Samstag, 20. Oktober 2018

CD-Review: Svarta Stugan "Islands / Öar"


Das folgende Album wird im Promozettel als die perfekte Begleitung für lange Zugfahrten bezeichnet. Das wollen wir doch direkt mal überprüfen. Ich sitze gerade in einer Bimmelbahn und fahre 90 Minuten durch das unterfänkische Hinterland. Schauen wir einfach mal ob mich auf dieser Reise die Post-Rocker von SVARTA STUGAN mit ihrem neuen Album "Islands / Öar" tatsächlich bespaßen können.
Das Wetter ist prächtig. Es ist warm und sonnig an diesem Samstag im Oktober. Das Blattwerk
hat sich bereits herbstlich verfärbt und die Landschaft ist nett anzusehen. Das ist die perfekte Grundlage für Post-Rock. Denn hier stört kein Gesang oder aufgeregtes Geprügel die entspannte Atmosphäre - allerdings bietet besonders die vorliegende Soundtrack'eske Beschallung nur wenig Widerhaken, die man in einer Rezension hervorheben könnte. Natürlich kann man sagen, dass die spacigen Riffs einen psychedelischen Teppich kreiren, auf dem behutsam Effekt-Akzente gepflanzt werden, die sich zu verschlungenen Ranken auswachsen, um schließlich wieder in sich zusammen zu stürzen und erneut aufzublühen. Das liest sich vielleicht ganz gut, aber trifft auf verdammt viele Kapellen in diesem Genre zu. Tatsächlich sind die Schweden noch ein wenig experimentierfreudiger als die meisten Post-Truppen. Abgedrehte Klänge und fremdartige Einwürfe sind keine Seltenheit, die diesem Dreher ein Hauch von Obskurität verleihen ('Inner Space' ist das beste Beispiel dafür). Umgekehrt gibt es aber auch geradezu komatöse Titel wie 'Islands Unknown' zu denen man im Vormittagsprogamm des Bayrischen Rundfunks Berggipfel mit Wettereinblendungen zeigen könnte.

Insgesamt sind die 42 Minuten Spielzeit von "Islands / Öar" ein interessanter Ausflug in experimentelle Post-Rock-Sphären. SVARTA STUGAN wird bei Genre-Freunden auf viel Gegenliebe stoßen, während sich die meisten "normalen" Hörer mit dem langsamen Pacing der Scheibe schwer tun werden. Als gemütliche Hintergrundbeschallung geht das Album zwar auch für diese Hörerschaft in Ordnung, aber für eine simple Geräuschskulisse gibt man ehrlicherweise kein Geld aus (da kann man auch Spotify nehmen). Weswegen ihr auf einer längeren Zugfahrt vielleicht noch ein Buch einpacken solltet - denn um dieses Album aktiv zu hören, ist der Spannungsbogen dann doch zu flach.
WOOAAARGH veröffentlicht diesen Brocken am 14.12.2018.

7 von 10 Punkten

[Adrian]

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