Freitag, 26. Februar 2021

CD-Review: Inception Of Eternity "Last Exit To The Past"

Nachdem wir uns zuletzt wirklich sehr intensiv mit dem Thema Black Metal beschäftigt haben, schauen wir uns heute einmal zur Abwechslung in anderen Gefilden um. Bei INCEPTION OF ETERNITY befinden wir uns im gotischen Industriegebiet - was viele Stammleser jetzt abschrecken könnte, aber bleibt bei mir! Das zweite IOE-Album "Last Exit To The Past" verdient eine genauere Untersuchung.

Kommen wir zuerst zu den Rahmenbedienungen: knapp 67 Minuten Spielzeit verteilt auf 15 Tracks ist schon eine Ansage. Persönlich finde ich weniger Content besser, der dafür knackig und kurzweilig gehalten ist. Allerdings nutzen die Goth-Rocker*Innen sowohl männlichen als auch weiblichen Gesang und setzen die stimmliche Diarchie so geschickt ein, dass man eine zu schnelle Übersättigung des Hörers verhindert. Mal dominieren die männlichen Vocals von Ken Pike, mal bekommt SINtana mehr Raum geboten - und dann wieder stehen ihre Stimmen etwa gleichberechtigt nebeneinander. Dadurch schießen dem Hörer immer wieder neue Einflüsse in den Kopf, während die Platte durchläuft und von Titel zu Titel springt. Von eher gothic-rockenden Titeln über eher Synthizer-lastige Industrial-Songs bis hin zu dezent power-metallischen Hymen, ist die dargebotene Bandbreite relativ groß und dürfte allen möglichen Geschmäckern Spaß machen. Die Kreativität der Truppe ist sehr vielschichtig und wenn man ihnen eine Sache nicht vorwerfen kann, dann dass sie nur eine Schiene fahren würden. Es gibt aber auch verbindende Elemente. So eint die Lieder die besonders ausgeprägte Eingängigkeit, die sich durch einen dezenten bis Keyboard-lastigen Pop-Appeal in der Melodieführung zum Ausdruck bringt, aber auch das traditionell Hard-Rockige Gitarrenspiel (gerade mit in den Solis) ist ein wiederkehrendes Motiv auf diesem Album. Da hört es dann aber auch schon wieder auf mit den Gemeinsamkeiten. Gerade in der zweiten Hälfte gesellen sich zum genannten Potpourri noch (irische) Folk-Anleihen ('Voices Of Doom') sowie  Wave-Querverweise ('Self-deception') dazu und bedienen dann wirklich die gesamte Klaviatur der Grufti-Musik. NDH, Industrial, Darkwave, Gothic-Rock, etwas Folk und ein wenig (Dark) Metal sind die Hauptzutaten, die ich hier ausmache und die je nach Laune immer wieder unterschiedlich stark dosiert werden.

Bei soviel Einflüssen und Anleihen wird für jeden etwas dabei sein, genauso wie jeder etwas finden wird, was ihm an "Last Exit To The Past" nicht gefallen wird. Persönlich würde ich mir wünschen, dass INCEPTION OF ETERNITY weniger die Synthesizer und stärker die Gitarren bei der Produktion ins Zentrum rücken würde, um mehr Druck im eigenen Sound zu bekommen und insgesamt stringenter zu klingen, was allerdings (wie gesagt) nur eine meine persönliche Meinung repräsentieren kann. Die objektiven Stärken der Kapelle sind ihr ohrwurmorientiertes Song-Writing und die charakterstarke Stimme von SINtana, die dem Projekt das gewisse etwas verleiht und ruhig noch häufiger rockig bis dreckig klingen dürfte (wie sie es bei 'Shame and Fears' beispielsweise tut). Wie bereits eingangs gesagt, wäre mir in Bezug auf die Spielzeit ein pointierterer und kondensierterer Release zwar lieber gewesen, aber auch das ist lediglich meine eigene Präferenz. Wenn ihr auf gitarren-orientierte Gothic-Künstler wie BLOODFLOWERZ oder GOTHMINISTER steht, dann könntet ihr eine Menge Spaß mit dem Quartett haben. Kurzum, hier wird euch ein bunter Querschnitt der schwarzen Szene kredenzt und wer jetzt Hunger bekommen hat, kann sich bis zum Release mit der Video-Single 'The Cradle Of Darkness' einen kleinen Appetithappen gönnen. 
Ab 26.03.2021 gibt es "Last Exit To The Past" bei darkSIGN Music.

7,5 von 10 Punkten

[Adrian]


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