Dienstag, 27. Dezember 2016

Live-Review: Mallet im Kreml Zollhaus

Wenn man an Weihnachten der besinnlichen Feiertagsidylle entkommen will, ist das gerade in Hessen gar nicht so leicht, denn hier werden alle Tanzverbote mitgenommen, die das fanatische Spießbürgertum zu bieten hat. Zum Glück grenzen an das mittelalterliche Hinterland auch noch ein paar lockere Bundesländer wie Rheinland-Pfalz, die zwar auch an einigen Tagen im Jahr die Party-Inquisition aufleben lassen, aber insgesamt weniger streng sind als die benachbarten Bibelbembel. Am ersten Weihnachtstag hieß es deswegen für mich: ab über die Landesgrenze in den Hahnstätter Stadtteil Zollhaus, wo im Kulturhaus Kreml die Schlangenbader Rock-Institution MALLET sich mal wieder die Ehre gegeben hat.

Der Kreml ist eine Location, die gleich mehrere Nutzungsmöglichkeiten erlaubt.
Mallet (Foto: Adrian)
Abseits von Konzerten und Darbietungen, kann es auch als Cafe oder Kneipe genutzt werden und ist ganz nebenbei auch noch ein kleines kommunales Kino. Heute allerdings steht kerniger Rock auf der Speisekarte, der von MALLET serviert wird. Die drei Herren aus dem Rhein-Main-Gebiet sind seit 1979 unterwegs und spielen neben eigenen Songs verschiedene Rock-Klassiker und Oldies. Der Abend beginnt einige Minuten nach neun mit einer eigenen Nummer des Trios. 'On My Way' vom aktuellen Album "Man On Fire" führt entspannt in den Abend ein. In der Folge geht es mit bekannten Tracks von ZZ TOP, BILLY IDOL oder auch FRANK ZAPPA weiter. Nichtsdestotrotz sind es vor allem die eigenen Nummern wie 'Million Dollar Babe' (das man allen unterbezahlten Angestellten im Sozial- und Gesundheitsbereich widmet), die zu überzeugen wissen. Die Ansagen sind übrigens generell sehr hörenswert. Man nimmt sich hier meist selbst auf die Schippe oder motiviert das Publikum beispielsweise dazu im Kanon mitzusingen. Mit einer Spielzeit von deutlich mehr als zwei Stunden kann man sich am Ende auch nicht beklagen zu wenig für sein Eintrittsgeld erhalten zu haben. Das mehrheitlich mittelalte Publikum (schätzungsweise sind zwei von drei Besuchern älter als 45 Jahre) bedenkt das Dreigestirn mit entsprechendem Jubel, der weit über Anstandsapplaus hinausgeht.

Alles in allem, ein guter Abend mit drei Musikern, denen man ihre über Jahrzehnte erworbene Erfahrung deutlich anhört - wobei die Spielfreude gleichzeitig so groß ist wie bei einem Newcomer. Ihre abgebrühter Bluesrock passt perfekt zur aktuellen Retro-Bewegung und ich hätte nichts dagegen sie zukünftig mit einem Set zu sehen, das weniger Cover und mehr eigene Tracks beinhaltet, denn die drei Rheingauer sind nicht nur gute Performer sondern auch sehr kompetente Song-Writer, die es schaffen Weihnachten ein wenig cooler zu machen.

[Adrian]

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