Samstag, 30. Dezember 2017

Live-Review: Lemmy Tribute Abend im Nachtleben Frankfurt

Zwei Jahre ist es nun schon her, dass wir den Tod von MOTÖRHEAD-Gründer Lemmy Kilmister beklagen mussten. Natürlich sind die Erinnerungen an ihn noch sehr präsent und das Bedürfnis dieser Ikone Tribut zu zollen sehr stark. So trafen sich letzten Donnerstag - an seinem Todestag - ein Haufen hessischer Fans im Frankfurter Nachtleben und erwies dem alten Meister zusammen mit den V8WANKERS, JUNKYARD JESUS und SPITFIRE die verdiente Ehre.

Gegen 20 Uhr starten die Speed-Metaller von SPITFIRE in den Abend und
Spitfire (Foto: Adrian)
werden von den meisten Besuchern mit einem kritischen Sicherheitsabstand bedacht. Ein etwa fünf Meter breiter Graben bildet sich zwischen erster und zweiter Reihe. Das muss aber nicht zwangsläufig etwas mit der musikalischen Qualität zu tun haben, sondern mag auch am vornehmlich Rock'n'Roll-affinen Publikum liegen, das mit den thrashenden Gitarren erst einmal nicht so viel anzufangen weiß. Das Trio aus Karlsruhe springt zwar von Anfang an wild über die Bühne, aber auch ihnen merkt man leichte Unsicherheiten an, die in kleineren Verspielern zum Ausdruck kommen. Aber spätestens als man 'Rock Out' von MOTÖRHEAD covert, taut die Stimmung auf und man wird warm miteinander. Optisch passt der ranzige 80s-Look (Schnauzer, enge Hosen, weiße Turnschuhe mit Kutte auf nacktem Oberkörper) gut ins Konzept des Abends. Eigenkompositionen wie 'Fastway Lights' oder 'Slaves Of Evil' gehen gut ins Ohr, aber am Ende gewinnt man die Menge mit einem letzten Cover von Lemmy und Co. 'Bomber' ist einfach ein Überhit, den man abfeiern muss. Insgesamt ist SPITFIRE keine schlechte Band, aber das Trio hatte anfangs keinen leichten Stand beim Publikum, auch wenn man es gut aufgelöst hat.
Danach geht es weiter mit den Schrottplatz Jesuiten. JUNKYARD JESUS aus
Junkyard Jesus (Foto: Adrian)
Fulda scheint inzwischen ein ordentliches Standing im Rhein-Main-Gebiet zu genießen. Als ich nämlich nach einer Kippe zum ersten Song 'Monkey...' zurück in den  Konzertsaal komme, habe ich Probleme mich nach vorne zu kämpfen. Es ist deutlich voller geworden und das R'n'R-Quartett trifft spürbar besser den Geschmack der Zuschauerschaft als der Opener. Besonders sympathisch ist der Frontmann Heino, der kernig und authentisch wirkt – bei ihm ist es sogar unterhaltsam wenn er versucht sein Hemd auszuziehen. Lieder wie 'Daddy's Little Girl' oder 'She' machen ordentlich Dampf und treiben den Stimmungslevel in die Höhe gerade in den vorderen Reihen fliegen die Fetzen und vor allem die Monitore erhalten Bier- und Apfelweinduschen. Bei einer so positiven Atmosphäre fällt es auch kaum auf, dass man sich mit den MOTÖRHEAD-Covern lange dezent zurückhält. Erst gegen Ende als die Akustikklampfen ausgepackt werden und Schlagzeug sowie Bass Feierabend haben, spendet man Lemmy Tribut und zockt die  ruhigeren Tracks 'I Ain't No Nice Guy' und 'No Voices In The Sky', die auch ohne elektrische Verstärkung sehr gut ankommen. Abschließend bleibt nur zu sagen, dass JUNKYARD JESUS den Abend auch als Headliner hätte tragen können. Auch wenn klassischer Rock'n'Roll nicht zu meiner täglichen Diät gehört, haben mich die vier Domstädter wirklich umgehauen.
Den Platz am oberen Ende des Billings haben heute die V8WANKERS gepachtet.
V8Wankers (Foto: Adrian)
Lutz und seine Jungs sind zwar aus Offenbach, aber (natürlich) trotzdem gern gesehene Gäste in Mainhatten. Der zutätowierte Kampftrinker Lutz ist Kopf, Herz und Seele der Kapelle und gehört mit seiner Truppe seit fast 20 Jahren so sehr zur Region wie Rindswurst, Eppler und Grüne Soße. Das hier der Punk abgeht muss nicht extra erwähnt werden. Nachdem einige Besucher vorher noch gerätselt haben wie viel MOTÖRHEAD im Set der Offenbacher drin sein wird, gibt Lutz eine klare Antwort. Man will keine Tribute-Band mimen (parallel spielt übrigens Abbaths MOTÖRHEAD-Coverband BÖMBERS in Offenbach), sondern im Geiste von Lemmy gemeinsam feiern. Also gibt es in erster Linie Songs aus dem eigenen Repertoire. Das ist natürlich nicht so schlimm, wenn man ohnehin ein Fan der Vixxxer ist oder es werden will. Bei Songs wie 'Black Belt', 'Rockin' Horse' oder 'Eier aus Stahl' fällt es auch nicht wirklich schwer abzugehen und spätestens beim unsterblichen 'This One Is For You' sollte man auch die letzte Nase  im Venue eingefangen haben. Lemmy-Fans dürfen sich unter anderem über 'No Class'  (wofür sich Lutz die Lyrics extra ausgedruckt hatte, aber diese in einer Bierdusche untergehen) und 'R.A.M.O.N.E.S.' freuen. Für meinen Geschmack dürfen es auch noch ein oder zwei MOTÖRHEAD-Nummern mehr sein, aber die Stimmung hat ohnehin bei 'Fist Of Rock' ihren Siedepunkt erreicht und der Level an Pogo-Tänzern und Mikro-Dieben ist auch nicht mehr zu toppen. 
Und da irgendwann auch der schönste Abend zu Ende gehen muss und sich Lutz nach eigener Aussage nicht mehr mit Trinken zurückhalten will (immerhin hatte er nur eine Flasche Jim Beam on Stage dabei) – endet der Abend gut 20 Minuten vor Mitternacht. Alles in allem eine super Show, die Lemmy garantiert gefallen hätte – im nächsten Jahr sollte man diese Tradition unbedingt fortsetzen.

[Adrian]

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