Montag, 4. Juni 2018

Reingehört: Antisoph "self-titled"

"Progressive Metal?", seufze ich, "das kann ja was werden!" Das selbst-betitelte Debüt des norddeutschen Trios ANTISOPH lässt mich meine Stirn in Falten legen. Denn eigentlich bin ich so gar nicht der Typ für musikalische "Progressivität". Allerdings probiere ich auch gerne Neues aus, vor allem wenn Schwarzmetall mit im Spiel ist, wie es der Begleittext vermuten lässt. Verlassen wir also unsere Komfortzone und gehen in medias res.
Hervorgegangen ist ANTISOPH übrigens aus dem Vorgänger-Duo ORB aus Bad Segeberg, wo Basser Wolfram lediglich Live-Mitglied gewesen ist. Hier schraubt
er allerdings zusammen mit Drummer Christopher und Klampfer Jan als festes Mitglied mit an den vertrackten Klangwelten herum. Vorgesetzt bekommt auf diesem Opus gleich sieben Titel, die es zusammen auf eine Spielzeit von etwas mehr als einer Dreiviertelstunde bringen. Direkt ab der ersten Sekunde geht es hier sehr verrückt zur Sache. Gegen jede Erwartungshaltung werden hier Brüche und Pausen eingebaut, dass man erst eine Weile benötigt, um sich daran zu gewöhnen. Im ersten Titel 'Karmaghoul' hört man zwar einige vertraute Black-Metal-Elemente, aber daran solltet ihr euch gar nicht erst gewöhnen. Schon im Folge-Track 'Hypnoroom' geht es mit einer ordentlichen Portion Thrash weiter, die man ebenfalls ziemlich durchgeknallt umsetzt. Gesanglich unterstützt man diesen vertrackten Partitur-Kollaps mit einem Klargesang, der nicht weiter vom Extreme Metal entfernt sein könnte, der für Prog aber wiederum typisch ist. 
Man merkt, dass hier ausgezeichnete Musiker am Werk sind, die versuchen mit den Kompositionen etwas ganz besonderes zu erschaffen. "Das mag ja sein! Aber das ist mir alles zu kompliziert", schießt es mit unwillkürlich durch den Kopf und es fällt mir schwer dem zu widersprechen. Diese Art von Musik ist keine leichte Kost und liegt schwer im Magen.  Ich müsste Lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mit solchen Songs Spaß haben kann. Ich kann mir vorstellen, dass Proggies auf ANTISOPH abfahren werden. Allerdings kann ich (und ich betone hier die Subjektivität meiner Worte) mit diesem Dreher kaum was anfangen. Es gibt zwar immer wieder coole Passagen und spannende Riffs, aber insgesamt nerven mich die Breaks und die ungewohnten Harmonien zu sehr, um mich daran zu erfreuen. Ich weiß, wie gesagt, dass es Menschen gibt, die genau auf sowas stehen. Immerhin wird eine Band wie NECROPHAGIST weithin abgefeiert, während ich ihren Tech-Death einfach nicht leiden kann. Wenn ihr es also vertrackt und anspruchsvoll mögt, dann holt euch die Scheibe von ANTISOPH. Objektiv kann ich diese CD jedenfalls nicht bewerten und verzichte deswegen auch auf jede Note.

Macht euch euer eigenes Bild und holt euch bei Gefallen die CD bei Geisterasche oder Bandcamp, wo man das Album seit dem 3. April 2018 abgreifen kann. Ich brauche jetzt erst einmal eine Runde Grindcore oder War Metal. 

[Adrian]

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