Dienstag, 21. November 2017

Live-Review: Steinwüstennacht im Jazzkeller Hofheim

Der Jazzkeller am Hofheimer Bahnhof ist inzwischen mehr als nur ein lokaler Geheimtipp. In den letzten Jahren ist die Dichte an interessanten und aufregenden Konzerte in diesem unkommerziellen Venue im weiter gewachsen. Mit der aktuellen Steinwüstennacht hat sich der Ort am Taunus erneut als Institution im Bereich Stoner und Heavy Rock positioniert. Zusammen mit zwei exzellenten Unterstützern haben die IRON BASTARDS am vergangenen Samstag eine amtliche Show abgeliefert.

Den Anfang machen allerdings gegen Viertel vor neun die Westerwälder von
Mudfinger (Foto: Adrian)
MUDFINGER. Das Trio um Basser und Sänger Marcus ist gut aufgelegt. Der bärtige Hüne ist um keinen flotten Spruch verlegen und versteht es mit den Zuschauern zwischen den Songs herum zu witzeln. Der Sound ist schwer und gleichzeitig unheimlich groovy wie es sich für eine ordentliche Stoner-Kapelle gehört. Aber die Rheinland-Pfälzer können auch anders und holen für ein Akustik-Medley die stromlose Gitarre aus dem Koffer. Auch auf diesem Feld überzeugen sie und verwandeln den Jazzkeller in einen Saloon in der amerikanischen Prärie. Songs wie 'Breed', 'Scream' oder 'Gravity' kommen besonders gut an und sorgen für zustimmendes Nicken in den vorderen Reihen. Trotz der langen Spielzeit (der Opener zockt fast eine Stunde lang) hält das Publikum vor der Stage aus und verlangt auch noch eine Zugabe, die dann auch gerne gewährt wird. MUDFINGER sollte man sich auf jeden Fall merken.
Kurz darauf steigen die Marburger von BASTARDO in den Ring. Die vier Mittelhessen habe ich bereits vor knapp anderthalb Jahren im Flörsheimer Moshpit gesehen und ähnlich wie damals gibt es auch heute wieder die eine oder andere Länge im Set. Keine Frage, die Jungs spielen eine tolle Mischung aus Stoner, Southern und Groove Rock und sind dabei noch unheimlich sympathisch. Allerdings braucht der Wüstenzug ein wenig Zeit bis er so richtig Fahrt aufnimmt.
Bastardo (Foto: Adrian)
 Als in der zweiten Hälfte des Set dann aber ein paar schnellere Tracks ausgepackt werden, geht die Stimmung im Jazzkeller steil und die Matten werden ordentlich geschüttelt (besonders lobend muss 'Ape On My Shoulder' erwähnt werden, dass mal so richtig fetzt - aber auch 'Coffin King' ist ein Song mit einer Menge Live-Potential). Kurzum, wenn die Maschine erst einmal läuft, dann gibt es auch kein Halten mehr.

Der Headliner des Abends ist aber nicht nur für mich, sondern auch für viele andere Besucher, das französische Trio namens IRON BASTARDS. Ihr aktuelles Album "Fast & Dangerous" war einer meiner persönlichen Favoriten des letzten Jahres und auch live sorgen die hoch-energetischen Rock-Kracher für beste Unterhaltung. Es ist schon eine Weile her, dass ich einen Moshpit im Jazzkeller gesehen haben, aber heute kommt es endlich mal wieder dazu.

Iron Bastards (Fotos: Adrian)
Kein Wunder, denn wie es auch die Band selbst treffend sagt, sind auch ihre langsamen Songs mindestens doppelt so schnell wie alles andere was bisher geboten wurde - was nicht wertend gemeint ist. Als man dann noch einer "kleinen englischen Band" Tribut zollt und 'Ace Of Spades' covert (zugegeben, es hätte auch ein weniger verbrauchtes MOTÖRHEAD-Stück sein dürfen), eskaliert das Auditorium endgültig und kommt aus dem feiern nicht mehr heraus. Solche Bands könnte ich mir stundenlang anschauen, aber leider endet der Gig kurz nach 24 Uhr viel zu früh, auch wenn bereits eine Zugabe zum Besten gegeben wurde. In Zukunft wird man sicherlich noch viel von diesen Herren hören! Es ist überflüssig zu erwähnen, dass die Steinwüstennacht ein voller Erfolg gewesen ist und von der lokalen Szene gut angenommen wurde. Der Jazzkeller war mehr als nur gut gefüllt und braucht sich vor der stets ausverkauften Zeremonie der Schatten nicht zu verstecken, die es bisher immer geschafft hat den Hofheimer Musikschuppen voll zu machen. Eine Fortsetzung dieses Themenabends wird auf jeden Fall empfohlen und erbeten.

[Adrian]

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