Samstag, 10. Januar 2015

CD-Review: Obscure Infinity "Perpetual Descending Into Nothingness"


Etwas mehr als zweieinhalb Jahre mussten wir warten, aber nun endlich ist sie da: die dritte Full-Length von OBSCURE INFINITY. Die Westerwälder haben von Anfang an das Death-Metal-Revival in Deutschland mit voran getrieben und bescheren uns nun endlich "Perpetual Descending Into Nothingness".


Die Erwartungen  sind hoch und wurden im Vorfeld von Genrekennern wie Leimy vom Deaf Forever sehr hochgeschraubt, indem es als das beste Machwerk der Band bisher beschrieben wurde. Das baut natürlich eine Menge Druck auf, denn die Vorgänger "Dawn Of Winter" und "Putrefying Illusions" waren ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Dennoch haben bereits die vergangenen Splits der Band mit so starken Singles wie 'Joyless Flesh' oder 'Perdition Destiny' bewiesen, dass diese Gruppe in der Lage ist sich von Release zu Release steigern und ohne zuviel vorweg nehmen zu wollen: Eine erneute Leistungssteigerung gelingt den Rheinland-Pfälzern auch hier. Schon die ersten beiden Tracks 'Sorcery Of The Black Souls' und 'Expiration Of The Lost', die sich durch ein ausgereiftes Song-Writing, eine überragende Gitarrenarbeit (allein im letztgenannten Titel zeigt Saitenhexer Stefan, was er alles an seinem Instrument zu leisten im Stande ist) und sehr intensive Growls auszeichnen. Schon früh merkt man, dass man es hier mit einem ganz besonderen Album zu tun hat. Denn die Jungs haben sich ganz klar weiterentwickelt und den Songs einen stärkeren Black-Metal-Charakter verliehen. Dennoch hört man stets heraus, dass man hier OBSCURE INFINITY vor sich hat. Seit der ersten Demo wurde konsequent ein eigener Weg verfolgt, der sich zwar immer an Vorbildern aus Schweden, Holland oder Florida orientiert hat, aber vor allem einen sehr eigenwilligen Charakter offenbart. Dass auch Hardrock zu den Einflüssen des Fünfers zählt, beweisen Titel wie 'The Uttermost Descend', dessen Solo schwer an 'Sign Of The Nightsky' (von der Split mit PROFANAL) erinnert. Der aber wohl ungewöhnlichste Track ist 'A Forlon Wanderer', der nicht nur als episch-angeschwärzte Hymne beginnt, sondern auch mit klaren majestätischen (Gast-)Vocals aufwarten kann und sich gegen Ende zu einer Melange aus Blackened Thrash und Old-School-Death entwickelt. Mit ähnlich schmissigen Passagen kann auch 'Into The Undertow' punkten, die in wabernde Riffs eingebettet werden, die typisch für die Band eine sehr bedrohliche Stimmung aufbauen, die erst vom singenden Solo gegen Ende konterkariert wird.

'Descending Into Darkness' ist ein sehr treibender Song, der ein weiteres Mal auch wieder die virtuose Technik der Band offenbart. Das Solo in 'From Odium And Disease' setzt direkt danach noch einen drauf und feuert eine Tonfolge ab, die ein ganzes klassisches Orchester an die Wand spielen könnte. Der Rauswerfer 'Beyond Spheres And Time' war ja bereits vorab im Internet veröffentlicht worden und fasst noch mal das komplette Spektrum des Albums in knapp siebeneinhalb Minuten zusammen und lässt den Hörer mit heruntergeklappter Kinnlade zurück.

"Perpetual Descending Into Nothingness" ist tatsächlich der bisherige Höhepunkt der Karriere dieser Band und präsentiert OBSCURE INFINITY als eine gereifte Gruppe mit einem perfekten Gespür für starke Melodien, dunkle Arrangements und unsterbliche Soli, wie man sie in der Metal-Szene kaum noch geboten bekommt. Trotz Erhöhung des schwarzmetallischen Anteils hat das Quintett seinen eigenen (Death-Metal)-Stil weiter geschärft und präsentiert sich 2015 als die anspruchsvollste Death-Metal-Kapelle Deutschlands. Denn frickeln können viele, aber hochwertige Riffs und Soli zu spielen, die mitreißen, das schafft nicht jeder. Eigentlich gelingt das, soweit ich weiß, aktuell nur OBSCURE INFINITY. Deswegen greifen wir hier auch ohne zu zögern zur Höchstnote. Dieses Album ist ein Meilenstein der aktuellen Death-Metal-Welle.
Wer immer noch nicht überzeugt ist kann bis zum Release am 16.01.2015 (via FDA Rekotz) auf der Seite vom Deaf Forever in "Perpetual Descending Into Nothingness" reinhören, was tunlichst empfohlen wird.

10 von 10 Punkten

[Adrian] 

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