Sonntag, 23. August 2020

CD-Review: Ancst "Summits of Despondency"

 

ANCST haben ja den Ruf ein Grenzgänger zwischen Black Metal und Hardcore zu sein. Bei Inzwischen über 20 Releases (!) hat das Mischungsverhältnis je nach Single, Split oder EP stark variiert. Als jemand, der dieser Band seit den Anfängen folgt, bin ich sehr gespannt, was das fünfte Full-Length-Album "Summits of Despondency" zu bieten hat.

Nachdem ich den ersten Track 'Kill Your Inner Cop' gehört habe, wollte ich schon in die Tasten hauen und schreiben, dass sich ANCST endgültig eher dem Hardcore verschrieben haben (sowohl textlich als auch musikalisch), aber bereits die Gitarren und das Drumming im zweiten Track 'Inferno' lassen mich stutzig
werden. Da kommt ja doch noch was aus der Black-Metal-Ecke! Und das geht dann auch munter so weiter. Der scharzmetallische Anteil steigt immer weiter, so dass man bei 'Razed Eden' schon fast das HARAKIRI-FOR-THE-SKY-Shirt aus dem Schrank holen will. Aber neben diesen (neumodischen) Black-Metal-Einflüssen ist auch die 2000er (metallisierte) HC-Schule rauszuhören. Ich vermeide den Begriff "Metalcore" bewusst, weil es einen Unterschied zwischen Metalcore á la AS I LAY DYING und metallischen Hardcore-Kapellen wie MAROON oder auch BORN FROM PAIN gibt, die für ANCST viel besser eine Patenschaft übernehmen können. Besonders gesanglich sehe ich hier Parallelen zu MAROONs Sänger Andre Moraweck. Die etwas kreischenden Shouts eignen sich eigentlich ganz gut um zwischen schwarzmetallischen Klangteppichen und HC-Stakkato-Geballer hin und her zu wechseln. Allerdings sind manchmal die Übergänge so fließend, dass man gar nicht so genau sagen kann, ob man es nun mehr mit Core oder BM zu tun hat. Gerade bei 'Denazification' verschwimmen die Grenzen zwischen Post-Hardcore und Post-Black-Metal so sehr, dass man sich in einem ganz eigenen Spannungsfeld wiederfindet, wo ich persönlich ANCST auch am liebsten angesiedelt sehe. Denn erst wenn man die Grenzen zwischen den Sub-Genres auflöst, beginnt es so richtig spannend zu werden. Auf den letzten EPs und teilweise auch Splits ging mir der HC-Anteil oftmals etwas zu weit. Natürlich gibt es auch auf diesem Album einige Titel, die eher als metallischer Hardcore zu bezeichnen sind (der Opener ist das beste Beispiel dafür), aber die allermeisten Titel verfügen über schwarzmetallische Facetten oder setzen gleich gänzlich auf BM-Power (wie zum Beispiel auch 'Monotony Of Anguish'). Definitiv eine Entwicklung, die in die richtige Richtung geht!
Alles in allem kann ich deswegen auch nur eine Kaufempfehlung für "Summits of Despondency" aussprechen. Wer ANCST wegen der frühen Scheiben gemocht hat, wird die Berliner auf dem neusten Album zu lieben wissen. Gerade der Post-Black-Metal lässt sich wunderbar mit Hardcore mischen und sorgt für frischen Wind in beiden Musikschubladen. Puristen (egal aus welchem Lager) werden es hassen, aber ich bin mir sicher, dass das ANCST schon immer egal gewesen ist. Kurzum, wer offene Ohren hat, wird mit diesem Dreher eine Menge Spaß haben.
Ab dem 18.09.2020 bekommt dieses Album als CD, Download oder Vinyl bei Lifeforce Records, wo man es auch schon jetzt vorbestellen kann.

8,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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