Montag, 8. Dezember 2014

CD-Review: Cvinger "The Enthronement Ov Diabolical"



Die meisten Menschen zünden am ersten Advent eine Kerze an.  Das an einen Tag später erschienene Album der Slowenen von CVINGER lädt eher dazu ein, den ganzen Kranz mit einem Flammenwerfer zu beschießen. "The Enthronement Ov Diabolical" ist eine schwarzmetallische Urgewalt, wie man sie selten aus Jugosphäre zu hören bekommt. 
Begrifflich stellt ein Cvinger, das im slowenischen viele Bedeutungen hat, eine Mauer dar, die in den osmanischen Kriegen den ersten Abwehrwall von Kirchen gegen die türkischen Angreifer bildete. Die Angst, dass es sich hierbei deswegen um Hüter des christlichen Glaubens handelt, ist jedoch zum Glück unbegründet. Die Südosteuropäer sind eine ganz klassische Schwarzmetall-Band und verprügeln ihre Gerätschaften, wie sich das gehört. Mal geht es recht zackig zur Sache (wie bei 'Anni Inferni'), mal wird auf die Bremse getreten (siehe 'Reclaim The Crown'), Experimente wagt man allerdings keine und bleibt stets im schwarzen Sub-Genre verhaftet. Es gibt zwar auch Klargesang (wie bei 'Summoning'), aber der ist gepresst und tief, und passt so perfekt zur morbiden Stimmung, die diese Scheibe durchweg verbreitet.
Es fällt auch nach einem fast kompletten Durchlauf schwer das Gehörte insgesamt mit einem speziellen Stil oder einer speziellen Band zu vergleichen. So klingt das abgedrehte Gitarrensoli in 'Anguish In Ossuary' schwer nach BATHORY, während eine aggressive Riff-Wand wie in 'Vile Flesh' mehr den Geist von BELPHEGOR atmet. Eine durchaus positive Eigenschaft, denn noch mehr Avantgarde-Bands kann die Szene wirklich nicht gebrauchen. Jedoch kann ich auch das nicht so stehen lassen und muss an dieser Stelle fünf Euro in das Phrasen-Schwein werfen, um anzumerken, dass dafür CVINGER das Rad auch nicht neu erfindet und bei der Wahl ihrer Waffen recht konservativ bleibt. Man neigt dazu phasenweise (wie beim Titeltrack) in gewisse stereotype Strickmuster zu verfallen, die sich über die gesamte Spielzeit hinweg etwas abnutzen. Bevor allerdings sich zu großer Unmut breit machen kann, ist man mit 'Chapter III - Amen II' auch schon beim choralen Outro angelangt. 


Zu kritisch will ich aber auch nicht sein. Kleinere Makel seien dem Kollektiv vor allem deswegen verziehen, da es sich bei diesem Longplayer zum einen um das Debütalbum handelt und die Truppe sich andererseits erst vor zwei Jahren zusammengefunden hat. Respekt! Für diesen kurzen Zeitraum haben die Herren aus Koper schon ganz schön was auf die Beine gestellt und seien dazu angehalten, auch in Zukunft den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Denn auch wenn "The Enthronement Ov Diabolical" kein schlechter Release ist, glaube ich, dass das zweite Album noch viel stärker sein wird. Nichtsdestotrotz halte ich alle Düsterheimer an, sich diese Scheibe mal genauer anzuschauen. 
Seit 1. Dezember kann physisch wie auch digital dieses Erstwerk bei der Band direkt erstehen.

7,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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