Mittwoch, 15. Februar 2017

Classic-Review: Deadwood "Picturing A Sense Of Loss"

Das Frankfurter Einzugsgebiet ist nicht gerade als Hochburg des Black Metals bekannt, auch wenn sich in den letzten Jahren immer mehr Bands aus der Region dieser harten Spielart verschreiben, ist Mainhatten weit davon entfernt ein Szene-Hotspot zu sein. Das hessische Quintett DEADWOOD jedoch ist bereits seit 2004 unterwegs und hat vor knapp vier Jahren ihr Debütalbum "Picturing A Sense Of Loss" in Eigenregie eingetütet.

Neun Jahre hat es also von der Geburt der Truppe bis zur ersten Full-Length gedauert - eine verhältnismäßig lange Zeit, die man aber wiederum sinnvoll genutzt hat. Denn dem Song-Writing hört man das investierte Herzblut an. Es wurde Wert darauf gelegt die Songs ausladend zu gestalten und sich Zeit für einzelne Passagen zu nehmen. Die post-rockigen Parts bauen die Atmosphäre aufwendig auf, damit der knackige Schwarzmetall umso brutaler durch die Stille hervordringen kann, das Zepter allerdings nicht vollends übernimmt, sondern sich mit dem melodischen Fundament vermischt. Wenn die Herren allerdings gemein und hart sein wollen, dann gelingt ihnen das ebenfalls problemlos. 'Gefangen im Spiegel' ist mit sechs Minuten und 30 Sekunden nicht nur der kürzeste Titel der Scheibe, auch rein kompositorisch fällt er aus dem Rahmen und offenbart sich als erbarmungsloseste Brett im halben Dutzend. Das funktioniert besonders gut, weil der Fünfer einen ausgesprochen starken Frontmann hat, der genau weiß wie viel Schmutz und Hass in seine Vocals gehören, ohne dass sie ihre Authentizität verlieren. 

Insgesamt jedoch gewinnt DEADWOOD gerade durch seinen konsequenten Einsatz von Post Rock und Extreme Metal am meisten an Spannung. Im Gegensatz zu anderen Bands stehen sich hier Schwärze und Melodie nicht nur separiert gegenüber, sondern fließen viel stärker ineinander als bei anderen Vertretern der genannten Spielart. Die verwaschene, wabernde Natur, die beide genannten Genrewelten vereint, wird hier sehr effektiv genutzt, um ein herrliches Klangerlebnis zu erschaffen. Wer die Anfangszeiten von ALCEST und LANTLOS vermisst und auch bei DEAFHEAVEN sowie HARAKIRI FOR THE SKY die Ohren spitzt, sollte sich diesen Dreher noch einmal anschauen, sofern er dies noch nicht getan hat. Ansonsten bekommt ihr unter anderem am 6. Mai im Second Home Ennerich die Chance, die Jungs live zu erleben. Denn vor allem auf der Bühne ist das Material von "Picturing A Sense Of Loss" ein Garant für Gänsehaut.

[Adrian]

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