Donnerstag, 9. April 2015

CD-Review: Skyforger "Senprusija"

Ich wette, ich kann eure Gedanken lesen. Denkt an eine Lettische Metal-Band. Ihr denkt an SKYFORGER, stimmt's? Zugegeben, so schwer war das jetzt nicht, denn auch mir ist außer der heidnischen Extreme-Folk-Metal-Truppe auch keine Kapelle aus diesem baltischen Staat bekannt. Allerdings sind eben diese Nordosteuropäer dafür eine waschechte Legende im Pagan-Genre. Mit "Senprūsija" erscheint das inzwischen sechste Album in der 20-jährigen Bandgeschichte und bietet das, was Fans der Kapelle sich erhofft haben dürften.
Kraftvoller Metal, der zwischen klassischen Heavy-Metal-Anleihen (vor allem in
die Soli wie bei 'Herkus Monte') und schwarzmetallischen Einflüssen (besonders schön zu beobachten im Titeltrack) hin und her schwankt, trifft auf pagane Epik ('Ramava') und authentische Folk-Elemente (meist dezent und dennoch gut hörbar zum Beispiel in 'Nekas nav aizmirsts'). Die Herren aus der ehemaligen Sowjetrepublik haben in den Jahren ihres Bestehen ein ganzen Folk-Metal-Stil geprägt, der weniger von Tanz und Sauferei geprägt ist (als es zum Beispiel in Finnland der Fall ist) und vor allem durch das raue und kantige Organ von Sänger Peter unverwechselbar wird. Sich in den Gehörgang einzubrennen gelingt aber auch der Instrumentalfraktion mit einnehmenden Melodien. Das beste Beispiel ist hierbei 'Divi brali', das so catchy ist, dass man sich innerhalb weniger Sekunden in diese einprägsame Tonfolge des Leitmotivs verliebt. Allerdings ist das nur die Spitze eines Berges aus guten Rhythmen und Melodien, die  diese Platte zu bieten hat. Ausschuss sucht man vergebens! Jeder Song sitzt und jedes noch so feine Detail scheint genau durchdacht worden zu sein. In diesem Fall kann man sich auch eine Spielzeit von 58 Minuten erlauben, ohne Gefahr zu laufen den Hörer zu langweilen.
Als Nicht-Lette hat man zwar nicht viel von den Texten, aber dass es auch hier wieder um die Geschichte des Baltikums und landestypischen Mythen geht, kann man sich ja denken (vor allem weil der Albumtitel übersetzt so viel heißt wie "altes Preußen"). "Senprusija" ist alles in allem ein sehr überzeugender Dreher, der zeigt, dass das Quartett aus Riga über die Jahre nichts von seiner Klasse oder Energie eingebüßt hat. Wer es also mit heidnischem Metal und Folklore ernst meint, der sollte sich nicht scheuen das neuste Werk von SKYFORGER auszutesten. Die Altmeister können es nämlich immer noch und bleiben der einsame Exportschlager Lettlands in Sachen Schwermetall.
Seit 06.04.2015 kann man diese extreme Volkmusik beim Bandeigenen Label Thunderforge Records käuflich erwerben.

8,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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