Samstag, 23. Januar 2016

CD-Review: Atomwinter "Iron Flesh"

ATOMWINTER ist ein Bandname, der nicht nur bei Normalos ein leichtes Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte. Auch für Death-Metal-Verhältnisse klingt dieser Name etwas zu cheesy und sehr klischeehaft. Als wäre er kein Titel einer real existierenden Gruppe, sondern eine Bezeichnung, die man sich für eine fiktive Metal-Band in einer Sitcom ausgedacht hätte (sowie zum Beispiel die Truppe "Ein Eimer voll Hass" aus Two and a Half Man, die von Jake gehört wird). Das Grinsen verschwindet aber sehr schnell, wenn man in das aktuelle Album der Göttinger reinhört. "Iron Flesh" ist nämlich alles außer Comedy. 

Die Hauptthematik der Niedersachsen ist Krieg beziehungsweise Zerstörung im Allgemeinen und musikalisch bringt man das auch deutlich zu Ausdruck. Bereits der Opener 'Mother Of War' prescht mit ordentlich Druck und massiven Klangwänden vorneweg. Vokalist Holzschneider growlt in den tiefsten Tönen und veredelt seine Darbietung immer wieder mit fiesen Schreien. Stilistisch ist man weder der schwedischen noch der amerikanischen Schule klar zu zuordnen und kommt vor allem durch die mahlenden Elemente und die zum Teil (quasi) doomigen Passagen, die in treibende Rhythmen übergehen (wie in 'Tank Brigade'), näher ans britischen Handwerk heran. Wer Kapellen wie BENEDICTION (zu denen ich die größten Parallelen erkenne) oder (klassische) BOLT THROWER abfeiert, wird sich auch bei diesem Dreher wohlfühlen. Die Melodien sitzen und der Beat geht nicht nur bei den sehr  energiegeladenen Tracks wie 'Iron Flesh' oder dem angeschwärzten 'Purify The Spawn' perfekt ins Ohr. Die illustre Mischung aus brachialer Geschwindigkeit, ein wenig schwarzer Klangkunst, Groove, Doom und vor allem britisch-inspiriertem Death Metal macht was her und klingt nachhaltig nach. 

Insgesamt hinterlässt "Iron Flesh" ein sehr starken Eindruck. Dieser Batzen Todesstahl ist brutal, aber nicht im Brutal Death Metal Sinne, denn stumpfes Geknüppel ist hier keine Option. Die Urgewalt wird mit tollen Rhythmen und hämmernden Melodien richtig kanalisiert. Man gibt den Songs die Möglichkeit Atmosphäre und Stimmung aufzubauen, so dass man sich tatsächlich wie im Kugelhagel eines Schlachtfelds fühlt. Der eine oder andere wird bestimmt auch nach dem Konsum des Albums noch immer über den Namen ATOMWINTER schmunzeln müssen, aber weiß dafür, dass das zumindest mit der Musik der Norddeutschen nicht zu spaßen ist.
Seit 16.10.2015 gibt es das Teil bei Black Skull Records käuflich zu erwerben.

8,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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