Dienstag, 27. Oktober 2015

CD-Review: A.R.G. "Redemption From Refaim"

Drei Alben in fast 30 Jahren. Das wäre im Normalfall eine ziemlich unproduktive Bilanz. Allerdings steckt hinter den finnischen Thrash-Urgesteinen von A.R.G. eine interessante Geschichte. Gegründet wurde die Kapelle 1987 von dem damaligen Sänger Aku Raaska und A.R.G. hatte zu der Zeit noch Bedeutungen wie ANARCHY RULES GAMES oder etwas scherzhaft AKU RAASKA GROUP. Diese Beziehung hielt aber nicht lange und noch im selben Jahr verließ der Namensgeber die Band und Bassist Tepa Karjalainen wechselte ans Mikro. Der Banner, unter dem man auch heute noch spielt, blieb der Gleiche, aber man änderte die Bedeutung der Buchstaben und wurde so zu den ANCIENT ROTTEN GRAVEGUARDS. Nach einer tollen Zeit Ende der Achtziger und in den frühen Neunzigern mit vielen EPs, Demos, Live-Auftritten und zwei Alben, ging der Gruppe 1994 die Luft aus. Einige wichtige Mitglieder verließen die Band, konnten nur mäßig ersetzt werden und die Schwäche der Szene damals besiegelte mehr und mehr das Ende von A.R.G. 2011 kehrte die Lust aber zurück und die Band formierte sich fast in der Stammbesetzung neu. Lediglich Drummer Pasi Takkula, der bis 1991 hinter der Schießbude saß, konnte nicht mehr teilnehmen. Er verstarb bereits 2004, im viel zu jungen Alter von 34 Jahren (sofern die Quelle stimmt auf die ich mich hier beziehe, es gibt keine zweite Ressource, die das Alter des Schlagzeugers verifiziert). Nun kommt nach 24 Jahren endlich eine neue Scheibe auf den Markt, die auf den Namen "Redemption From Refaim" hört und eine ziemlich rohe Thrash-Kante vorlegt.
Will man A.R.G. mit anderen Bands vergleichen, wird man es schwer haben eine
klassische Band aus dem Dreschflegel-Sektor zu finden, die dem sehr blutigen und martialischen Stil gerecht wird. Musikalisch ist man nicht weit vom (Proto-) Death-Metal entfernt. Schon allein die fies, gruntigen Shouts von Tepa erinnern in Teilen an frühe MORBID ANGEL oder POSSESSED. Demgegenüber stehen traditionelle Thrash-Gitarren, die deutlich mehr nach Ruhrpott als nach Bay-Area klingen, und ein heftiges Drumming, das gerne auch mal die Double-Bass auspackt. 'Random Act Of Cruelty' ist ein besonders heftiger Prügel, der dennoch sehr schön die Waage zwischen ursprünglichen Extreme Metal und dem Thrash-Fundament bewahrt (auch wenn er ein ziemlich überflüssiges Sample-Outro besitzt). Mehr in die Richtung brutales Gemetzel tendieren 'Ramming Down Your Throat' oder auch 'Equilibrium', die stellvertretend für den letzten Akt dieser Scheibe stehen, der sich im Vergleich zum Anfang  deutlicher im Death-Thrash-Kosmos positioniert.
Insgesamt ist "Redemption From Refaim" eine wunderbare Mischung aus einem radikalem Thrash-Gewitter und der Ursuppe des Todesbleis, ohne dabei allerdings in ohrenbetäubendem Lo-Fi-Sound zu versinken und sich seine kompromisslose Härte auch mit einer professionellen Produktion behält. Das Song-Writing an sich ist nicht gerade mit innovativen Elementen vollgestopft, aber vermag auch mit bewährten Stilmitteln den Dreher zu einer runden Sache zu machen. Wer also seinen Thrash triefend blutig mag und alten Death Metal feiert, kann hier bedenkenlos zugreifen. Alles in allem wurde hier alles richtig gemacht.
Ranka Kustannus hat bereits am 29.05.2015 diesen Stahlbolzen in die Regale gehievt.

8 von 10 Punkten

[Adrian]

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