Donnerstag, 17. September 2015

Live-Review: Party.San Open Air 2015 (Part II)

Ich mache es kurz - jetzt hat es wieder eine Weile gedauert bis ich euch den zweiten Tag vom Party.San Open Air 2015 präsentieren konnte, aber dafür gibt es ausführliche Berichte zu unter anderem MELECHESH, ASPHYX und AGALLOCH. Und einige Kommentare zu Bands, wofür ich bestimmt, wieder einen auf den Deckel bekomme, was das das Ganze aber umso lesenswerter macht. Teil 1 des Berichts findet ihr hier!

Grindcore Frühstück (Foto: Adrian)
Eine lieb gewonnene Tradition des Party.San ist der jährliche Gute-Laune-Grind am Freitag Morgen. Ob   letztes Jahr JIG-AI oder dieses Jahr CLITEATER, gute Laune und ein guter Start in den Tag sind quasi vorprogrammiert. Dass trotz der brütenden Mittagshitze einiges vor der Bühne los ist, ist wohl der Beweis dafür, dass das Konzept tatsächlich funktioniert. Die Songs spielen dabei erfahrungsgemäß eher eine untergeordnete Rolle, Hauptsache der Takt stimmt zu dem man sich gemütlich im Pit im Kreis bewegen kann. Nach wie vor schade, dass der Samstag nicht genauso eröffnet wird.

Die zweite Band VANHELGD ist dann wieder der ernsthafteren Musik zuzuordnen, aber leider kann der angeschwärzte Todesstahl nicht allzu viele Zuschauer vor der Bühne halten, was aber zu einem großen Teil sicher auch der enormen Hitze anzulasten ist. An sich war der Auftritt der Herren nämlich mehr als ordentlich, auch wenn einige der Anwesenden wohl die Depri-Black-Metaller von VANHELGA erwartet haben -  zumindest glaubte ich das dem Gemurmel zweier an mir vorbeischlurfender zu entnehmen. Ihr Pech, mein Glück, denn ich hatte Spaß an dem Auftritt und konnte mich gemütlich für GEHENNAH warm trinken.

Und von GEHENNAH bekam man dann genau was man zu erwarten hatte. Stumpfen, kultigen Party-Black-Thrash mit knackigen Songs wie 'Say Hello To Mr. Fist', 'Bitch With A Bullet Belt' und 'Piss Off, I'm Drinking'. Damit ist zu dem Auftritt eigentlich auch schon alles wesentliche gesagt, es war wieder einiges los, alle Anwesenden hatten mächtig Spaß denn GEHENNAH sind live einfach extrem unterhaltsam.

[Nezyrael]

AETERNUS (Foto: Adrian)
Nach diesem rockigen Extreme-Metal-Auftakt folgt mit AETERNUS brachialer Death Metal mit einer saftigen Schwarzheimer-Kante. Das ist bei den Norwegern auch kaum verwunderlich, immerhin haben sie sich in der heißen Phase der norwegischen Schwarzmetall-Welle gegründet und so ganz kriegt man diese Schwärze nie aus dem Sound. Trotz  der 20 Dienstjahre auf dem Buckel sind die Skandinavier keine wirkliche Szenegröße geworden und spielen bereits Nachmittags für eine noch recht zurückhaltende Menge. Begeisterung lösen die Nordmänner aber auch bei mir nicht aus. Die Kapelle kann  zwar was, aber den Erwartungshorizont verlässt ihr etwas stumpfer Blackened Death Metal wiederum auch nicht. Da hilft es auch, dass einige alte reinrassige Schwarzmetall-Lieder gezockt werden. Songs wie 'There Will be None' oder 'Sworn Revenge' sind zwar alles andere als schlecht, aber wirken heute schlicht bis langweilig. Positiver kann man AETERNUS leider nicht beschreiben.

Soulburn (Foto: Linda)
SOULBURN im Anschluss zeigt wie richtiger Todesstahl gespielt wird- Für das niederländische All-Star-Kollektiv begeben sich bereits mehr Zuschauer vor die Bühne und wollen sehen, was die Schwesterband von ASPHYX so zu bieten hat. Um die Stimmung "anzuheizen", spricht Sänger Twan Van Geel (Etatmäßiger Gitarrist bei LEGION OF THE DAMNED) davon, dass Seelen brennen werden, was bei dem (extrem heißen) Wetter kein Problem darstellen würde. Es ist tatsächlich wie auch schon am Vortag unheimlich heiß und das Thermometer steigt mühelos auf über 30° Celsius. Müde oder abgeschlagen wirken die Niederländer allerdings zu keinem Zeitpunkt. Der Auftritt ist sehr energiegeladen und bei Liedern wie 'In Suffocating Darkness', 'Hymn Of The Forsaken' oder 'Feeding On Angels' kann man sehr gut die Birne kreisen lassen. Der sägende Old-School-Death-Sound ist wunderbar eingefangen worden und als mit 'Eden's Last Sigh' die letzten Töne der Band langsam verhallen, kann sich keiner darüber beschweren schlecht unterhalten worden zu sein.

POSTMORTEM (Foto: Linda)
Wie bereits im Prolog angedeutet, begeistert mich der Auftritt von  POSTMORTEM heute besonders. Es ist zwar am Nachmittag noch nicht übermäßig voll vor der Bühne, aber das hält die Berliner nicht davon ab ein heftigen Gig hinzulegen. Mit knallharten Brechern wie 'Lobotomy', (meinem Favoriten) 'Ghost Of The Warship' oder 'Hate Kill Destroy' feiern die Herren, die abseits der Bühne an ihrem Butz & Barkel Stand Cocktails und Longdrinks den Zuschauern anbieten, den Geburtstag eines ihrer Mitglieder (wer genau es war, ist mir entfallen). Man kommt hier aus dem Headbanging gar nicht mehr heraus und auch wenn der Nacken bereits schmerzt kann man bei Fronter Matthias brachialem Organ und den ratternden Death'n'Roll Riffs einfach nicht aufhören diese Truppe zu feiern. Vielen Dank an die Hauptstädtler, das war spitzenmäßig!

Melechesh (Foto: Linda)
Die Orient-Schwarzmetaller von MELECHESH sind definitiv ein Besuch wert. Denn mit ihrer Vermischung von Extreme Metal und Einflüssen aus dem nahen Osten heben Sie sich erfrischend vom Rest des Billings ab. Das wissen viele Besucher zu schätzen und begeben sich neugierig vor die Bühne, dort erwartet sie eine gute aufgelegte Truppe, die mit einer dicken Soundwand und einem wunderbaren Beat aufwartet. Ich hatte persönlich in der Vergangenheit nur wenige Berührungspunkte mit den Exil-Israelis gehabt, aber was das Quartett heute abfeuert, macht einfach nur Spaß. Auch wenn ich die meisten Songs nicht kenne, nimmt mich die nahöstliche Rhythmik sofort gefangen und bringt den Nacken umgehend in Bewegung. Songs wie 'Grand Gathas Of Baal Sin' verblassen aber gegenüber dem Überhit 'Rebirth of the Nemesis: Enuma Elish Rewritten', der das Finale dieses großartigen Gigs bildet, an dem es nichts auszusetzen gibt. Der Sound stimmt, die Spielfreude der Band ist gewaltig und auch das Publikum feiert die Leistung, die die Herren heute abrufen. Vor allem Frontmann Ashmedi sticht mit seiner sympathischen, charismatischen und energetischen Art aus dem Kollektiv heraus und macht mit seiner fauchenden Stimme alles noch ein Stückchen besser.

AGALLOCH! Das diese Band auf dem Billing steht , freut mich besonders. Denn
Agalloch (Foto: Linda)
diese Amis haben schon Black Metal gemacht, als die Europäer noch mit höhnischem Grinsen auf die US-Szene herabgeblickt haben. Inzwischen sind solche Vorurteile weitestgehend aus dem Weg geräumt und USBM (US Black Metal) ein fester Bestandteil der schwarzmetallischen Farbpalette. Maßgeblich dazu beigetragen haben die Herren von AGALLOCH und stehen heute auf der Bühne in Schlotheim vor vielen Hundert gespannten Fans, die sich auf diesen Act freuen. Die Portländer starten unheimlich stark und packen mit 'The Astral Dialouge', 'Vales Beyond Dimension' oder 'Dark Matter Gods' einige richtig starke Tracks aus, die ihre Fans in Verzückung versetzen. Zu kritisieren gibt es hier nichts. Höflich ASPHYX (die nächste Band) grüßend, verlässt AGALLOCH die Bühne und kann mit jedem Recht behaupten, dass sie niemanden heute enttäuscht haben.

Bevor allerdings die Niederländer auf der großen Stage loslegen, gibt es im Zelt einen echten Underground-Leckerbissen. FÄULNIS aus dem Norden Deutschlands sind mit zwölf Jahren auf dem Buckel zwar keine Newcomer mehr, aber sind auch erst innerhalb des letzten Jahres in meinen persönlichen Fokus geraten. Die Truppe hat momentan einen guten Lauf und die Tentstage ist unheimlich voll, als das Schimmelkomamndo loslegt.
Sänger Seuche sind zwar mit Brille und Bart abseits so aus, als würde er zusammen mit Sebastian Vettel Werbung für Winterreifen machen, sein Einsatz und seine Hingabe während des Gigs sind aber beachtlich. Hier kommt ordentlich Stimmung auf und wer sich bisher nur wenig Kontakt mit den Jungs hatte, sollte sich schleunigst mehr mit ihnen beschäftigen. Die Hamburger könnten in nächster Zeit die Szene noch ordentlich aufmischen. Hört euch nur mal allein den Song 'Weiße Wände' an, dass wisst ihr was Sache ist!

Asphyx (Foto: Adrian ... von ganz weit weg)
Wie bereits erwähnt kommt auf der Main Stage mit ASPHYX eine Legende an die Reihe, die man nicht anzukündigen braucht. Frontmann Martin Van Drunnen selbst kennt das Party.San Open Air inzwischen auch so gut wie seine Westentasche. Einerseits hat er hier schon mit verschiedenen Truppe die Bühne gerockt und zum anderen ist dieses Open Air maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich die Niederländer nach jahrelanger Funkstille wieder zusammengefunden haben und diese Death-Metal-Ikone reanimiert haben. Manchen geht diese Verbindu ng allerdings etwas zu weit, denn gefühlt sind die Holländer in der einen oder anderen Konstellation immer auf dem Party.San Open Air vertreten (dieses Mal sogar doppelt wenn man SOULBURN dazurechnet). Auf der anderen Seite gehen Songs wie 'Scorbutis', 'Death... The Brutal Way' (dessen Text sogar das Party.San beinhaltet) oder 'Deathhammer' immer gut runter und die sympathischen Ansagen von Martin auf Deutsch sind recht unterhaltsam. Alle noch offenen Fragen beendet dann 'The Rack', das immer der Überhit von ASPHYX  bleiben wird. Der Gig ist wie zu erwarten sehr gut, auch wenn die Euphorie der ersten Comeback-Jahre so langsam verflogen ist.

Ich sage es nur ungern direkt vorneweg, aber ich bin schwer enttäuscht von
Bloodbath (Foto: Linda)
BLOODBATH. Nachdem ich mich jahrelang darauf gefreut habe die internationale Todeswalze live auf dem Party.San zu erleben, fehlt der Allstar-Band 2015 jeder Esprit und jedes Feuer. Der relativ neue Frontmann Nick Holmes (hauptberuflich bei PARADISE LOST angestellt) versprüht genauso wenig Engagement wie bei den Auftritten mit seiner Hauptband. Wie ein bestäubtes Faultier hält er sich am Mikro fest und nuschelt seine Growls vor sich hin.  Dass besagtes Mikro am Anfang des Gigs überhaupt nicht funktioniert hat und man nur Nicks Lippenbewegungen gesehen hat, hat auch nicht geholfen die Begeisterung beim Publikum zu steigern, das ohnehin schon ziemlich genervt gewesen war, da die Umbaupause eine gefühlte Ewigkeit gedauert hatte. Ob es nur an dem Soundcheck oder an der Herrichtung der blutigen, DEBAUCHERY-ähnlichen Outfits der Musiker gelegen hat, lasse ich einfach Mal dahingestellt. Der Instrumentalfraktion kann man allerdings keine Vorwürfe machen. Die Herren spielen Songs wie 'So You Die', 'Breeding Death' und das gott-gleiche 'Eaten' perfekt herunter. Letzteres Stück versöhnt das etwas angesäuerte Publikum auch wieder mit der Band und erweckt die Stimmung zu neuem Leben. Belohnt wird man als Zuschauer für diese Hingabe jedoch nicht. Ohne ein Wort des Dankes verschwinden Holmes und Co von der Bühne und lassen mich mit dem Wunsch zurück, dass OPETH-Mastermind Mikael Åkerfeldt vielleicht doch irgendwann wieder das Mikro bei BLOODBATH übernimmt.

Ensiferum (Foto: Linda)
ENSIFERUM vermutet man eher auf dem Wolfszeit, Ragnaröck oder Heidenfest. Auf dem Party.San Open Air wirkt lockerer Folk Metal ein wenig deplatziert und tatsächlich als die Finnen loslegen, sind bereits viele Zuschauer zu Fressbuden oder dem Zeltplatz abgewandert. Nichtsdestotrotz findet sich eine immer noch stattliche Zuschauerschaft, die heute tatsächlich eine Menge Lust auf epischen Metal zu haben scheint. Na gut. Sei es drum. Entweder man mag diese Art von Bombast oder eben nicht. Beispielsweise 'From Afar' oder 'Axe Of Judgement' werden perfekt inszeniert und werden von der Licht- und Feuershow perfekt ergänzt. Der Rahmen stimmt dennoch nicht so ganz. Zwischen zwei Death-Metal-Bands ist der Slot einfach zu undankbar und wenn dann auch noch ein großartiger Song 'Deathbringer From The Sky' fehlt, ist tatsächlich nichts zu machen. Trotz Engagement und Spielfreude, geht der Auftritt einfach nicht an mich.

CANNIBAL CORPSE habe ich ehrlicherweise nach wenigen Songs doch sausen lassen. Schon einige Male habe ich die Herren aus Florida gesehen und ja, sie sind eine Legende, eine unverzichtbare Messlatte im Death Metal und machen auch heute noch eine tighte Show. Dennoch finde ich den Auftritt unheimlich stumpf und wenig einnehmend. Die Kannibalen sind darüberhinaus auch noch viel zu laut und selbst  noch auf dem VIP-Campingplatz fühlt man sich  so als stünde man direkt vor der Bühne. Alles was Corpsegrinder von sich gibt, versteht man auch  im Klappstuhl perfekt und selbst wenn man es nicht hören würde, könnte man sich denken, was er sagt. Hier ein "Support Death Metal" und dann mal wieder ein "A Song for the ladies" bei 'Fucked By A Knife' (na gut, den habe ich heute mal nicht gehört, aber kam früher immer) - das alles kennt man zur Genüge und wenn man nicht gerade Die-Hard-Fan ist, reicht es absolut die Band zwei oder dreimal gesehen zu haben, danach wird man nur noch wenige interessante Facetten entdecken. Die neuen Songs will sowieso keiner hören und erst bei Klassikern wie 'Hammer Smashed Face' erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt. Wobei ich zugeben muss, dass dieser Song tatsächlich ein unerreichter Meilenstein des Genre bleibt.

Damit endet der zweite Tag des Party.Sans und man geht mit der Hoffnung ins Zelt, dass Tag drei weniger heiß wird.
[Adrian]

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