Montag, 5. Januar 2015

Angehört: Deconstructing Sequence - Evisorax - Schrottkarre vor'm Bonzenhaus

Ein ungewöhnlicher Dreikampf heute: Astronauten versus Mathematiker versus Assi-Punks. Ergibt keinen Sinn? Dann solltet ihr lieber weiterlesen und herausfinden, was sich hinter dieser kryptischen Beschreibung verbirgt.
Sci-Fi-Extreme-Metal bekommt man auch nicht alle Tage vorgelegt, wenn man
aber mal eine Kapelle mit Zukunfts- und Weltraumthematik findet, handelt es sich meist um progressive Extremisten, was dahingehend wenig überraschend ist, da man auch nur mit äußerst komplexen Maschinen ins All vordringen kann. Entsprechend anspruchsvoll sollte da auch das Sound-Gerüst sein. Das dachten sich wohl auch die Jungs von DECONSTRUCTING SEQUENCE und präsentieren sich auch auf ihrer zweiten EP  "Access Code" mal wieder von ihrer avantgardistischen Seite, Sample-Spielereien und progressive Frickel-Ausbrüche inklusive. Das ist alles wirklich ganz nett aufgezogen worden und füllt die Spielzeit von 16 Minuten recht souverän aus, vor allem da gerade im zweiten beziehungsweise letzten Track der EP ein deutlicher höhrer (Technical) Death-Metal-Anteil zu finden ist. Ob dieser musikalische Fruchtsalat aus Todesblei, Avantgarde und Prog auch auf Albumlänge überzeugen kann bleibt abzuwarten. Auf der Kurzstrecke jedenfalls macht diese abgefahrene Mischung durchaus Spaß, auch wenn sie sich vornehmlich an Metalheads mit sehr offenen Ohren wendet.



EVISORAX wiederum sind so ziemlich das Gegenteil der Space-Metaller und prügeln sich auf ihrer EP "Goodbye To The Feast…Welcome To The Famine" durch sechs meist kurze bis sehr kurze Math- und Grindcore-Stücke,  die sich ziemlich chaotisch anhören und oftmals einfach nicht lange genug dauern, um eine Struktur erkennen zu lassen. Die einzigen beiden Dinge, die diese Krawallbrüder mit den Feingeistern von weiter oben verbinden, sind ihre britische Abstammung und die Spielzeit ihrer Platten. Ansonsten gibt es keine echte Verbindung. Die einen sind bemüht künstlerisch Wertvolles zu erschaffen und die anderen schießen kompromisslos aus allen Rohren. Dennoch haben beide death-metallische Einflüsse, die sie lediglich völlig anders ausleben. EVISORAX können zwar auch frickeln (siehe "All The Best Bits, They Left Out Of Your Death"), aber fallen insgesamt unter die Kategorie orthodoxer Deathgrind. Dass PIG-DESTROYER-Klampfer Scott Hull hier an den Reglern gesessen hat, macht einiges klarer. Denn dieser Mann steht bei keiner Produktion für Easy-Listening. Wer auf wildes Chaos á la BRUTAL TRUTH oder AGORAPHOBIC NOSEBLEED steht, ist hier auf jeden Fall Gold richtig.
 
 
Als dritte Scheibe haben wir "Ein Meisterwerk des guten Geschmocks" von SCHROTTKARRE VOR'M BONZENHAUS im Angebot. Wer hinter so einem bekloppten Projekt steckt, fragt ihr?
Na, das kann doch eigentlich nur unser Moe von GRINDHOUSE sein. Und richtig, der GG ALLIN vom Rhein hat mir diese Demo zugesteckt, die ein Nebenprojekt von ihm darstellt, wo er selbst die Gitarre misshandelt und das Ganze als "Rumpelpunk" bezeichnet. Wenn ihr jetzt anmerken wollt, dass GRINDHOUSE doch auch nichts anderes sind, dann hört euch dieses Teil erst mal an! So was hört man selbst in besetzten Altbauten und autonomen Jugendzentren eher selten. Die Qualität ist unterirdisch und erinnert an den Kassettenrecorder von Fisher Price, den viele als Kinder für erste musikalische Schritte genutzt haben. Ansonsten kann man diesen Rotzrock folgendermaßen zusammenfassen: die Riffs und Song-Strukturen (sofern es welche gibt) sind wild und simpel, die Töne gerne auch mal schief und Refrains á la 'Ein Nazi In Altenheim' oder 'Ich sauf aus Frust' sind stumpfer als bei PÖBEL & GESOCKS: kurzum, diese Kapelle ist einfach genial! Höre ich mir solche Aufnahmen an, dann fühlt man sich in alte Zeiten zurückversetzt, als man noch Kassetten getauscht hat, via Mundpropaganda über Konzerte informiert wurde und der Band, das Oettinger Pils von der Bühne geklaut hat. Und genau so klingen die vier Buben aus NRW! Rau, Rotzig und Rock'n'Roll, mehr braucht man eigentlich auch gar nicht um glücklich zu sein. Vielen Dank, Jungs, für diesen Klassiker des Deutsch-Punks, den vor 30 Jahren niemand geschrieben hat.



Eine Staffelung der Bands erübrigt sich. Immerhin sind sie alle drei ziemlich heterogen, wobei ich zugeben muss, dass SCHROTTKARRE… am meisten heraussticht (und das will bei diesem Mix schon etwas heißen). Die zweite EP von DECONSTRUCTING SEQUENCE kann seit dem 12.08.2014 über die Band selbst bezogen werden, während uns EVISORAX via Bones Brigade Records mit ihrem Grind-Feuerwerk erst am 26.01.2015 beglücken werden. Wann und wie SCHROTTKARRE… ihre Demo raushaut, steht noch nicht fest, aber wer sich trotzdem dieses musikalische Spektakel geben will, hat am 24.01.2015 im Nettersheimer Annex die Chance dazu, wo sie unter anderem mit GRINDHOUSE und EINZELLER für Verwüstung sorgen werden.

[Adrian]

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