Montag, 12. Januar 2015

CD-Review: Napalm Death "Apex Predator – Easy Meat"


Krisen sind aktuell überall zu finden auf der Welt: Ebola in Afrika, Islamismus im Nahen Osten und Terroranschläge im Westen. Das schreit förmlich nach einem lauten und deutlichen Statement der Meister des sozial-kritischen Grindcores. NAPALM DEATH kehrt in diesem Januar mit einem neuen Album zurück und legt uns mit  "Apex Predator – Easy Meat" das nun mehr 17. Studiowerk vor. Ob es genauso verspielt ist wie sein Vorgänger "Utilitarian" ist, klären wir im folgenden Artikel.
Der Anfang jedenfalls ist sehr industriell bis progressiv. Allerdings wirkt der Titeltrack zu Anfang mehr wie ein knapp vier-minütiges Intro und weniger wie ein repräsentativer Song der Platte. Denn direkt im Anschluss geht weiter mit einem recht heftigen Deathgrind-Gewitter im 2000er Stil der Band. 'How The Years Condemn' hätte auch auf "Smear Campaign" stehen können und macht ebenso viel Spaß wie ein Song aus dieser Schaffensperiode. Schnelle Beats wummern aus den Boxen, abgedrehte und düstere Riffs shreddern den Gehörgang in Einzelteile und das Organ von Fronter Barney Grennway ist wie immer in Bestform. In 'Stubborn Stains' ergänzt man dieses Erfolgsrezept um weitere Stilmittel wie eine rockigen Groove, der diesen Titel auf Anhieb munden lässt.

Ein bisschen ausgefallenes Song-Writing muss dann aber doch sein und so präsentiert man mit 'Dear Slum Landlord...' einen im wahrsten Sinne des Wortes dreckigen und crustigen Sludge-Doomer, der irgendwo zwischen CELTIC FROST und AMEBIX liegt. Solche Ausflüge sind dann aber doch eher die Ausnahme und mit 'Cesspits' folgt man der vertrauten Marschrichtung. Zum Glück, wie ich finde, denn schnörkellos, rasant und brachial gefallen mir die Herren aus England am besten. Es ist zwar lobenswert, dass die Grind-Urväter sich nicht ständig wiederholen wollen, aber warum ein Rezept ändern, wenn es so gut läuft?
Ebenfalls positiv fällt auf, dass die meisten Songs wie immer knackig kurz sind und zwischen zweieinhalb und drei Minuten verordnet sind. Langeweile stellt sich so zu keinem Zeitpunkt ein. Die 14 Titel ergeben ein ziemlich kompaktes Bündel, was wie ein Schnellzug am Hörer vorbeirauscht, allerdings mit dem Unterschied, dass im Gegensatz zu anderen Deathgrind-Platten hier eine Menge hängen bleibt. Vor allem Titel wie 'Beyond The Pale' (mit Tom-Warrior-Gedächtnisgesang) oder Hierachies mit seinen deutlichen Punk- und Thrash-Bezügen sowie melodischen Gesangseinschüben sorgen dafür, dass dieser Longplayer nicht spurlos an einem vorbei geht.
Insgesamt kann man mit dem neusten Erguss aus dem Hause NAPALM DEATH zufrieden sein, denn man kehrt weitestgehend zum gemeinen Stil von vor zehn Jahren zurück und übertreibt es nicht mit exzentrischen Einlagen. Die sind zwar immer noch vorhanden, beherrschen aber nicht zu sehr das Bild wie noch beim Vorgänger. Wer "Smear Campaign" mochte, sollte auch hier reinhören. Neben VENOM ist das, das bereits zweite starke Ausrufezeichen von der Insel in diesem noch jungen Jahr.
Ab 26.01.2015 steigt dieses Schlachtfest bei Century Media.

8 von 10 Punkten

[Adrian]

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