Freitag, 2. März 2018

Live-Review: Purify und Torturebitch im Second Home Ennerich

Die Bekloppten sind in der Stadt! PURIFY und TORTUREBITCH, die beiden wohl zottigsten Thrash-Metal-Kapellen der Republik, geben sich ein Stelldichein im altehrwürdigen Second Home, der Ennericher Kultkneipe für Hartwürste. Da muss ich nicht lang überlegen und mache mich auf die Reise in die Provinz! Wegbier in die Hand und ab in die Regionalbahn - nächster Halt: In die Fresse!
Draußen ist es arschkalt und auf den Straßen im beschaulichen Ennerich nahe
Torturebitch - Sänger ohne Matte
(Foto: Adrian)
der Burgenstadt Runkel 
ist nicht viel los. In der einzigen Gastwirtschaft am Ortsausgang startet derweil ein knackiger Thrash-Metal-Abend, der von den Grünbergern von TORTUREBITCH eröffnet wird. Der Vierer aus Mittelhessen beginnt sein Set und wird erst einmal ordentlich ausgebuht und angepöbelt. Grund dafür sind die Herren von PURIFY, die in der vorderen Reihe stehen und ihren Kollegen einen warmen Empfang bieten (alles natürlich nur im Spaß). Diese revanchieren sich ihrerseits mit Ansagen, die sich gegen die Mainzer Band richten. So freut man sich auf den Tag, wenn PURIFY das Zeitliche segnet und widmet ihnen deswegen 'Spit On Your Grave'. Mir widmet man übrigens auch einen Song, allerdings weiß ich nicht ob ich mich bei einem Titel wie 'Social Waste' geehrt fühlen soll. Allerdings gibt es auch leider nicht allzu viel Konkurrenz in den vorderen Reihen, wie so oft bei kleinen Konzerten stehen nur wenige Zuschauer direkt vor der Bühne, die meisten hängen im Bereich vor der Theke herum. Dabei ist das Quartett entgegen seinem allgemeinem Ruf wirklich tight unterwegs und reißt eine ordentliche Show runter, die man mit dem Punk-Cover 'Bite It You Scum' von GG ALLIN krönt. Man mag diese vier Jungs für Assis halten, aber es sind auf jeden Fall sehr sympathische Assis.
Weiter im Programm geht es mit den besagten PURIFY und die stehen dem Opener in Puncto Eloquenz in nichts nach. Sänger Mönch blafft wie immer positiv-aggressiv seine Mitmusiker an und benutzt einen Mopp als formschönen
Mönch mit Mopp / Purify (Foto: Adrian) 
Mikroständer. Etwas enttäuscht von der Zuschauerleistung ist der Frontmann allerdings, wenn es darum geht richtig mitzumachen (es sei denn es werden Eintracht-Fangesänge verlangt, diese werden prompt erwidert). Mehrere Male muss er zum Beispiel 'Hate Fuck Die' wiederholen, bis der komplizierte Chorus vom Publikum verstanden wird - dann aber läuft die Maschine und die Gang Shouts sitzen. Weitere anspruchsvolle Stücke wie 'Guinea Pig Apocalypse' oder 'Gunslinger' stoßen ebenfalls auf eine Menge Gegenliebe und es wird etwas voller vor der Stage - Betonung liegt auf etwas. Denn leider ist es erneut noch gut Platz im Second Home, was nicht zuletzt auch mit der zeitgleich stattfindenden CD-Release-Show von BRONSON A.D. im Limburger Kalkwerk zusammenhängen dürfte, die für Thrasher auch sehr interessant ist. Aber auch mit begrenzter Mannstärke sind die Shows im Ennericher Rockschuppen immer ein voller Erfolg und auch bei PURIFY sieht man bis zum Schluss die Haare fliegen. Riesenlob auch an den neuen (festen?) PURIFY-Drummer David, der einen tollen Einstand gefeiert hat.
Solche Abende ziehe ich jedem großen Stadionkonzert vor und kann euch wirklich nur immer wieder empfehlen diese Art von Veranstaltungen zu unterstützen. Denn sie erinnern euch daran, warum ihr Teil dieser Szene geworden seid.

[Adrian]

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