Montag, 9. Dezember 2013

Revisited-Review: Nachtmystium "Addicts: The Black Meddle Part II"

Die Tatsache, dass sich die Amerikaner von NACHTMYSTIUM letzten Monat dazu entschlossen haben die Brocken hinzuwerfen, ist eine gute Gelegenheit sich die vorletzte Scheibe ("Addicts: The Black Meddle Part II") der Musiker aus Chicago noch mal zu Gemüte zu führen. Denn es gibt keine Schwarzmetall-Formation, die ich persönlich so gerne höre wie eben diese Ami-Kapelle. Das kommt allerdings bei dem untenstehenden Review von 2010 nicht so ganz rüber, da ich eben dieses Album nicht von Anfang an mochte. Zu sehr hatte ich damals immer noch den direkten Vorgänger "Assassins") im Ohr gehabt (das mir auch heute noch etwas besser gefällt als der der zweite Teil des Black Meddle Doppelschlags). Mit etwas Abstand würde ich "Addicts" deswegen heute eine 8,5 oder 9 geben. Denn Songs wie der Titeltrack oder das grandiose 'Nightfall' sind einfach prägnant, unkonventionell und haben den Test der Zeit erfolgreich bestanden. Dieses Album hat wirklich das Zeug zum Klassiker, auch wenn ich das damals nicht erkannt habe (und dafür haufenweise haarsträubende Referenzen angeführt habe). 
So war das damals… 
Es scheint ein gutes Jahr für Fans von avantgardistischem Black Metal zu
werden, nachdem bereits Bands wie ALCEST oder LANTLÔS gut vorgelegt haben, schicken nun auch die psychedelischen Schwarzmetaller NACHTMYSTIUM eine neue Langrille ins Rennen. "Nothing hurts more than being born! ", flüstert Fronter Blake Judd im Intro 'Cry For Help' und hypnotisiert akustisch mit einem stets auftauchenden und wieder in einem endlosen Echo verstummenden Trommelschlag, um im zweiten Track 'High on Hate' (selten hat ein Songtitel so gut gepasst wie hier) die Hölle losbrechen zu lassen. Norwegische Riffs im Stile alter MAYHEM beherrschen die Lautsprecher und werden unterstützt von depressiven, melancholischen Momenten wie man es von französischen Bands her kennt. Danach geht es mit einem rockigen Kontrastprogramm weiter. 'Nightfall ' und 'No Funeral ' wildern in den Gefilden des 80er Jahre Dark Wave und des 70er Jahre Acid Rocks. Das geht teilweise soweit, dass man vergisst, dass man ein Black-Metal-Album vor sich hat. Aber zum Glück lässt das raue Krächzen von Judd und der mit Distortion angefüllte Klangteppich dann doch zumindest einen gewissen Mindestgehalt an Schwarzmetall vermuten.




In der zweiten Hälfte des Albums wird es dann auch wieder etwas schwärzer und die Nachtmystiker zitieren haufenweise alte Black Metal Helden von DISSECTION und BURZUM (in z.B. 'The End Is Eternal ') bis SATYRICON und sogar VENOM ('Blood Trance Fusion '). Das Album schließt mit achteinhalb Minuten Doom und DSBM, der erneut sehr französisch erscheint, und verhallt mit ein paar einsamen, akustischen Tönen und dunklen Effekten in Stille. Blake Judd spricht in einem recht aktuellen Interview davon, dass BURZUM sein größter Einfluss sei und dass man auch nach sechs Minuten hofft, dass ein Riff von Vikernes nie zu enden gehen möge. Da kann ich dem Mann, der ehemals als Azentrius bekannt war, nur beipflichten, aber muss im gleichen Atemzug anmerken, dass NACHTMYSTIUM dies nicht immer so gut gelingt. Insbesondere die letzten beiden Songs haben ihre Längen und man ist kurz davor wild auf die Skip-Taste einzuhämmern. Dennoch ist "Addicts: The Black Meddle Part II" ein überdurchschnittlich gutes und abwechslungsreiches Black Metal Album für Musikfreunde ohne Scheuklappen.


8 von 10 Punkten

 [Adrian]

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