühne. Die Mitglieder von LUNAR SHADOW wirken irgendwie bekifft und stehen leicht narkotisiert auf der Bühne.

Das ist an sich kein Problem. Immerhin spielen sie 80s Metal und wer sich an dieses Jahrzehnt erinnern kann, war bekanntlich nicht dabei. Besonders Gitarrist Max "Savage" Birbaum, der heute aussieht als habe ihn Uli Jon Roth adoptiert, ist stark verstrahlt. Das beeinflusst zwar nicht sein Gitarrenspiel, da gibt es nichts zu meckern, aber seine Ansagen. So spricht er in einem entspannten Ton, den man sonst nur von Hippies und Sozialarbeitern her kennt. Dabei redet er beispielsweise von der alltägliche Situation, wenn man durch einen Winterwald läuft und plötzlich auf eine nackte Schönheit trifft. Solche Vorstellungen bilden die Grundlage für Song-Texte wie in 'Frozen Goddess' und 'They That Walk The Night'. Es sind aber nicht die Lyrics, die den Zuschauer an den Tracks stören sollte, sondern vielmehr die Art wie Fronter Alex singt. Er ist nicht untalentiert, aber überschätzt seine Möglichkeiten und so mangelt es an manchen Stellen an Power und in anderen Passagen taucht man in notentechnisch-schräge Lagen ab. Für mich ist das so störend, dass ich zeitweise den Club verlasse und lieber draußen eine rauche, statt mir LUNAR SHADOW vollständig anzuschauen. Auch wenn die instrumentellen Fähigkeiten Potenzial haben, packt mich der Fünfer Heuteabend nicht. Sorry, mein Ding war das nicht.
An zweiter Stelle im Billing finden sich bereits die Mittelhessen von BLIZZEN. An dieser Stelle könnte ich wieder betonen, was für einen steilen Aufstieg das
Quartett bisher hingelegt hat und weiterhin hinlegen wird. Allerdings sollte das gar nicht mehr nötig sein, denn ihr Ruf eilt ihnen bereits voraus und so ist der Kellerclub an der Konstablerwache bereits vor Beginn ihres Gigs gut gefüllt. Als es endlich losgeht ist die Stimmung von Sekunde eins an brandheiß - und  das sowohl bei den Zuschauern als auch bei den Musikern auf der Bühne. Frontmann Daniel ist heute sichtlich motiviert einen geilen Auftritt hinzulegen und proklamiert direkt zu Beginn, dass man von gar nicht so fern gekommen sei, um den Frankfurtern Heavy Metal zu bringen (die Heimat der Truppe ist etwa 60 Kilometer entfernt). Auf der Stage bewegen sich die vier Herren sehr souverän und schießen wie Derwische von einer Seite der Bühne zur anderen. Wenn es ums traditionelle Hardrock-Posen geht, sind vor allem die beiden Klampfer Marvin und Andi eine Erwähnung wert, die sich jeweils so verrenken, dass man Angst haben muss, dass die eine oder andere Jeans bald reißt. Jedoch geht alles gut und die Show-Einlagen gelingen alle ohne Probleme. Musikalisch gibt es jede Menge Gründe die Birne zu schütteln von 'Strike The Hammer' bis 'Time Machine' bietet der Auftritt jede Menge Gründe den Nacken knacken zu lassen. Gerade in den vorderen Reihen ist deswegen auch viel Bewegung angesagt und die meisten Matten werden wie wild herumgewirbelt. Auf der Setlist finden sich auch einige neue Titel, die perfekt ins bisherige Portfolio reinpassen, auch wenn sie unter den Mitgliedern für ein gewisse Konfusion sorgen, was die Reihenfolge angeht. Dafür gibt es gegen Ende auch einen Titel mehr als erwartet, da die Gruppe feststellt doch besser in der Zeit zu liegen als gedacht. Dennoch  muss irgendwann auch der schönste Gig einmal zu Ende gehen und nach dem letzten Wellenbrecher und unter großem Jubel verlassen die Heavy-Metaller die Bühne. BLIZZEN bestätigt wieder einmal seine Live-Qualitäten und macht Lust auf mehr. Wer die Herren also bald wieder erleben will, hat unter anderem am  23. April in Limburg die Chance dazu. Persönlich kann ich von diesen Herren einfach nicht genug bekommen.
Ebenfalls massiv aufgestiegen sind die Sachsen von ALPHA TIGER. Bei dem bekannten und traditionsreichen Label Steamhammer unter Vertrag und bereits mit drei Alben im Rücken haben sich die Ostdeutschen innerhalb der letzten fünf Jahre zu einer festen Größe im Old-School-Sektor entwickelt. Und nachdem im Oktober aus "logistischen Gründen" ihr Gig in Frankfurt abgesagt werden musste, wurde der Fünfer besonders sehnlich erwartet. Ihr neustes Mitglied Benjamin Jaino ist zwar nicht der Größte (was die Statur angeht) und sieht auch sonst wie ein Jungspund aus, aber hat eine Stimme wie Kiske und Dickinson in ihren besten Jahren. Auch die Show an sich ist stimmig. Die Band befeuert die Atmosphäre, aber bewegt sich im direkten Vergleich etwas weniger als die zweite Vorband. Deswegen dauert es vielleicht auch etwas länger, bis das Publikum wieder auf Betriebstemperatur kommt und Songs wie 'We Won't Take It Anymore' oder 'Black Star Pariah' gebührend abfeiert werden. Neben einer starken Leistung sind die Raubkatzen außerdem sehr sympathisch. Entschuldigen sich zum Beispiel für die Verschiebung des Konzerts im Herbst und staunen über die stattliche Menge an Menschen, die den Weg an diesem Donnerstag ins Nachtleben gefunden haben. Wer bis zum Ende noch nicht überzeugt worden ist, wird vom herrlichen IRON-MAIDEN-Cover 'Hallowed By Thy Name' mitgerissen, das authentisch dargeboten wird und dieses Konzert perfekt abschließt.

Alles in allem ein gelungener Abend mit soliden bis großartigen Bands und einer Menge traditionellem Stahl, etwas wovon es in Frankfurt in Zukunft ruhig mehr geben darf. Ein Publikum für traditionellen Metal gibt es hier auf jeden Fall.

[Adrian]

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