Dienstag, 10. September 2019

CD-Review: Totengeflüster "The Faceless Divine"

TOTENGEFLÜSTER. Das ist so eine Band, die ich eigentlich seit Jahren kenne - zumindest vom Namen her oder von Freunden, die darüber reden - aber ich habe keinen bestimmten Sound dazu im Kopf. Dass sie Black Metal machen, weiß ich zwar, aber da hört es auch schon auf. Dass mir die Promo zum neuen Album "The Faceless Divine" in die Mailbox flattert, ist ein guter Anlass mein Wissen über die Schwaben ein wenig aufzubessern.

Kommen wir aber zuerst zu den harten Eckdaten bevor wir in medias res gehen. Das dritte Album der Süddeutschen ist ein Werk, das zwölf Tracks umfasst und knapp eine Stunde Spielzeit bietet. Bereits beim ersten Reinhören wird auch dem unbedarften Hörer klar, dass man es hier mit Symphonic Black Metal zu tun hat - ein Subgenre, das wie kein zweites im Schwarzmetall zwischen bombastischer Epik und pompöser Lächerlichkeit schwankt. Bestes Beispiel sind da die Flaggschiffe CRADLE OF FILTH und DIMMU BORGIR, die mit ihren frühen Werken Meilensteine abgeliefert haben und sich in neueren Releases selbst demontiert oder zumindest ihr Erbe verwässert haben. Wo also ordnet sich "The Faceless Divine" ein? 

Ich würde es so ausdrücken: Ein Meilenstein ist TOTENGEFLÜSTER vielleicht nicht gelungen, aber eine Peinlichkeit ist dieser Dreher aber definitiv auch nicht. Im Gegenteil, auch ein unerfahrener Rezipient kann sich schnell mit dem Material anfreunden. Ich gebe zwar gerne zu, dass ich mich erst ein wenig in die Klangwelten und vor allem in den theatralischen Gesang einarbeiten musste, aber angenehmerweise ist die synthetische Orchestration niemals so dominant, dass es nerven würde. Die Tracks sind überwiegend sehr gut konzipierte Black-Metal-Brecher mit klar traditioneller Kante (wie beispielsweise 'Vermin'), die durch den atmosphärischen Einsatz von sphärischen Keyboard-Teppichen stimmungsvoll angereichert werden und stets spannend bleiben. Die etwa 61 Minuten ziehen sich keinen Meter und auch gegen Ende schafft man es den Hörer noch zu überraschen (wie zum Beispiel mit dem kaskadischen 'Entflamme Mich'). Natürlich zündet nicht alles und manches wirkt tatsächlich etwas kitschig (vor allem wenn Klargesang ins Spiel kommt) - aber solche Ausflüge hebt man sich vornehmlich für die Bonustracks auf und dort sind solche Experimente noch verschmerzbar.

Insgesamt gefällt mir "The Faceless Divine" besser als ich es nach den ersten Songs im ersten Durchlauf gedacht hätte - hat man sich einmal an den vomitierenden Gesang gewöhnt, dann kann man besonders die klassischen Anleihen durchaus genießen, besonders weil das Quintett im Bereich von Saitenhexerei und Schlagwerk sehr auf den Punkt spielt und sich das Album so äußerst tight präsentiert. Wer also ein Freund Dustermetallischer Großtaten ist, die mehrheitlich vor mehr als 15 Jahren entstanden sind und sich seitdem nach Nachschub sehnt, der kann mit TOTENGEFLÜSTER ein Menge Freude haben. Wer grundsätzlich schon mit CARACH ANGREN oder LIMBONIC ART ein Problem hat, wird hier eine harte Zeit durchleben. 
Ab 11.10.2019 wird es diesen Hassbatzen bei Black Lion Records zu erwerben geben.

8 von 10 Punkten

[Adrian]

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