Montag, 7. Mai 2018

Live-Review: Zeremonie der Schatten IV

Wie schnell die Zeit vergeht! Bereits zum vierten Mal gastiert das Tagesfestival Zeremonie der Schatten im Hofheimer Jazzkeller und obwohl das Underground-Event bisher immer ausverkauft gewesen ist, scheint es von Mal zu Mal voller zu werden. Das mag auch daran liegen, dass nicht genutzte Karten inzwischen besser weiterverkauft werden oder die kurzfristigen Absagen einiger Besucher abgenommen haben. Wie dem auch sei, mit SCHRAT, MALUM, ADALWOLF, TOTENWACHE und SARKRISTA ist das Billing mal wieder ordentlich besetzt und wartet auf feierwillige Black-Metaller. 
Totenwache (Foto: Adrian)
Kurz nach sechs startet der Abend mit TOTENWACHE. Das Hamburger Trio trägt Corpsepaint (wie jede Band Heuteabend) und ballert ordentlich drauf los. In bester Szene-Tradition ist der Sound der Norddeutschen ein frostiges Gewitter, das mit verwaschenen Riffs und gemeinen Screams im Bereich der Genre-Credibility punktet. Ihre Songs sind voll mit dichten Klangteppichen und besitzen eine einnehmende Atmosphäre. Leider fehlt es mir bei den Kompositionen in letzter Konsequenz an ausreichend Biss und kreativer Energie um den Spannungsbogen für mich über die volle Distanz des Auftritts zu erhalten. Das ist allerdings nur meine bescheidene Meinung, andere Besucher feiern Songs wie 'Tome Of Lies' oder 'Treacherous Sorcery' hart ab. Insgesamt ist aber in jedem Fall noch Luft nach oben, was das Publikum vor der Bühne angeht. 
Auch bei der nächsten Band ADALWOLF könnte es ruhig etwas voller sein. Die meisten Zuschauer scheinen noch einen gewissen Sicherheitsabstand zur Bühne
Adalwolf (Foto: Adrian)
einzunehmen, was mir zumindest das fotografieren und filmen der Band deutlich erleichtert. Dennoch ist es ungewöhnlich, dass eine Kapelle, die bereits seit 17 Jahren Teil der dunklen Szene ist, nicht mehr Aufmerksamkeit erregt. Es ist auch überhaupt nicht schlecht, was das Trio aus Oranienburg abliefert. Ihr Black Metal ist eine herrlich rohe Mischung aus verschiedenen Einflüssen der frühen deutschen Szene und geizt nicht mit plakativen Hassbatzen wie 'Christenfeind' oder 'Menschenlawine'. Ähnlich wie beim Opener bleiben die Reaktionen auch hier bis auf einige Ausnahmen eher unaufgeregt. Das mag einerseits an der frühen Spielzeit liegen (es ist ja noch nicht einmal dunkel draußen), zum anderen ist das dargebotene Set auch keine Neuerfindung des Rades. Alles in allem geht die Leistung der Herren dennoch völlig in Ordnung. Mein persönliches Highlight an diesem Abend ist allerdings
Sarkrista (Foto: Adrian)
der Gig von SARKRISTA. Es ist unglaublich, was für eine Entwicklung das norddeutsche Kollektiv innerhalb von nur sieben Jahren erschaffen hat. Bereits ihr zweites Album "Summoners Of The Serpents Wrath" aus dem vergangenen Jahr war eine waschechte Offenbarung für die deutsche Extreme Metal Szene und live gelingt es dem Vierer immer noch eine Schippe drauf zu legen. Schon ihr letzter Auftritt in Hofheim war ein Siegeszug und auch heute soll dies nicht anders sein. Vor der Bühne wird es richtig voll und die Stimmung ist bestens. Frontmann Revenant weiß genau wie man mit den Zuschauern agieren muss und begeistert mit einer intensiven, leidenschaftlichen Show, die beweist, dass Black Metal erhaben sein kann ohne langweilig zu wirken - was auch an den großartigen Riffs liegt, die hier wie selbstverständlich aus der Hüfte geschossen werden. Ich habe an diesem Auftritt rein nichts auszusetzen und es muss schon mit dem Teufel zu gehen, wenn die Schleswig-Holsteiner nicht noch deutlich größer werden. 

Auf dem besten Weg in größere Hallen sind auch die Kollegen von SCHRAT.
Schrat (Foto: Adrian)
Gerade ist ihr drittes Album "Alptraumgänger" erschienen und ist für mich schon jetzt heißer Anwärter auf die Top Fünf der Black-Metal-Alben des Jahres. Das hysterische Geschrei von Sänger Dragg ist herrlich schrill bis dämonisch und instrumental glühen die Flakgeschütze. Ich habe keine Ahnung, was man sich da noch mehr wünschen kann. Auch optisch macht die Show eine Menge her. Die Bandmitglieder sehen aus als habe man sie gerade erst aus ihren Grüften gezerrt und in zerschlissenen Leichentüchern auf die Bühne gestellt. Nicht nur ich bin schwer-begeistert vom Gig der Bayern, auch der Rest des Publikums lässt sich mitreißen - zugegeben, vor der Bühne geht es nicht ganz so heftig ab wie bei SARKRISTA, aber enttäuscht bleibt dennoch niemand zurück. Nach vier Auftritten und über fünfeinhalb Stunden Black Metal sind einige Besucher bereits bedient und schleppen ihre müden Knochen bereits nach Hause. 

Kein Wunder also, dass sich das Publikum bei MALUM etwas ausdünnt. Dennoch
Malum (Foto: Adrian)
drängt sich immer noch ein stattlicher Batzen der Zuschauerschaft in die vorderen Reihen, um nichts vom Auftritt der Finnen zu verpassen. Sänger Tyrant belohnt diese Unterstützung mit einer hingebungsvollen Performance, in die er jede Menge Energie legt. Vielen Zuschauern neben mir fällt ebenfalls auf, dass auch bei diesem Auftritt erneut Gitarrist Valtteri Tuovinen mit von der Partie ist. Der Finne durfte nämlich heute schon einmal zusammen mit SARKRISTA auf die Stage, wo er seit diesem Jahr ebenfalls in Lohn und Brot steht. Die Musik ist zwar an sich nichts außergewöhnliches, aber allein die starke Präsentation und die Bühnenpräsenz von Tyrant machen den Auftritt zu etwas besonderem. Leider verpasse ich jedoch das Finale des Gigs, um meine letzte Bahn zu erreichen, womit mein Abend dann auch ein abruptes Ende findet. Dennoch gehe ich nicht enttäuscht nach Hause und lasse den Abend noch lange mit einem fetten Grinsen im Gesicht Revue passieren. Alles in allem ist die vierte Zeremonie der Schatten wie immer ein großer Erfolg gewesen, was dem enormen Engagement des Jazzkellers und des Schwarzen Loge Ritus Teams zu verdanken ist. In Hofheim haben Schwarzmetaller ein dauerhaftes zu Hause im Rhein-Main-Gebiet gefunden, was es absolut zu unterstützen gilt. 

 [Adrian]

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