Montag, 3. Februar 2020

CD-Review: Horresque "Chasms Pt. I – Avarice And Retribution"

Es ist immer wieder erfreulich zu sehen, wenn es für Musiker aus meiner alten Heimat Limburg an der Lahn vorangeht. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie spärlich dort die Infrastruktur und die Szenevernetzungen besonders innerhalb des Extreme Metal sind. Mit HORRESQUE drängt dennoch aktuell eine Truppe aus den Tiefen des Untergrunds hervor, die das Potential hat sich schon jetzt auf den Titel "Newcomer des Jahres" zu bewerben, aber stellen wir  "Chasms Pt. I – Avarice and Retribution" der Reihe nach vor.

HORRESQUE besteht aus Mitgliedern von DISCREATION, FLESH DIVINE und NOCTE OBDUCTA und bringt damit Kompetenzen aus verschiedenen Bereichen (aber vor allem Black und Death Metal) mit, die auf diesem Erstwerk so sehr vermischt werden, dass es schwer ist diesen Dreher klar zuzuordnen. An sich hatte ich diese Truppe (nachdem 2016 ihre erste Demo erschienen war) im düsteren Old-School Death Metal verordnet, das anstehende Studiowerk (bestehend aus acht Songs sowie drei Intros beziehungsweise Interludes) zeigt eine deutlich höhere Affinität zum Black Metal - kein Wunder, dass die Albumpremiere auf dem YouTube-Kanal von

Black Metal Promotion stattfindet. Die Vocals werden in der Hauptsache gescreamt und das Drumming darf sich auch immer wieder in Blasting-Exzessen verlieren. Aber die Art und Weise wie die Riffs aufbereitet werden, stehen dem klassischen Todesblei wiederum deutlich näher. Für diese Mixtur entsprechende Vergleiche zu finden, ist gar nicht so einfach, aber ich versuche es trotzdem. Einerseits kann man eine grundsätzliche Verwandtschaft zu alten BEHEMOTH und DISSECTION unterstellen, aber auch jüngere Genrekollegen wie VENENUM oder NECROS CHRISTOS kann man in diesem Zusammenhang sicherlich auch als Bezüge nennen. Mit fast 50 Minuten bietet die Platte genug Platz für verschiedene Experimente und nutzt die Zwischenspiele, um harmonierende Songs zusammenzufassen. Besonders im letzten Block fällt diese Konzeption auf, da man gegen Ende noch einmal einige Gänge hoch schaltet, was die Drehzahl angeht, wodurch ein furioses Finale entsteht.

Insgesamt verdient sich HORRESQUE meinen allerhöchsten Respekt für ein Werk, dass die Bezeichnung "Blackened Death Metal" wirklich Ernst nimmt. Allein wegen der Fähigkeit eine unheimlich dichte Atmosphäre zu erzeugen, glaube ich, dass HORRESQUE das Zeug dazu hat den Untergrund gründlich aufzumischen. Jeder Titel lässt andere Bilder vor dem inneren Auge entstehen und bleibt nachhaltig im Ohr kleben, was auch der Idee das Album in drei Teile zu teilen zu verdanken ist. Denn dadurch verstärken sich die einzelnen Ideen gegenseitig und werden so zu mehr als der Summe ihrer einzelnen Teile. Jeder, der Black und Death Metal wrklich lebt und keinen Bullshit vorgesetzt bekommen will, wird mit HORRESQUE seine helle Freude haben.
Ab dem 07.02.2020 gibt es den Erstling als Digipack bei The Crawling Chaos Records zu erwerben.

9 von 10 Punkte

[Adrian]

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