Montag, 16. März 2020

CD-Review: Deceiver "Wild Hunt"

In beschissenen Zeiten, an denen man selbst nichts ändern kann, hilft es sich mit den schönen Dingen im Leben abzulenken. Wenn ihr auf diesem Blog gelandet seid, unterstelle ich euch einfach Mal, dass Metal euch dabei am besten hilft. Aktuell kann ich euch die Debüt-Full-Length von DECEIVER empfehlen, die dieser Tage erschienen ist. Was euch auf "Wild Hunt" erwartet erfahrt ihr in der Folge.

Ich kenne die Mitglieder von DECEIVER persönlich, da sie aus meiner alten Heimat Limburg an der Lahn stammen und ich muss zugeben, dass das Quintett in den sieben Jahren ihres Bestehen ein unheimlich starke Entwicklung hingelegt hat. Aus einer jungen Band mit viel Potenzial ist ein gereifter Act mit ausgefeiltem Song-Writing und unheimlich viel Zielstrebigkeit geworden. Das Gitarrenspiel von Lead-Klampfer Simon ist noch abwechslungsreicher und
versierter geworden als es in seinen vorangegangenen Projekten gewesen ist, während Sänger Daniel seine kraftvolle Stimmung zu einem klassischen Heavy-Metal-Organ entwickelt hat, das eine wahnsinnige Bandbreite bedient. Mir fällt es verdammt schwer hier irgendeinen Song hervorzuheben, denn das Album ist voller Hits und Hymnen, die brutal gut ins Ohr gehen. Denn gerade wenn ich denke, dass ich mit dem Titeltrack meinen Lieblings-Song auf der Platte gefunden habe, kommt man direkt im Anschluss mit 'Lost In The Dark' um die Ecke, dessen Rhythmik mich angenehm an ANNIHILATOR erinnert, aber den Sound mit NWoBHM-Elementen stimmig erweitert. Und so geht das die ganze Zeit weiter.  Singende Gitarren, bestechende Soli und eine eingängige Melodieführung sind hier das Erfolgsrezept, die dieses Werk so großartig machen. Schon lange hatte es ich nicht mehr mit einem so durchweg überzeugenden Werk zu tun. Natürlich kenne ich einige der Songs bereits von ihren Live-Auftritten, aber die klare aber gleichzeitig erdige Produktion, lassen noch einmal deutlicher erkennen wie wunderbar hier komponiert und interpretiert wurde. Insbesondere die Querverweise zu anderen Größen, die mir immer wieder auffallen, lassen mich bei diesem Album frohlocken. Hier ein bisschen DOKKEN, dort ein wenig SCORPIONS und ab und zu auch eine gute Portion IRON MAIDEN - so erschafft man einen ausgewogenen Schwermetall-Cocktail, der traditionell klingt und gleichzeitig zeitgemäß dargereicht wird.
Alles in allem kann ich über "Wild Hunt" nur positive Worte verlieren. Es gibt nichts an diesem Album, was ich persönlich ändern würde. Es ist für mich eines der besten traditionellen Metal-Alben, das ich in einer langen Zeit gehört habe. DECEIVER legen mit diesen Opus einen Brecher vor, der so gut wie alles an die Wand spielt, was uns in Deutschland während der letzten Jahren von den großen Labels als klassischer Metal verkauft wurde. Ich wünsche den Jungs wirklich, dass sie ein Label finden, dass ihnen helfen kann, das Gehör zu verschaffen, dass sie verdienen. Solche Musik darf nicht in den Niederungen der lokalen Nische versauern, sondern verdient einen Platz auf den großen Bühnen. Egal was ihr sonst so hört, gebt den Hessen eine faire Chance und gönnt euch mindestens einen Durchlauf dieser Abrissbirne. Ihr werdet es definitiv nicht bereuen.
Seit 01.03.2020 gibt es diese Scheibe bei der Band selbst zu ergattern.

10 von 10 Punkten

[Adrian]

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