Donnerstag, 12. März 2015

CD-Review: Winds Of Genocide "Usurping The Throne Of Disease"


In England gab es nie übermäßig viele Death-Metal-Bands, aber die, die es dort gibt, haben es stets geschafft mit ihren Alben Ausrufezeichen zu hinterlassen. Man denke allein an die Göttergaben von BENEDICTION oder BOLT THROWER. Auch bei der Revival-Welle der letzten Jahre war England zumindest mit einzelnen ausgewählten Acts dabei (wie zum Beispiel VALLLENFYRE), aber tat sich nicht so sehr hervor wie etwa Schweden oder Deutschland. WINDS OF GENOCIDE kämpfen allerdings bereits seit 2006 für den Old-School Death Metal (mit Crust-Einschlag) und haben es nach vier eher kleinen Veröffentlichungen (vor allem Splits und EPs) geschafft mit "Usurping The Throne Of Disease" ein vollwertiges Album auf die Beine zu stellen, dass sie bereits Anfang des Jahres über Pulverised Records veröffentlicht haben.

Bei Crust und Death Metal denken einige Szenegänger, dass sie einen Release á la WOUND vorgesetzt bekommen, aber die Genozidwinde gehen noch rauer zur Sache und prügeln relativ schnörkelos auf ihre Instrumente ein. Die Vorgehensweise erinnert rudimentär fast schon an Black Metal, wobei die Stimme von Sängerin (!) Kat Shevil die meiste Zeit über in den Tiefen der Tonleiter wildert und sich nur zu wenigen Schreien hinreißen lässt. Dass es hier um eine Frau am Mikro handelt hätte ich übrigens ohne Metal-Archives nicht herausgefunden. Ich weiß zwar selbst, wie gut auch Frauen Grunts und Growls zum besten geben können, aber die Stimmbandakrobatik, die Kat hier an den Tag legt, verdient wirklich gesonderten Respekt. Ihre Begeisterung für den Ex-MASSACRE-Fronter Kam Lee kann man nicht nur deutlich auf ihrer Facebook-Seite ablesen, sondern diesen hört man hier auch unmissverständlich heraus. Durch den D-Beat-Einfluss erinnert es zwar mehr an eine andere Ex-Band der Grunzlegende (namentlich: DENIAL FIEND), aber wer hier den größeren Einfluss ausgeübt haben dürfte, ist offensichtlich. 
Ein weiteres hervorstechendes Merkmal dieser Platte ist das Drumming. Mein lieber Herr Gesangsverein! Was HORRIFIED-Schlagwerker Matthew Henderson hier abliefert, ist einfach beeindruckend. Ein durchweg am Anschlag ratterndes Blast-Feuerwerk, das nichts mit dem ätzenden Trigger-Klang moderner Extremisten zu tun hat. Hier fühlt sich auch auf einem digitalen Tonträger das Arrangement noch sehr organisch und warm an.


Ich kann aber nicht nur mit Lob um mich werfen, denn ein massives Problem habe ich mit "Usurping The Throne Of Disease": die Varianz des Song-Writings ist sehr niedrig. Ein wenig Doom, ein wenig Old-School Death und eine Prise Punk bilden so ziemlich die ganze Palette an Zutaten, die hier verwendet wird und auch wenn das spannend klingt beziehungsweise in weiten Teilen auch technisch ordentlich verarbeitet wurde, bleibt nach 32 Minuten Spielzeit nicht ein Song in Erinnerung. Und dass das besser geht, haben die erwähnten WOUND mit ihren letzten Veröffentlichungen immer wieder bewiesen. Deswegen gibt es für WINDS OF GENOCIDE trotz aller Power und technischer Hochwertigkeit, letztendlich nicht mehr als eine mittlere Wertung im oberen Segment. Death-Metal-Maniacs mögen mich dafür steinigen, aber diese Platte will einfach nicht mein Ohr gehen, auch wenn das Fundament eigentlich kein schlechtes ist.
Wenn ihr überprüfen, ob euch "Usurping The Throne Of Disease" mehr zusagt als mir, habt ihr seit dem 26.01.2015 via Pulverised Records die Chance dazu das Teil selbst zu erstehen.

6,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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