Sonntag, 22. Januar 2017

Reingehört: Rude "Remnants..."

Vielleicht fragt sich der eine oder andere, wieso bei manchen Totgehört-Rezensionen "CD-Review" und bei anderen "Reingehört" darüber steht. Das hat mit dem betrachteten Objekt zutun. Generell sind CD-Reviews ausführlicher und kümmern sich stärker um Details von Veröffentlichungen während "Reingehört"-Postings ganzheitlicher und allgemeiner gehalten sind. Deswegen fallen zum Beispiel die meisten EPs und Demos aufgrund ihrer Spielzeit in die Sektion "Reingehört" und Full-Length-Alben in die Kategorie "CD-Review". Im Falle von "Remnants..." von RUDE muss ich allerdings eine Ausnahme machen. 

Das liegt nicht an der Spielzeit. Denn mit knapp 40 Minuten gibt es auf diesem Dreher eigentlich genug Material für eine ausführliche Analyse. Allerdings gibt es beim Zweitwerk von RUDE nur wenig Anlass dazu diesen Artikel unnötig in die Länge zu ziehen, denn im Grunde habe ich mich mit meinen letzten beiden Beiträgen über RUDE (Demo und Debütalbum) erschöpfend zum amerikanischen Vierer geäußert. Denn sie klingen noch  immer wie eine Tampa-Death-Metal-Band aus den späten 80er Jahren, die man in unserem Jahrzehnt aufgetaut hat, um ein Comeback-Album aufzunehmen. Das ist normalerweise kein Problem und die vier Musiker sind auch besonders authentisch - so sehr sogar, dass man es nicht merken würde, dass es sich hierbei um ein aktuelles Album handelt, wenn man Songs wie 'House Of Dust' oder 'Blood Sucker' in eine Playlist mit den Todesstahl-Klassikern stecken würde. Vermutlich würde niemand merken, dass RUDE eine Bands des neuen Jahrtausends ist und das ist gleichzeitig auch das große Problem, was ich inzwischen mit dieser Truppe habe. Versteht mich nicht falsch: die Kalifornier verstehen ihr Handwerk und schaffen es eine ordentliche Death-Metal-Wand hochzuziehen, aber es fehlt mir ein eigener Charakter. Bei der Demo und auch beim Erstwerk konnte man noch sagen, dass die Amis viel Potenzial haben und technisch versiert sind, ohne dabei weiter auf den (fehlenden)  Eigencharakter eingehen zu müssen (immerhin handelte es sich ja um einen Newcomer). 

Bei "Remnants..." kann man jedoch keine Nachsicht mehr walten lassen, denn mitgerissen werde ich von RUDE diesmal ehrlicherweise nicht. Es ist kein schlechtes Album - Sound, musikalische Fähigkeiten und Atmosphäre bewegen sich auf einem hohen Niveau. Doch Kalifornier bringen einfach zu wenig eigene Trademarks mit, die nachhaltig im Ohr hängen bleiben. Die verrückten Synthies in 'Children Of Atom' wären zum Beispiel ein Ansatz, den man ausbauen könnte, denn  traditionellen Death Metal mit krachigen Keyboards hat man seit NOCTURNUS nicht mehr gehört. Es wurde inzwischen allerdings mehr als genug Tribut an "Cause Of Death" und "Leprosy" gezollt. 
Seit 20. Januar gibt "Remnants" im Portfolio von FDA Records.

[Adrian]

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