Sonntag, 15. Februar 2015

Free For All: Feign "Lost To Eternity"

Ernsthaft, es ist schon wirklich beeindruckend, wie weit Erwartungen und Realität auseinander gehen können. Denn wenn man sich bei Metal-Archives die Band (beziehungsweise das Projekt) FEIGN zum ersten Mal anschaut, würde man eher weniger auf die Idee kommen, dass die Demo "Lost To Eternity" tatsächlich soliden Black Metal enthalten könnte.
Alleinherrscher Jacob Lizotte alias "Thrasher 726" (ohne Witz, dieser Nickname
steht wirklich dabei) sieht ganz oberflächlich betrachtet nicht wie ein Experte für Schwarzmetall aus (Kurzbeschreibung: Teenager mit halblangen Haaren und LAMB-OF-GOD-Shirt) und tatsächlich unter seinem bürgerlichen Namen betreibt er ein Metalcore-Projekt, das bereits zwei digitale Alben (allein in 2014) hervorgebracht hat. Was kann man von so einem Jüngling in Sachen Black Metal erwarten? Überraschend viel! Denn die drei Songs der Demo sind wirklich authentisch und vor allem unheimlich atmosphärisch. Dabei macht es sich Jacob nicht einfach und geht ausschließlich auf die Post-Rock-Schiene, sondern arbeitet verstärkt mit Klangwänden und gekonnten Riff-Kollagen. Gerade das opulente 'Moonlit Passageway' ist mit seinen neun Minuten ein richtiger Koloss, der alle Register zieht, um eine massive und einnehmende Atmosphäre zu erzeugen. Wesentlich vorsichtiger und minimalistischer lässt es 'Souls Whisper' angehen, das mit langsamen Gitarren und einem hauchendem Gesang arbeitet, der das in der Mitte einsetzende Kreischen sehr schön konterkariert. Herzstück des Ganzen bleibt allerdings das sehr ambitionierte Gitarrenspiel des jungen Klampfers. Er spielt zwar die meiste Zeit über wie Prog-Musiker und weniger wie ein Extreme-Metaller, aber ist durchaus auch in der Lage die für den Black Metal typischen wabernden Anschläge zu zocken. Vor allem Liebhaber von LANTLOS oder ALCEST können hiermit ihren Spaß haben.


Insgesamt eine sehr nette Demo von jemandem, dem ich so eine tolle musikalische Leistung optisch nicht zugetraut hätte - Vorurteile sind scheinbar nur dafür da, um überwunden zu werden. Wie dem auch sei: FEIGN hat in jedem Fall das Potenzial zu einem starken USBM-Act heranzureifen und beschert uns mit "Lost To Eternity" einen der Geheimtipps des noch jungen Jahres. Trotz aller Toleranz würde ich Lizotte dennoch empfehlen zumindest für dieses Nebenprojekt etwas an der düsteren Außenwirkung zu arbeiten (zum Beispiel mit entsprechenden Bandfotos, die sich mehr an Black-Metal-Vorbildern orientieren). Bei aller Natürlichkeit hört das Auge ja eben auch mit.
Bei Bandcamp kann man sich das erste Lebenszeichen des US-Amerikaners aus Maine herunterladen.

[Adrian]

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