Donnerstag, 7. Juni 2018

Throwback Thursday: TXL "Angst"

Wieso sollte man nur an Scheiben erinnern, die man mag? Ich bin dafür auch Hassobjekte in geliebter Erinnerung zu halten, vor allem wenn die verantwortliche Band immer noch existiert und sich verhältnismäßig großer Beliebtheit erfreut. In diesem Sinne hier ein kleiner Rückwurf mit meinem Powermetal.de-Review zu den deutschsprachigen Rockern von TXL und ihrem 2013er Debüt "Angst", das heute genau fünf Jahre alt wird.
Was soll man denn davon halten? Deutschrock mit traditionell metallischen Einflüssen und mit viel plattem Humor irgendwo zwischen J.B.O. und A.O.K. Zumindest namentlich bleibt TXL dem Schema der Vorbilder mit drei fetten Großbuchstaben in der Bandbezeichnung treu und schreckt ebenfalls nicht davor
zurück, das textliche Niveau bewusst auf Knöchelhöhe zu halten. Der aktuelle Output "Angst" ist Futter für jedes Bierzelt und gleichzeitig der Alptraum eines jeden ernsthaften Musikfans. Die Spaßbacken verzichten zwar zum Glück auf parodierte Versionen bekannter Songs, aber lassen trotzdem in den Eigenkreationen ihre Einflüsse aus der zeitgenössischen Rock- und Metalwelt durchblicken. Allerdings machen diese lächerlichen Lyrics und das nervige Organ vom Fronter Hallid jeden guten Eindruck wieder zu Nichte, den das Song-Writing hinterlassen könnte. Jedoch ist auch das Vermögen Lieder zu schreiben nur in Relation zum Rest noch annehmbar, denn über das Niveau einer dörfischen Kirmes-Kapelle kommt man hier nicht heraus. Da wundert es mich schon stark, dass die drei Herren nicht aus einem trostlosen Kuhkaff sondern aus der Großstadt Berlin kommen. Jedoch erklärt das wiederum den überflüssigen KNORKATOR-Einschlag, den man in akustischen Tiefschlägen wie 'Denn der Herr gab uns den Segen' und 'Dank gilt meiner Fernbedienung' ertragen muss. Ich entschuldige mich an dieser Stelle auch noch mal ausdrücklich für die Querverweise zu den bisher erwähnten "Spaß-Bands", denn was manche von ihnen durchaus charmant, clever und unterhaltsam rüberbringen, funktioniert bei TXL so gar nicht. Damit kann man in seinem Kiez punkten und das von lokalen Punks besetzte Jugendzentrum zum Kochen bringen, bei einem breiten Publikum löst es hingegen nur Kopfschütteln aus.
TXL ist eine rundum gelungene Katastrophe (womit der Name BER besser gepasst hätte). "Angst" senkt den Niveau-Limbo-Stab so tief, dass sogar DIE KASSIERER Probleme haben werden, darunter durch zu torkeln. Meine größte Angst bei dieser Scheibe besteht allerdings darin, dass Blödel-Barden und Comedy-Metaller dieses Werk aufgreifen und es auf den Festivalzeltplätzen der Republik auf Dauerrotation laufen lassen werden, um damit Leuten auf die Eier zu gehen, die geistig älter als elf Jahre alt sind.
Am 07.06.2013 erschien dieser Dreher bei Sonic Revolution.

3 von 10 Punkten

[Adrian]

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