Donnerstag, 10. Dezember 2015

Throwback Thursday: Death "Spiritual Healing"

Weiter mit unserer Throwback-Thursday-Reihe und damit weiter mit DEATH und Chuck Schuldiner. Wir erreichen die Neunziger und verlassen die blutigen und horrorlastigen Klangwelten der Anfangstage. Verlieren wir also keine weiteren Worte und habt viel Vergnügen mit unserem klassischen Review zu "Spiritual Healing".

DEATH waren bekannt dafür, dass sie nie ein Album in der selben Besetzung eingespielt haben. Allerdings waren die Line-Up Veränderungen zwischen "Leprosy" und "Spiritual Healing" noch überschaubar. Einzig Rick Rozz musste gehen und wurde durch Tausendsassa James Murphy ersetzt. Trotz der geringen Veränderungen ging das 1990er Album in eine andere Richtung. Konsequenterweise entwickelten sich die Kompositionen weiter und die Technik trat hier deutlicher in denn Vordergrund. Die blanke Urgewalt der 80er Jahre war nun völlig einer progressiven Herangehensweise gewichen. 

Dieser Kurswechsel hat vielen alten Fans nicht ganz geschmeckt - besonders denen, die gerade den primitiven, brutalen Sound mochten. Die meisten Hörer jedoch schätzten, dass nun mehr Platz geschaffen wurde für ausladende Riff-Exzesse und traditionell schwermetallische Momente. Schon der Opener 'Living Monstrosity' ist ein heftiger Death-Thrash-Batzen, der mit viel Groove und intelligenten Texten zu überzeugen weiß. Der letzte Punkt ist aber generell eine Stärke des dritten DEATH-Langspielers. Sozialkritik war bis zu dem damaligen Zeitpunkt nicht unbedingt die üblichste Thematik im  Death Metal, aber schon durch den Ursprung im Thrash Metal eine logische Folge. 
"Claiming insane is the way to freedom / People are stupid enough to believe them" aus dem zweiten Track 'Altering The Future' oder auch "Practice what you preach / Your loved one is now deceased / Knowledge is at our hands / Never to understand" aus dem Titeltrack sind sehr clevere Zeilen, die beweisen konnten, dass Schuldiner auch als Texter große Qualitäten besessen hat. Ähnlich wie auch beim Vorgänger ist es auch hier sehr schwer Favoriten herauszufiltern. Alle acht Tracks sind in sich perfekt und passen wunderbar zu einander. 
"Spiritual Healing" ist wohl eine der wichtigsten Platten Schuldiners, wenn man sich seine persönliche Entwicklung anschaut. Dieses Werk ist wegweisend und macht klar, dass Evil Chuck keinen Bock auf Stillstand hat und immer in Bewegung bleiben musste. Gleichzeitig war mit ihm aber auch laut seiner Weggefährten nie gut Kirschen essen,  wenn es um die Band ging. So musste sich wohl auf der "Spiritual Healing" Tour 1990 der Bruch zwischen Chuck und seinen damaligen Mitmusikern ereignen. Denn er machte keine Kompromisse und wenn die Bedingungen für eine Tour oder die Aufnahme eines Albums nicht perfekt waren, musste sich etwas ändern oder die ganze Sache abgeblasen werden. Dass man sich mit dieser konsequenten Sichtweise nicht nur auf Freunde macht, erfuhr das Mastermind  auf schmerzliche Weise. Denn nachdem er erneut eine Tour durch Europa wegen akuter Erschöpfung absagen wollte, gingen Andrews, Butler und Co. einfach alleine auf Tour und versuchten Schuldiner kurzer Hand aus der Band zu schmeißen. 
Dass dieser schwachsinnige Plan scheitern musste, hätte allen Beteiligten aber auch von vornherein klar werden müssen. Immerhin ist DEATH mit Chuck Schuldiner gleichzusetzen, während die drei Kollegen für den kreativen Prozess nicht wichtig waren. Ihre Meuterei scheiterte und endete damit dass sie auf die Straße gesetzt wurden. Ein Glücksfall: denn so konnte sich DEATH selbst neu erfinden und mit dem 1991er Album "Human" gleich mehrere progressive Schritte nach vorne machen. Dazu aber anderer Stelle mehr.

[Adrian]

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