Samstag, 1. August 2015

Live-Review: Freak Valley 2015 - Part 1



Der Sommer ist Festival-Saison! Und nachdem wir bereits ein paar Reiseberichte veröffentlicht haben, kommt nun ein weitere besondere Live-Rezension von unserer Redaktion. Vom 4. bis 6.6.2015 fand mit dem Freak Valley 2015 nun ein Stoner- und Classic-Rock-Open-Air statt, dass Netphen-Deuz in NRW zum Mekka der Entschleunigung gemacht hat. Die Kollegen Sunny und Lukas B. berichten im ersten Teil der Review-Reihe über ihre Erlebnisse am ersten Festival-Tag

Donnerstag :


MOUNTAIN WITCHHier lässt sich der kuriose Fall des entspannt melodiösen Stoner Rock in freier Wildbahn beobachten. Während viele Bands mehr auf die
Quelle: Mountain Witch - Facebook
treibende Aggressivität ihrer Musik bauen versuchen die deutschen Landsmänner von MOUNTAIN WITCH die drückenden Passagen immer wieder mal durch hauptsächlich Clean Gitarre und Bass getriebene Breaks zu lockern und das trifft bei dem doch eher heterogenen Publikum auf deutlich mehr Zustimmung als die teilweise dargebotene Brutalität die andere Bands darbieten. Wer wegen den Hippie-Tunes gekommen ist, weiß sich schließlich mehr mit den entspannteren Bands zu identifizieren als mit den EYEHATEGOD des Festivals. Außerdem trifft MOUNTAIN WITCH den Zahn der Zeit, genauer gesagter der Uhrzeit, denn in der Hitze des Nachmittags hat keiner wirklich Lust sich allzu stark zu bewegen. Es empfiehlt sich, sich eine der großzügig erbauten Schattenoasen zu sichern und sich das Ganze in halber Liegestellung und mit Bier bewaffnet aus bester Soundentfernung anzuhören. Diese Einstellung wird eindeutig auch von den meisten geteilt, da sich viele lieber von den sengenden, strahlen der Sonne in die Schatten-spendende Umgebung verziehen. Auch der Rhythmus lädt meist mehr zu halb-dösigem Schunkeln als tatsächlicher Bewegung ein; und das geht schließlich auch im liegen. 

Allerdings hat auch diese Band genug Verständnis immer wieder Varianzen in ihre Musik einzubauen die alle Beteiligten richtig wachrütteln und durch deren wohl gewähltes auftauchen wirke diese niemals künstlich sondern stets geplant und dynamisch. Extrem gelungene Musik zum entspannen und gleichzeitig einstimmen auf kommende Erlebnisse.
[Sunny] 

GAS GIANT ist auch dieses mal wieder dabei! Wer sich noch an unseren Bericht des Heavy Days In Doomtown erinnert, wird hier freudig aufhorchen, schließlich erntete die Band auch damals positive Kritik. Glücklicherweise wiederholt sich die kleine Erfolgsgeschichte hier; auch wenn die Dänen auf diesem Festival
Quelle: Gas Giant - Facebook - Clemens Mitscher
weniger herausstechen stellen sie immer noch eine energiegeladene Combo dar, die mit eindeutigem Spielspaß und lautem Stoner Rock a la RED FANG aufweisen kann. Die Gitarrensoli sind schön dreckig und der Bass wummert so tief wie er eben nur kann, einfach angenehm. In der Bewertung des Schlagzeug muss man leider ein paar Abzüge vergeben, vielleicht ist dies nur subjektiv empfunden. Man könnte argumentieren das Schlagzeug versucht sich nicht vorzudrängen und bietet dem Rest der Band, was gebraucht wird um den Stil aufrecht zu erhalten ohne vom eigentlichen Endprodukt abzulenken. Man könnte auch argumentieren es ist einfach langweilig. Jedenfalls passt die Sound-Kombi insgesamt relativ gut; auch der teilweise zweistimmige Gesang kommt (sound)technisch gut über den Platz. 

Außerdem hat die Tontechnik hier das Glanzstück vollbracht und das Tamburin des Sängers tatsächlich hörbar gemacht. Aber auch ohne die kleine Nebenbeschäftigung wäre die Sangesfraktion mit dem gehörnten Mikrofon auffallend genug gewesen. GAS GIANT geht hier einfach etwas in der Masse an gleichgesinnten Musikanten unter, was allerdings eine kleine Schande darstellt, schließlich könnte ein solcher Gig in anderen Umständen durchaus als denkwürdig gelten; hier allerdings ähnelt der Stil dem Umkreis einfach zu sehr um die eigentlich gute Erfahrung wirklich in die Synapsen einzubrennen. Für sich gesehen allerdings ein starker Auftritt. 

[Sunny] 

Die ganze Stoner-Rock-Hippie-Geschichte ist ja schön und gut, aber nach Stunden um Stunden entspanntem Gleichklang wird es selbst dem handzahmsten Panda etwas zu viel mit der Harmonie. Glücklicherweise kennen die Amerikaner von GOATSNAKE die Problematik genau und liefert tief herunter gestimmten Doom zum Wachrütteln. Natürlich ist auch dieser im üblichen Dope-Nebel gezeugt, jedoch bricht dieser Auftritt zunächst so angenehm mit der festgefahrenen Atmosphäre, dass die Variation zunächst fast wie ein Stilbruch wirkt; glücklicherweise allerdings sehr willkommen. Ein Hauch SLEEP, eine leichte Verbeugung zu den Genrehelden von KYUSS und die kalifornischen Kerle im fortgeschrittenen Alter bieten eine starke Show genau zum richtigen Zeitpunkt.

Allerdings scheint es so als wolle hier etwas viel auf einmal in den Ring geworfen werden. Zwar liefern die Instrumentalisten eine äußerst solide Vorstellung ab, aber Sänger Pete Stahl eiert in jeder Sekunde, die ihm abseits des Mikrofons zur Verfügung steht, über alle möglichen Richtung auf der Bühne und wirkt dabei eher besorgniserregend als energiegeladen. Auch die irgendwie ineffektiv wirkenden Rasseln in dessen Hand hört man im Publikum eindeutig nicht heraus und man fragt sich ob diese vom Rest der Band mehr als Beschäftigungstherapie verschrieben wurden. Aber der Tag an dem einem Bandmitglied zu viel Passion vorgeworfen wird soll nicht gekommen sein, schließlich sitzen alle Riffs, der Takt schwebt trittsicher über dem ganzen Getobe und auch die Vocals sind für live Verhältnisse wirklich ansehnlich. Vielleicht wird der dargelegte Enthusiasmus nach einer Weile etwas anstrengend, aber wer sich gerne vom Sänger im Fotograben anschreien lässt kommt hier definitiv auf seine Kosten. 

[Sunny] 

Während die Kälte der Nacht aufsteigt versammeln sich die Fans in großer Zahl um den Headliner des ersten Abends zu sehen: Die BLUES PILLS. Und dafür
Quelle: Blues Pills - Facebook 
werden sie von dem internationalen Quartett mit einer ehrlichen und fesselnden Show belohnt. Bereits mit den ersten warmen und treibenden Tönen beginnen im sonst eher trägen Publikum die ersten wogenden Bewegungen. Und der vor Energie und Kraft strotzenden Gruppe gelingt diese Wirkung so weit auszubauen, dass spätestens bei 'Devil Man' das Stillstehen beinahe unmöglich scheint.Grade die Frontfrau überzeugt auf der Bühne nicht nur mit ihrem kraftvoll souligen Gesang, der ohne weiteres mit den Studioaufnahmen mithalten kann, sondern auch mit offensichtlicher Freude und Präsenz. Doch so sehr die ekstatische Performance der jungen Truppe auch zu loben ist, man muss auch die Probleme in ihrem Set benennen. Gegen Ende ihrer Show nahm der neuere Song 'Yet to Find' den Schwung aus dem Konzert raus. Dieser Effekt war wohl hauptsächlich der Technik geschuldet: Zu Beginn des rein aus Gesang und Akustikgitarre bestehenden Stücks fiel letztere Erstmal komplett aus. Das leicht verwirrte Publikum bekam zunächst also nur den Gesang zu hören, der ohne Begleitung doch etwas Verloren wirkte.

Etwas weiter im Song gelang es der Technik dann doch auch die Gitarre zu verstärken – leider jedoch mit wenig überzeugendem Sound. Dass die Band dem anschließenden Song 'High Class Woman' ein Solo-Gesangs Intro verpasst hat, zögerte die ernüchternde Wirkung leider sogar noch hinaus. Letztlich schafften sie es jedoch mit vereinten Kräften von Bass und Schlagzeug, den Groove zurückzubringen, so dass das Publikum nach der Zugabe versöhnt und gut Gelaunt in die Nacht entlassen werden konnte. Trotz der kurzzeitigen Schlappe bleibt das Konzert der BLUES PILLS als überzeugendes und jede Menge Spaß machendes Erlebnis im Gedächtnis.

 [Lukas B.] 

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