Donnerstag, 11. April 2019

Live-Review: Heidelberg Deathfest 2019 (Teil 1)

Was eine Schlacht! In Deutschlands altehrwürdigster Hochschulstadt ging es ordentlich rund! Das Heidelberg Deathfest hat auch 2019 seine Tore geöffnet und die willigen Massen empfangen, um sich bei Grindcore, Brutal Death und extremen Old-School Metal die Vollbedienung zu geben. Mit internationalen Hochkarätern wie ILLDISPOSED, MISERY INDEX und den mächtigen UNLEASHED. 

Samstag morgen. Das Wetter ist herrlich, ich habe mir das erste Bier aufgemacht und lasse mich vom Ehrenandy Richtung Heidelberg fahren, damit
Von Anfang an ist die Halle gut gefüllt 
wir das vierte Deathfest in einer schönsten Städte Baden-Württembergs 
miterleben dürfen (ein Spoiler vorneweg: der Veranstaltungsort liegt nicht im schönsten Teil der Stadt). Vorher holen wir allerdings noch den FilmElf ab. Auf meine Idee hin tun wir dies am Frankfurter Flughafen, weil es ja auf dem Weg liegt. Nach einer umständlichen Parkplatzsuche in dem zwölfstöckigen Parkdeck, der anschließenden Verwirrung über den Treffpunkt mit dem Elf und der darauf folgenden Suche nach dem Ort, wo das überteuerte Parkgeld bezahlt wird, verlassen wir das Parkhaus auf einem Weg, der an eine Geheimroute aus Mario Kart 64 erinnert. Zugegeben, ich habe nicht immer die besten Ideen, aber danach wird es deutlich besser. In Heidelberg angekommen erwartet uns eine einladende Halle02 mit sommerlichen Außenbereich, Craft Burger Truck und vielen netten Leuten in der Einlass-Schlange. Die Security nimmt ihre Arbeit Ernst und entsprechend dauert es etwas bis man reinkommt. Allerdings lohnt sich das Warten, als wir sehen was uns Innen erwartet.

[Adrian] 


Nach dem etwas verzögerten Einlass sind wir endlich in der Halle. Dort begrüßen
Al Goregrind 
uns die hessischen Death-Metaller AL GOREGRIND bereits mit donnerndem Geballer! Nach einigen Minuten ist die Halle auch schon ordentlich gefüllt, was natürlich der Traum eines jeden Openers ist! Solch einen Andrang habe ich auf einem Ein-Tages-Festival dieser Größe auch noch nicht erlebt. Schon da merkt man, dass die Leute Bock haben, was sich natürlich auch auf den Enthusiasmus und die Motivation der Musiker auswirkt. Die imperialen Goregrinder überzeugen mit Gegrowle, was selbst den wildesten Wookie alt aussehen lassen würde. Somit heizen sie die Masse weiter an und bilden damit eine super Grundlage für den restlichen Tag und Abend!

Die zweite Band schimpft sich ZOMBIESLUT! Zumindest früher mal. Ab dem Heidelberger Deathfest nämlich treten sie unter BALEFUL
Zombieslut alias Baleful Abyss
ABYSS
auf. Dort erwartet uns und das Publikum eine Death Metal Walze vom Allerfeinsten! Die Location füllt sich immer weiter (genauso wie die leider etwas überteuerten Bierhumpen) und alle haben so viel Spaß, wie man mit einer Death-Metal-Kapelle nur haben kann! Es wird mitgegrölt, wo nur mitgegrölt werden kann, die ersten Mosh- und Circle Pits des Tages bilden sich und Haare fliegen in kreisförmigen Bewegungen durch den Wind und das nicht nur in der Front Row! Die 2008 gegründete Band beschallt die Heidelberger Halle mit brutalen Blast Beats, schnellen, groovigen Riffs und sludge-doomigen Passagen. So wirkt der doch straighte Death Metal nie langweilig und macht Bock auf mehr! Leider ist das Ganze auch genau wie bei AL GOREGRIND schon nach 30 Minuten vorbei, aber wir haben ja noch den ganzen Tag (und die Nacht) vor uns! 

[Ehrenandy]

Weiter geht es mit DEATHRITE und leck mich am Arsch ist das genial! Keine
Deathrite 
Ahnung, wieso diese aufstrebende Band bereits als dritte Kapelle des Tages ran muss, aber was diese Mannen immer wieder live abfeuern ist stets beeindruckend. Ihr Death Metal ist zwar ganz klar von alten NIHILIST und DISMEMBER inspiriert, aber weist eine besondere Schwärze auf, wie man sie nur bei wenigen 2010er Truppen bereits so perfektioniert erlebt. Besonders mit einem bärenstarken Album wie “Nightmares Reign” im Rücken, das gerade erst letzten November erschienen ist, läuft die Maschine richtig rund. Auch wenn draußen noch die Sonne bei schönstem Frühlingswetter scheint, gelingt es Dresdnern im Inneren eine tiefschwarze Atmosphäre zu erzeugen, die von einer klassischen Schwedentod-Performance abgerundet wird. Trotz des relativ undankbaren Slots und der Tatsache, dass viele Besucher lieber noch ein bis zwei Bier im Freien heben wollen, kann man sich über den Zuspruch und die Zuschauerschaft nicht beklagen. Von diesen Herren wird man noch einiges zu erwarten haben.



Eine Band, die ihren Wert für mich schon bewiesen hat, hört auf den Namen
Rectal Smegma 
RECTAL SMEGMA. Ja, ich weiss für viele sind die Südholländer nur eine weitere pubertäre Porngrind-Band mit billigem Herrenwitz-Humor und dem typischen Uffta-Rhythmus, den so viele Grind-Gruppen fahren. Allerdings kann ich mich live dieser Band einfach nicht entziehen. Allein der durchtrainierte Sänger Yannic, der sich nie zurückhält seinen tätowierten Körper zu zeigen, ist ein charismatischer Front-Assi, der immer großartig mit der Menge interagiert. Musikalisch machen mir ihre Songs auf der Bühne unheimlich viel Spaß (auch wenn ich zu Hause nur wenig Werke der Niederländer konsumiere).  Der Menge macht es ebenfalls Spaß. Der Andrang ist ordentlich und besonders vorne fliegen die Matten. Zu meckern gibt es da nichts. Diese Jungs sind wie ein guter Hamburger - keine große Kunst, aber etwas Handfestes, was man sich immer geben kann und wo man weiß was man hat. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Mal mit den Herren aus Naaldwijk.

Danach kommt wieder eine deutsche Truppe auf die Bühne in Form der
Acranius
Rostocker von ACRANIUS. Mit den Mecklenburgern hält an diesem Nachmittag auch der Brutal Slam Death Einzug in die Halle 02. Daran scheiden sich wie immer die Geister und für die einen “eher so mittel” für die anderen “großartig”. Das liegt halt am Genre. Die härteste Ausdrucksform des Todesstahls ist für viele auch die stumpfste- Persönlich mag ich es zwar auch eher traditionell und groovy, aber objektiv gesehen machen die Nordostdeutschen ihre Sache wirklich gut. Die Kommunikation mit dem Publikum stimmt und wird bereitwillig und positiv erwidert. Die Ansagen sind außerdem eloquent und  sympathisch. Auch die Performance ist Bewegungsfreude pur und heizt die vorderen Reihen zum mitmachen an. Persönlich ist das zwar alles nicht meins, aber auch nach dem Gig höre ich so viele positive Stimmen von den Zuschauern, dass ich mich wirklich wundere, wieso ich zuvor noch nie etwas von diesem Quartett gehört habe. Ist wahrscheinlich nicht mein Subgenre.

PROSTITUTE DISFIGUREMENT ist zwar auch eine ultra-brutale Truppe, aber ihr
Prostitute Disfigurement
Sound hat ein kompaktes Paket, das besser in meinen Gehörgang rein geht. Allein das röhrende Organ von Sänger Niels ist ein mächtiger Bass, der durch den Konzertsaal hallt und die Fans in den ersten Reihen begeistert. Verstehen tut man bei diesen Growls sinngemäß nichts, aber das ist umso besser, denn die Texte sind ziemlich provokant und feinden alles an, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Frauen, Transvestiten und Homosexuelle sind nur drei Gruppen, die von den Niederländern in den Lyrics behandelt werden. Das sind Song-Texte, die nur dafür geschrieben werden, um zu provozieren. Als jemand, der auch  mit ANAL CUNT und GG ALLIN klar kommen kann, schockiert mich dieser Act nicht besonders. Mir persönlich geht es rein um die Musik und da heißt es “What you see, is what you get”. Dreckiger Brutal Death mit einem Schuss Grind und Technik - das ist ein Rezept das aufgeht. Während die letzten Töne des Set verklingen, frage ich mich aber dann doch, wann der erste kritische Vice-Artikel über diese Herren erscheinen wird
[Adrian]

Fortsetzung folgt

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